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Der Name Kostelic steht für Erfolg. Nicht nur Janica war extrem erfolgreich, auch ihr Bruder Ivica konnte schon große Siege feiern. Immerhin war er bereits Weltmeister im Slalom.

Harte Ski-Schule - in Zelten übernachtet
Anfangs reiste Ante Kostelic mit seinen Kindern zu Junioren-Wettkämpfen quer durch Europa, während Mutter Marica in Zagreb blieb. Ohne Sponsoren blieb der Familie nichts anderes übrig, als in Zelten zu übernachten oder im Auto, wenn die Temperaturen es zuließen.
Aber Ivica und seine Schwester sahen das nicht so tragisch. "Es stimmt zwar, dass wir kein Geld hatten, aber mit 10 und 12 Jahren machst du dir kaum Gedanken darüber. Für uns war das Ganze wie ein großer Camping-Urlaub".
Heute sieht es durch die Erfolge natürlich anders aus. Während der Vater Anfang der neunziger Jahre jede Art von Arbeit annehmen musste, um seine Familie ernähren zu können, wohnen sie jetzt in einem Anwesen in Mljet, zwei Bootsstunden entfernt von Dubrovnik in einer der schönsten Küstengegenden des Mittelmeeres.

Die Sportlerfamilie Kostelic
In Kroatien ist der Name Kostelic nicht erst seit den grandiosen Erfolgen von Janica in aller Munde. Bereits die Eltern waren sehr erfolgreiche Handballspieler und ihr Vater Ante, der seit jeher ein begeisterter Skifahrer ist, trainiert seine Kinder sehr erfolgreich. Ein Erfolg, der hart erkämpft ist. Nachdem klar wurde, dass durch den Bürgerkrieg der jugoslawische Mannschaftssport vorerst am Ende war, sattelten die Geschwister vom Handballsport zum Skifahren um.

Der 'kleine' große Bruder
Bekannt wurde der am 23.11.1979 geborene Ivica eigentlich eher als 'kleiner' Bruder der sehr erfolgreichen Schwester Janica Kostelic. Dabei bezog sich das Attribut 'klein' nur auf seine Erfolge, denn immerhin ist er zwei Jahre älter als seine Schwester. Aber bereits seit der Saison 2001/2002 sorgen sie gemeinsam dafür, dass Kroatien vermehrt in den Weltcup-Siegerlisten auftaucht.

Die ersten Weltcup-Punkte in Sestriere 2000
Der Slalom im Dezember 2000 in Sestriere dürfte Ivica Kostelic noch sehr gut in Erinnerung sein. Hier holte er nämlich mit einem 21. Platz in der Gesamtwertung seine ersten Weltcup-Punkte, nachdem er eine knapp dreijährige Leidenszeit, geprägt durch Stürze und Verletzungen, hinter sich gebracht hatte.

In 1:38:81 Min. zum Nationalhelden
Vor Aspen 2001 war Kostelic bei Weltcup-Rennen eher in den Regionen jenseits der ersten 25 Plätze zu finden. Zwar belegte er den 25. Platz in der Slalom-Wertung, aber im Gesamt-Klassement reichte es nur für Platz 107. Seit seinem Sensationssieg in Aspen am 25.11.2001 hat Kroatien einen neuen Nationalhelden. Für die kleine Skifahrer-Nation war der Gewinn eines Weltcup-Rennens im Herrenbereich damals eine Wahnsinns-Sache. Und der Empfang für Ivica Kostelic fiel dementsprechend herzlich aus.

Erst Wengen - dann die Kristallkugel
Nach einem sehr guten 8. Platz im ersten Lauf von Aspen, er startete mit der Nummer 64, verblüffte er die Konkurrenz mit einem meisterhaften zweiten Durchgang und konnte sein Glück kaum fassen, als niemand, nicht einmal der Schnellste im ersten Durchgang und eigentliche Favorit Mario Matt, seine 1:38:81 Min. unterbot. Auch in Wengen war der Mann aus Zagreb nicht zu stoppen. Mit seinem Slalom-Sieg beim Weltcup-Finale in Flachau machte der Kroate endgültig die Überraschung perfekt und gewann vor dem US-Amerikaner Bode Miller und Olympiasieger Jean-Pierre Vidal die kleine Kristallkugel, holte sich also den Slalom-Weltcup 2001/2002!

Die Krönung
Die Kroaten bewiesen 2002 ihre Liebe zur Kostelic-Sippe. Bei der Wahl zum Sportler 2002 kürte die Nation sie gleich in drei Kategorien: Vater Ante als bester Trainer 2002 und seine Kinder Ivica und Janica jeweils als bester Sportler und beste Sportlerin des Jahres. Eine königliche Bescheinigung für eine erfolgreiche Familienchronik. Man darf sich fragen, ob in einem kroatischen Synonymwörterbuch bald unter dem Eintrag 'Erfolg' der Name 'Kostelic' zu finden ist.

Die Kostelic-Festspiele in St. Moritz
Die alpinen Ski-Weltmeisterschaften 2003 in St. Moritz wurden dann zu den Festspielen der Geschwister Kostelic. Janica gewann jeweils im Slalom und in der Kombination eine Goldmedaille und ihr Bruder Ivica gewann nur einen Tag nach dem zweiten Sieg seiner Schwester die Goldmedaille im Slalom. So konnte die Familie Kostelic mit drei Goldmedaillen nach Hause fahren.

