Marlies Oester wurde am 22. August in Adelboden in der Schweiz geboren. Und wie es sich für eine echte schweizerische Familie gehört, konnte Marlies schnell für das Skifahren begeistert werden. Von ihrer Familie, Vater Gilgian Sen., Mutter Klara und ihren Brüdern Beat und Gilgian Jun., wurde sie auf ihrem Weg in den Weltcup-Zirkus stets unterstützt.

Mit 17 Einstieg in den Weltcup
Marlies konnte bereits mit 17 Jahren beim Slalom in Sestriere 1994 ihren Einstand in den Weltcup feiern. Die in den technischen Disziplinen sehr versierte junge Fahrerin konnte auf Anhieb die Punkte erreichen und war somit das erste Mal in Erscheinung getreten. Dass sie schon zu diesem Zeitpunkt zu den besten 20 Slalom-Läuferinnen zählte bewiesen ihr 19. Rang in Garmisch und Platz 15 in Lenzerheide.
Einen ersten, aber spektakulären Höhepunkt ihrer Karriere konnte Oester im März 1995 bei den Junioren-Weltmeisteschaften in Voss erreichen. Nachdem sie Neunte in der Abfahrt geworden und mit dieser Liesung schon mehr als zufrieden war startete sie im Slalom voller Selbstvertrauen und deklassierte ihre jungen Kolleginnen um mehr als eine Sekunde: Junioren-Weltmeisterin! Damit stand der Profi-Karriere nichts mehr im Weg.

1995/1996 volle Konzentration auf den Weltcup
Nach ihrem triumphalen Gewinn der Junioren-WM stieg Marlies Oester komplett in den Weltcup ein. Verletzungsbedingt jedoch erst Ende November, so dass sie eine Weile brauchte, bis sie sich wieder voll belasten konnte. Dann jedoch ging die Formkurve steil nach oben. In Semmering belegte sie die Ränge neun und vier in den Slalom-Rennen, verpasste dabei kurz vor dem Jahreswechsel das Podest nur knapp. Dieses erreichte sie aber schon drei Wochen später beim Slalom in Sestriere, als sie sich nur ihrer Teamkollegin Sonja Nef geschlagen geben musste und den Doppelsieg perfekt machte. Mit 19 Jahren war Marlies Oester also schon fast an der Spitze des Weltcups angekommen.

Schwere Verletzungen werfen sie zurück
Im folgenden Jahr waren die Highlights für Oester zwei fünfte Plätze in Zwiesel und in Maribor. Und auch bei der wahnsinnig spannenden Kombination bei den Weltmeisterschaften in Sestriere 1997 reichte es für sie zum fünften Platz, als die ersten Fünf nur 35 Hundertstel auseinander waren.
Ein Tiefpunkt für die lebensfrohe Oester kam dann leider in der Saison 1997/1998. Sie hatte nach einer abermaligen Verletzung, einem Schlüsselbeinbruch, erst im Novemer einsteigen können und konnte in ihren acht Starts nur einmal in die Punkte fahren.
Und auch in der nächsten Saison schaffte Oester es nicht den Anschluss wieder zu schaffen. Ein 21. Platz war für den Verband und auch für sie selbst zu wenig, so dass sie den zweiten Teil der Saison vor allem im Europacup startete.

Tiefpunkt überwunden
Oester konnte lange Zeit nicht an ihre alte Leistungsstärke anknüpfen. Bei der WM 2001 in St. Anton erreichte sie nach langer Durststrecke wieder einmal einen Platz unter den Top 15, doch ein Platzen des Knotens war dieses Rennen noch nicht. Erst 2001/2002 kam langsam die Konstanz wieder. Zu Beginn der Saison wurde sie 12. in Copper Mountain und kurz danach Neunte in Sestriere. Als sie in Maribor dann als Fünfte und Neunte voll überzeugen konnte, war klar, dass Marlies sich in diesem Winter ein Menge vorgenommen hatte. Und das zeigte sie dann auch in Berchtesgarden. Zeitgleich mit Kristina Koznick, der jungen Amerikanerin, gewann sie den Slalom und somit ihr erstes Weltcup-Rennen. Vor allem ihrem sensationellen zweiten Lauf hatte sie den Sprung nach ganz oben zu verdanken: Mit Laufbestzeit fuhr sie den Run ihres Weltcup-Lebens. Ein Wehrmutstropfen waren danach die Olympischen Spiele in Salt Lake City. In der Kombination wurde die Schweizerin Vierte und durfte leider keine Medaille entgegennehmen.

Medaille in St. Moritz
Den Sprung auf das Podest bei einem Großereignis schaffte Oester dann bei der WM in St. Moritz 2003. Endlich hatte sie das Glück der Tüchtigen und verwies Marlies Schild um einen Wimpernschlag auf Platz vier, so dass sie sich über die Bronzemedaille freuen durfte. Im Winter 2003/2004 hatte sich Oester erstmalig auch im Riesenslalom versucht und verbuchte einige Plätze unter den Top 30, ein neuerliches Highlight war ihr aber nicht vergönnt.

Zweiter nationaler Titel
Auch im folgenden Winter wollte es mit Spitzenplätzen nicht richtig klappen für die Schweizerin. Oester hatte als bestes Resultat einen siebten Rang beim Riesenslalom in Aspen. Doch zum Ende der Saison gab es dann doch Grund zum Jubeln, denn Oester konnte sich zum zweiten Mal den Titel der Schweizer Meisterin sichern. Ein versöhnlicher Abschluss einer ansonsten recht verkorksten Saison.

Karriereende nach 13 Jahren Weltcup-Zirkus
Nach ihrem Kreuzbandriss im Dezember 2005 entschloss sich Marlies Oester ihre Ski endgültig an den Nagel zu hängen. Sie kann auf 13 erfolgreiche Jahre zurückblicken, die aber auch oft durch Verletzungspech geprägt waren. In den Geschichtsbüchern hat sie sich mit einem Weltcupsieg 2002, einer WM-Bronzemedaille und 16 Top Ten Ergebnisse im Weltcup verewigt. Für ihre Zukunft, in der sie zunächst einmal einen Sprachaufenthalt in Frankreich plant, wünschen wir ihr alles Gute!

Steckbrief:
Geboren: 22.08.1976 in Adelboden
Nation: Schweiz
Heimatverein: Adelboden
Größe: 166 cm
Gewicht: 63 kg
Hobbies: Wasserskifahren
Web: www.marliesoester.ch

Erfolge:
Es folgt ein kurzer Blick in den Karriereverlauf der blonden Schweizerin. Die einzelnen Disziplinen sind wie folgt abgekürzt: DH=Abfahrt, SG=Super-G, GS=Riesenslalom, SL=Slalom, K=Kombination.

Olympische Spiele:
2002 in Salt Lake City (USA): K (4), SL (DNF),

Weltmeisterschaft:
2005 in Bormio (ITA): K (14), GS (18), SL (DNF)
2003 in St. Moritz (SUI): K (3), GS (14), SL (14)
2001 in St. Anton (AUT): SL (14)
1997 in Sestriere (ITA): SL (DNF), DH (31), K (5)
1996 in Sierra Nevada (SPA): SL (DNF)

Weltcup:
Weltcup-Disziplinen-Neunte im Slalom 2002
Weltcup-Disziplinen-Sechste in der Kombination 2003
insgesamt ein Weltcup-Sieg und ein weiterer Podestplatz