Die Schweizer Skirennläuferin Sonja Nef kann zahlreiche Erfolge in ihrer Karriere vorweisen, unter anderem steht ein Weltmeistertitel im Riesenslalom in St. Anton 2001 zu Buche. Im Weltcup-Winter 2003/2004 war die Schweizerin nicht wie gewohnt erfolgreich und machte sich Gedanken über ihre Zukunft. Sie entschied sich zum Weitermachen und startet nun hoffnungsfroh und mit neuem Trainer in die WM-Saison. Ski2b.com sprach mit der Eidgenössin, kurz bevor sie den Flieger in Richtung Argentinien betrat, wo die Schweizer Ski-Damen einen intensiven Schneekurs abhalten werden.

Ski2b.com: Der erste Teil der Vorbereitung ist nun abgeschlossen. Wie bist Du persönlich damit zufrieden?
Sonja Nef: Also ich muss sagen, dass die Vorbereitung bisher sehr gut verlaufen ist. Wichtig ist, dass ich körperlich absolut fit bin. Die Situation ist nicht mit dem letzten Jahr zu vergleichen, als ich zu dieser Zeit aufgrund meiner Knie-Operation erst mit der Vorbereitung anfangen konnte. Dieses Jahr ist das anders und auch das Knie hält. Ich bin gesundheitlich wirklich fit. Jetzt kann die Arbeit in Übersee beginnen, um für die WM-Saison richtig in Schwung zu kommen.

Ski2b: Was erhoffst Du Dir vom anstehenden Trainingslager in Argentinien? Wo liegen die Schwerpunkte?
Sonja: Ich möchte technisch einfach wieder sauber Skifahren. Im letzten Jahr befand ich mich in einem Loch und habe viele Fehler gemacht, die automatisiert wurden, sich also fortpflanzten. Das hat sich durch die ganze Saison gezogen und ich konnte überhaupt keine guten Leistungen mehr zeigen. Mittlerweile läuft es wieder besser, das freie Skifahren klappt ganz gut. Es heißt jetzt, dies bei den Rennen in die Tore umzusetzen. Dann geht es auch wieder aufwärts.

Ski2b: Die letzte Saison verlief für Dich nicht berauschend, Du hast mit Rücktrittsgedanken gespielt. Wie nah warst Du denn daran, aufzuhören?
Sonja: In der Tat habe ich am Ende der Saison mit dem Gedanken gespielt. Besonders schlimm war es nach dem Rennen in Levi, als ich mich noch nicht einmal für den zweiten Durchgang qualifizieren konnte. Danach musste ich erstmal einen klaren Gedanken fassen, nachdem ich so schlecht gefahren war. Der Schmerz war groß und ich hatte die Nase voll. Doch jetzt ist der Glaube an mich wieder da und ich habe gemerkt, dass ich den Sport noch liebe. Außerdem habe ich noch Ziele, die ich erreichen möchte.

Ski2b: Was hast Du denn im Vorfeld dieser Saison geändert, damit Du wieder in die absolute Weltspitze vorfahren kannst?
Sonja: Am Ende der letzten Saison kam ich zu der Einsicht, dass ich etwas ändern muss. Ich habe dann unter anderem Skimaterial getestet, bin letztendlich jedoch zu dem Schluss gekommen, dass ich mit Völkl am Besten fahren kann und bin auch dabei geblieben.
Der große Wechsel war, dass ich mich von meinem langjährigen persönlichen Trainer Sepp Brunner getrennt habe und jetzt von Franz Gamper betreut werde - ein großer Schritt, immerhin habe ich sieben Jahre lang mit demselben Trainer Erfolge erreicht; und bin ihm extrem dankbar für seine Unterstützung.

Ski2b: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Franz Gamper bisher?
Sonja: Das ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu sagen. Es war allerdings gut, nach der Saison den Trainerwechsel zu vollziehen. Ich habe mich mit Sepp Brunner gut verstanden, doch nach so vielen Jahren tritt auch eine gewisse Monotonität ein. Mit dem Franz Gamper kommt neuer, frischer Wind in die Trainingsarbeit, die mir gut tut. Es ist ein neuer Aufbau, eine neue Herausforderung für mich, die ich gerne annehme.

Ski2b: Ein Blick voraus: Auf Euch wartet eine WM-Saison. Wie sehen Deine Ziele aus? Hast Du Dir schon Gedanken über die Weltmeisterschaft in Bormio gemacht?
Sonja: Über die WM habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich möchte im kommenden Winter zunächst einmal wieder so Skifahren, dass ich sagen kann: "Das ist wieder die alte Sonja Nef wie wir sie von früher kennen". Zusätzlich kommt noch hinzu, dass ich nicht mehr in der ersten Startgruppe bin. Das ist mir jahrelang nicht mehr passiert. Also muss ich erst einmal sehen, dass ich wieder gut fahre und mich nach vorne kämpfe. Auf jeden Fall möchte ich so schnell wie möglich wieder ganz vorne mitfahren.

Ski2b: Die Schwedin Anja Pärson war letztes Jahr das Maß aller Dinge in den technischen Disziplinen. Glaubst Du, sie kann noch einmal so eine starke Saison hinlegen?
Sonja: Ich denke, es ist schwierig so ein Jahr zu wiederholen. Es muss dafür einfach alles stimmen. In unserem Sport kommen so viele Komponenten zusammen wie Material, Form, Psyche und mehr. Da ist es schwer zu sagen, wer eine super Saison fahren wird und wer nicht. Aber Anja wird wieder hart arbeiten und sie ist stark im Kopf. Zuzutrauen wäre es ihr. Doch auch sie ist zu schlagen, denn jeder im Skirennsport ist zu schlagen. Man wird sehen, was sie im kommenden Winter zeigen kann.

Ski2b: Vielen Dank für dieses Gespräch und gute Reise nach Argentinien.
Sonja: Danke - ich wünsche, noch einen schönen Sommer zu haben.