Verletzungspech
Die Saison 2003/2004, ein Winter ohne Großereignis, stand für die Geschwister Kostelic unter keinem guten Stern. Während Janica die komplette Saison verletzungs- und krankheitsbedingt ausfiel, konnte auch ihr Bruder nur bis Januar Rennen fahren. Im zweiten Durchgang des Nachtslaloms von Schladming zog er sich einen Kreuzbandriss im rechten Knie zu und fiel für den Rest der Saison aus.

Comeback mit Hindernissen
In der folgenden Saison startete Kostelic sein Comeback, doch musste er zunächst kleine Brötchen backen. In den ersten sieben Rennen des Weltcups konnte er keine Weltcup-Punkte sammeln, da er entweder ausfiel oder nicht in den zweiten Durchgang kam. Erst kurz vor Weihnachten in Flachau gelang ihm mit dem siebten Rang ein ordentliches Resultat. In Wengen und Kitzbühel Anfang 2005 fuhr er sogar auf das Podium und erreichte so am Ende der Saison noch den siebten Rang im Slalom-Weltcup.

Höhepunkt bei Olympia
Vereinzelt gelangen dem Kroaten schon zu Beginn des Winters Top Ten-Ergebnisse. In Italien absolvierte er dann das gesamte Programm an alpinen Veranstaltungen. Dieser Einsatz des Allrounders sollte belohnt werden, und so bündelte er seine Kräfte genau zur rechten Zeit, um sich die Silbermedaille in der Kombination abzuholen. Neben dem kroatischen Meistertitel im Slalom schloss er die Saison als Vierter im Slalom in Are ab. Und so dürfte dort bei der WM 2007 einiges von ihm zu erwarten sein.

Der Weg zum Allrounder
Zum ersten Mal trat Kostelic in der Saison 2007/2008 in allen Disziplinen an. Der ehemalige Spezialist für den Slalom trainierte über den Sommer hinweg kräftig im Speed - Bereich an seiner Vielfältigkeit. Seine Fähigkeiten verbesserte er um ein starkes Stück und war im Winter 2007/2008 in allen Disziplinen konkurrenzfähig. Zu Siegen fuhr er zwar nicht, aber der sechste Platz in der Gesamtwertung war ein sehr gutes Ergebnis und bestätigt seine Entscheidung, in allen Disziplinen angetreten zu sein.

Zweimal olympisches Silber in Kanada
Die WM-Saison 2008/2009 verlief nicht nach den Vorstellungen des ehrgeizigen Kroaten. Ausgerechnet zum Saisonhöhepunkt musste er verletzungebedingt passen. Ganz anders verlief dann aber der olympische Winter ein Jahr später. Erst gewann Kostelic den Slalom von Wengen, anschließend konnte er sich in Kitzbühel als Hahnenkammsieger der legendären Kombination auf Streif und Ganslern feiern lassen. Im kanadischen Vancouver beziehungsweise Whistler, wo die Skirennen stattfanden, schaffte der 30-Jährige zweimal den Sprung auf das Podium. In der Super-Kombination hatte er es seinen Allrounder-Fähigkeiten zu verdanken, dass er Silber erreichte. Im Slalom wiederholte er den zweiten Platz im letzten seiner fünf Rennen noch einmal. Aufgrund seiner immer besser werdenden Leistungen in allen Disziplinen wird man den Kroaten im nächsten Winter auch im Kampf um die große Kristallkugel auf der Rechnung haben müssen.

Goldener Januar 2011
Nach verhaltenem Saisonstart gelang Kostelic am 2. Januar 2011 beim ersten Parallelslalom in München der erste Saisonsieg der WM-Saison. Und der Januar 2011 sollte sein Monat werden: Sieben Siege und zwei zweite Plätze, nahezu 900 Weltcup-Punkte gelangen ihm alleine bis zum 30. Januar, darunter war beim Super-G in Kitzbühel sogar ein Speederfolg, zudem wurde er auch Hahnenkammsieger und sicherte sich vorzeitig die Kristallkugel für den Kombinationsweltcup.

Auch bei der WM erfolgreich
Den Lauf vom Januar setzte der Kroate bei der WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen sogleich fort: Im Super-G der Herren gewann er Bronze und damit die erste Herrenmedaille für Kroatien in einem Speed-Event überhaupt.

Gesamtweltcup-Sieg 2010/2011
Seine goldene Saison 2010/2011 krönte Ivica Kostelic mit dem Sieg im Gesamtweltcup: Mit überragenden Auftritten in den technischen Disziplinen und stark verbesserten Speed-Leistungen war kam er am Ende ungefährdet mit 1256 Punkten ganz oben auf dem Thron der Skifahrer an. Doch Schluss sollte immer noch nicht sein. Nach einer Verletzung und einem schwierigen Saisonstart fuhr er schon früh in der Saison 11/12, beim Slalom Anfang Dezember in Beaver Creek, wieder einen Sieg ein. In Wengen gewann er zudem Slalom und Kombination und holte sich in Sotschi Anfang Februar 2012 die Kristallkugel in der Super-Kombination.

Steckbrief
Geboren: 23.11.1979 in Zagreb
Nation: Kroatien
Heimatverein: Zagreb
Größe: 182cm
Gewicht: 94kg
Hobbies: Tauchen, Guitarre spielen
Web: http://www.ivica.kostelic.hr