Sonja Nef war ein Aushängschild des Ski-Weltcups. Die hübsche Schweizerin bestach stets durch ihre sportlichen Erfolge und auch durch ihre offene und sympathische Art.

Eleganz als Markenzeichen
Die Schweizerin, die auch im Umgang mit den Medien stets eine gute Figur machte, hat den Riesenslalom-Stil der 90er Jahre entscheidend mitgeprägt. Eleganz ist ihr Markenzeichen gewesen, bei ihr sah das Skifahren nie nach Arbeit aus. Bereits im Jahr 1993 feierte die damals 20-Jährige ihr Weltcup-Debüt in Vemdalen und belegte in ihrem ersten Rennen auf Profi-Ebene den 22. Rang. Was folgte ist eine Erfolgsgeschichte in mehreren Akten.

Viele Erfolge und viele Verletzungen
1996 in Maribor gelang es Sonja Nef das erste Mal, sich auf das Podium zu katapultieren, nachdem sie schon davor in einigen Weltcup-Rennen durch gute Platzierungen auf sich aufmerksam machen konnte. Hinter ihrer Dauerkonkurrentin Katja Seizinger, aber vor Martina Ertl wurde sie damals Zweite. Drei Wochen später durfte sie dann schon ganz nach oben steigen und ihren ersten Weltcup-Sieg im Slalom in Sestriere bejubeln. Einer von insgesamt 15 Siegen in ihrer lang andauernden und erfolgreichen Karriere.
Höhepunkte gab es viele, herausheben muss man aber die Saison 2000/2001. Sie gewann eigentlich fast alles, was man gewinnen konnte. Sieben Weltcup-Erfolge, insgesamt zehn Podestplätze, Siegerin der Riesenslalom-Diziplinen-Wertung, Weltmeisterin im Riesenslalom in St. Anton und zweifache österreichische Landesmeisterin: Das war die beeindruckende Bilanz einer Ski-Saison, wie sie wohl kaum eine andere Fahrerin in ihrer aktiven Zeit erleben darf. Nef wurde seitdem auch als 'Miss Riesenslalom' geehrt.

Nef gibt Gas
Doch statt nach der erfolgreichsten Saison in ihrer Laufbahn Motivation einzubüßen, gelang es ihr noch ein Jahr der Extraklasse dranzuhängen. Abermals gewann sie den Riesenslalom-Weltcup, wurde Dritte im Gesamtweltcup hinter Dorfmeister und Götschl und fuhr wieder drei Siege ein. Einziges Manko ihrer sonst makellosen Karriere ist das Abschneiden bei den Olympischen Spielen. Vier Rennen bestritt sie in Nagano und Salt Lake City, bei dreien schied sie aus. Ein Trostpflaster war die Bronzemedaille in Park City. Dort riss sie ein starker zweiter Lauf aus der Olympia-Misere und sie fuhr vom sechsten noch auf den dritten Rang vor.

Kampfgeist trotz des Verletzungspechs
Sonja Nef hat in ihrer Laufbahn schon einige Verletzungen wegstecken müssen. Die Unglücks-Serie begann 1989 bei einem Junioren-Super-G in Innsbruck. Bei einem Sturz zog sie sich einen Kreuzbandriss im rechten Knie zu. Dies bereitete ihr in den folgenden Jahren immer wieder Probleme. Sechs Operationen und zahllose Hiobs-Botschaften musste sie über sich ergehen lassen. Doch trotz der Forderungen, um ihrer Gesundheit willen die Ski-Karriere zu beenden, ließ sie nicht locker. Mit Ehrgeiz und Mut trainierte sie weiter.
Unterstützung bekam sie dabei auch von ihrem Freund, dem Trainer Hans Flatscher (AUT). Diese 'Kooperation' machte sich bezahlt: Sie schaffte den Sprung in die Weltspitze und war lange Zeit die Top-Athletin des schweizerischen Ski-Verbandes.

