Stephan Kurz kann auf jahrelange Erfahrung als Trainer zurückblicken. Er begann 1988 als Assistenz-Coach im DSV und war in der Folge unter anderem Disziplin-Trainer für Abfahrt und Super-G der Damen im Deutschen Skiverband. In dieser Zeit feierte er mit Katja Seizinger und Hilde Gerg große Erfolge. 2003 wechselte er zum Kanadischen Skiverband, wo er als Cheftrainer die Damen betreute. Nach einem Jahr in Übersee ist Kurz nun für die schnellen Disziplinen bei den schwedischen Damen zuständig. Mit Ski2b.com sprach er über seine neue Aufgabe.

Ski2b.com: Stephan, die letzten zwei Jahre waren für Dich beruflich sicherlich sehr ereignisreich. Siehst Du Dich als Weltenbummler des alpinen Skisports?
Stephan Kurz: Deutschland, Kanada, Schweden hört sich nach Weltenbummler an. Auf den ersten Blick sieht das auch so aus. Die letzten zwei Jahre waren nicht so leicht für mich. Es waren gewisse Umstände in meinem Umfeld, die für mich sehr schwierig waren zu ordnen. Nun haben sich entscheidende Dinge verändert, Gedanken und Ideen wurden gesammelt und neu ausgerichtet. Der klare Blick für die Zukunft ist wieder da und ich freue mich auf neue Aufgaben. An dieser Stelle möchte ich mich bei all meinen Freunden bedanken, die mir in den letzten drei Monaten zur Seite standen. Vielen Dank!

Ski2b: Du bist jetzt als Trainer für die schwedischen Damen um Anja Pärson zuständig. Was ist Dein erster Eindruck von der Trainingsgruppe?
Stephan: Seit 1. Mai bin ich für die schnellen Disziplinen bei den schwedischen Damen zuständig. Nach einer kurzen Stippvisite Anfang April in Stockholm begannen wir Mitte Mai mit einem Schneelehrgang in Norwegen. Der Wettergott war nicht auf unserer Seite und wir konnten nur ein paar Tage Skifahren. Der erste Eindruck war sehr gut und trotz des schlechten Wetters konnten wir gerade im zwischenmenschlichen Bereich gute Fortschritte erzielen. Wir lernten uns kennen und hatten Spaß beim Training. Dies war ein guter Anfang.

Ski2b: Du hast zuvor bereits für den DSV und auch für das kanadische Team in leitender Funktion gearbeitet. Was sind die Unterschiede in der täglichen Arbeit zwischen den Verbänden aus Deutschland, Kanada und Schweden?
Stephan: Unterschiede? Ziel war und ist bei allen, dass man gut Ski fährt und Rennen gewinnt. Jedoch sind einige Gegebenheiten unterschiedlich, und gerade das macht das Arbeiten sehr interessant. Das Arbeiten am Hang und bei den Rennen ist miteinander vergleichbar. Während man in Deutschland zwischen den Rennen mal kurz zu Hause vorbei schauen kann, muss man in Kanada und Schweden immer sehen, wo man zwischen den Rennen die Zeit verbringt. In der vergangenen Saison waren die Athleten zum Teil drei Monate nicht zu Hause. Dabei wird eine gute Stimmung und ein gutes Verständnis im Team umso wichtiger.

Ski2b: Welche Schwerpunkte setzt Ihr beim Training, besonders jetzt in Chile?
Stephan: Mit Anja Pärson geht nur eine Schwedin nach Übersee. Wir werden mit der deutschen Mannschaft Abfahrt und Super-G trainieren. Anja will in dieser Saison, wenn es geht, bei allen Speed-Wettbewerben teilnehmen. In Chile bieten sich zur Zeit sehr gute Möglichkeiten, um die technischen und taktischen Fähigkeiten im Speedbereich zu verbessern. Natürlich haben wir auch kürzere Ski dabei, um ein wenig Slalom und Riesenslalom zu trainieren. Anja begibt sich zum ersten Mal nach Chile, um dort die schnellen Disziplinen zu bestreiten. Mal sehen wie das so läuft.

Ski2b: Gibt es eventuell neue Technik-Tendenzen, von denen Du berichten kannst?
Stephan: Neue Technik, alte Technik. Ich denke man sollte sich die guten Rennläufer ansehen und dann überlegen welcher Bewegungsablauf für den Einzelnen am besten passt. Für mich war es schon sehr interessant, eine Anja Pärson hautnah beim Training zu erleben.

Ski2b: Was sind Deine persönlichen Ziele in naher und ferner Zukunft?
Stephan: Ich wünsche mir, dass meine Aktiven und Trainerkollegen mit meiner Arbeit zufrieden sind. Tritt dies ein kann ich auch zufrieden sein, und das bedeutet mir schon sehr viel.

Ski2b: Wir bedanken uns für das Interview und wünschen eine gute Saison.
Stephan: Ich bedanke mich auch.