Wer kennt ihn nicht: Paul Accola. Der Mann, der immer noch eine Saison dranhängt und immer weiter die Pisten herunterbügelt, als ob es nicht anderes in der Welt geben würde. Über seine gesamte Karriere könnte man wohl ein Buch schreiben, so viele Geschichten rund um den Skisport hat dieser Mann mitgeschrieben.

Erfolgreichste Saison 1991/1992
Accola, der schon bei den Olympischen Spielen 1988 in Calgary mit dabei war und dort bereits Bronze in der Kombination gewann, hatte sein überragendes Jahr 1991/1992, als er unglaubliche 14 Mal auf das Podest fuhr und sieben Weltcup-Siege feiern konnte. Der unglaublich vielseitige Paul Accola lieferte eine One-Man-Show vom Feinsten ab, keiner konnte ihn wirklich gefährden. Auch nicht 'la Bomba' Alberto Tomba und Marc Giradelli, die ihm wenigstens einigermaßen Paroli boten. Einziger Wermutstropfen der Top-Saison des Kämpfers Accola: Bei den Olympischen Spielen in Albertville konnte er keine Medaille erreichen, obwohl er mit Tomba der absolute Top-Favorit auf Gold war. Doch im Gegensatz zu Tomba, der Gold und Silber gewann, musste sich Accola mit der 'Holzmedaille' im Riesenslalom begnügen, knapp geschlagen von Kjetil-Andre Aamodt, der ähnlich lange wie Accola im Weltcup aktiv ist.

Accola, der Lebemann
Für Accola, der mit Valerie Favre verheiratet und seit Juni 2002 glücklicher Vater einer Tochter ist, verlief die Saison 1992/1993, nachdem er davor noch souveräner Weltcup-Sieger geworden war, enttäuschend. Als hoher Favorit gestartet gelang es ihm nicht einmal auf das Treppchen zu fahren, was einer Sensation gleich kam. Auch in den darauf folgenden beiden Wintern war Accola nicht in guter Form und blieb wieder außerhalb der Weltspitze. Zwei sechste Plätze 1995/96 waren ein neuer Schritt dorthin, doch erst bei der WM 1997 in Sestriere meldete Accola, der lange nach seiner Form gesucht hatte, sich wieder zurück. Im Riesenslalom schaffte er einen guten fünften Rang! Und als ob es eine Initialzündung gewesen war, fuhr Accola in Shigakogen nach langer Zeit wieder einmal auf einen dritten Rang und bestieg neben seinem Teamkamerad Michael von Grüningen und Andreas Schifferer das Podium; nur eine Hundertstel hatte er sich vor seinen Langzeitkonkurrenten Aamodt gesetzt. Von dort an lief es wieder ein bisschen besser für Accola, der sich als feste Größe im Weltcup noch einige Male auf den dritten Platz fahren konnte. Doch erstaunlicherweise hat er alle seine Weltcup-Siege in der Saison 1991/1992 errungen: In seiner Saison! Die kann ihm niemand mehr nehmen.

Paul Accola privat
Paul Accola lebt mit seiner Familie in Davos und ist eigentlich gelernter Zimmermann. Wenn er nicht auf Skiern steht, was in den letzten 20 Jahren nicht besonders häufig vorgekommen ist, dann macht er anderen Sport. Hauptsächlich Golf, um das aufschäumende Gemüt zu beruhigen. Der Ur-Schweizer isst gerne Bündnerfleisch und ist vor allem durch seine Sprüche bekannt und beliebt geworden. So sagte er 1988, gefragt nach seiner Medaille in der Kombination bei den Olympischen Spielen: "Was ist schon die Kombination! Die interessiert ja doch kein Schwanz". Paul Accola wird wohl nicht mehr viele Winter im Weltcup aktiv sein, genießen wir seine letzten Jahre und freuen uns auf den Schweizer!

Steckbrief:
Geboren: 20.02.1967
Nation: Schweiz
Heimatverein: Davos
Größe: 176 cm
Gewicht: 80kg
Sprachen: Englisch, Deutsch, Italienisch
Hobbies: Sport, Traktor fahren, Golf
Web: www.paulaccola.ch

Erfolge:
Es folgt ein Blick in den Karrierespiegel des erfolgreichen Schweizers. Die einzelnen Disziplinen sind wie folgt abgekürzt: DH=Abfahrt, SG=Super-G, GS=Riesenslalom, SL=Slalom, K=Kombination

Olympische Spiele:
2002 in Salt Lake City (USA): K (6), SG (10)
1998 in Nagano (JAP): GS (7), SG (18), SL (18)
1994 in Lillehammer (NOR): SG (14), K (6), GS (19), SL (17)
1992 in Albertville (FRA): GS (4), K (21), SG (10), SL (6)
1988 in Calgary (CAN): K (3)

Weltmeisterschaft:
2001 in St. Anton (AUT): GS (8), K (3), SG (13)
1999 in Vail (USA): SG (5), DH (16), K (3), GS (4), SL (9)
1997 in Sestriere (ITA): SL (18), GS (5), K (6)
1996 in Sierra Nevada (SPA): GS (13), K (11)
1993 in Morioka (JAP): SL (5)
1991 in Saalbach (AUT): SL (11), K (4)
1989 in Vail (USA): K (2), SL (4)

Weltcup:
Weltcup-Gesamtsieger 1992
Weltcup-Disziplinen-Sieger im Super-G 1992
Weltcup-Disziplinen-Sieger in der Kombination 1992
Weltcup-Disziplinen-Zweiter im Slalom 1992
insgesamt sieben Weltcup-Siege, 26 Podiumsplätze