"... den Weltmeistertitel redlich verdient"
Bei ihren Fans in der Schweiz ist sie seit der Saison 2000/2001 ein Star. In ihrem Heimatort Grub wurde sie mit viel Applaus nach ihrem WM-Sieg empfangen. "Sie ist erst die fünfte Schweizerin, die je eine Riesenslalom-Goldmedaille in der Weltmeisterschaft holte", erklärte der Bischof, Regierungsrat von Ausserrhode und stimmt einen Lobgesang auf die Sympathieträgerin an, dem man sich nur anschließen kann: "Wer über soviel Talent, Leistungsbereitschaft, Zielstrebigkeit und Nervenstärke verfügt, hätte auch einen zweiten Weltmeistertitel redlich verdient."

Weiter erfolgreich
Doch auch nach ihrem Weltmeistertitel fuhr Nef weiterhin in der Siegerspur. So konnte sie bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City ihre erste Medaille bei Olympia gewinnen. Mit einem beherztem Lauf sicherte sie sich die Bronzemedaille im Riesenslalom. Auch im Weltcup zeigte sie über die Saison durchweg gute Leistungen und konnte den dritten Rang im Gesamt-Weltcup erreichen sowie zum zweiten Mal nacheinander den Riesenslalom-Weltcup gewinnen.

Verletzungen und Durchhänger
Nach der Saison 2001/2002 kamen allerdings Jahre, in denen Nef, auch bedingt durch Verletzungssorgen, nicht mehr an die alten Erfolge anknüpfen konnte. Tiefpunkt war der Riesenslalom in Are 2004, als Nef sich in ihrer Paradedisziplin nicht für den zweiten Durchgang qualifizieren konnte. Am Ende dieser Saison stellte sich die Schweizerin die Sinnfrage, entschied sich aber zum Weitermachen.

Noch nicht wieder ganz die alte
Mit neuem Elan kämpfte sich Nef durch die Weltcup-Saison 2004/2005, ohne jedoch einen Podestplatz zu erreichen. Dennoch hatte sie wieder mehr Spaß am Skifahren und schaffte unter anderem einen fünften Platz in Santa Caterina sowie beim Slalom in Zagreb. Bei ihrer wahrscheinlich letzten WM lief es dagegen überhaupt nicht und Nef schied in beiden Rennen, an denen sie teilnahm, aus.

Karriereende vor Olympia
Den Ausklang ihrer großen Karriere hatte sich die Schweizerin sicherlich anders vorgestellt. Mit dem Ziel, die Oylmpischen Spiele in Turin als Großereignis noch zu erleben, war sie in die Saison gegangen. Nachdem sie über einen 20. Platz nicht hinausgekommen war, gelang ihr aber die Qualifikation für die Spiele nicht. Daraus zog Nef die Konsequenzen und beendete ihre aktive Laufbahn, in der sie zu den ganz großen Namen zählte.

Steckbrief
Geboren: 19.04 1972 in Heiden
Nation: Schweiz
Größe: 163 cm
Gewicht: 60 kg
Sprachen: Deutsch, Englisch
Hobbies: Sport, Einkaufen, Tanzen
Web: http://www.fanpage-sonjanef.ch

Erfolge
Ihr Weltcup-Debüt konnte Nef 1993 feiern - jetzt werfen wir einen kurzen Blick in ihren Karrierespiegel. Die einzelnen Disziplinen sind wie folgt abgekürzt: DH=Abfahrt, SG=Super-G, GS=Riesenslalom, SL=Slalom, K=Kombination

Olympische Spiele:
2002 in Salt Lake City (USA): GS (3), SL (DNF)
1998 in Nagano (JAP): GS (DNF), SL (DNF)

Weltmeisterschaft:
2005 in Bormio (ITA): GS (DNF), SL (DNF)
2003 in St. Moritz (SUI): Sl (6), GS (8)
2001 in St. Anton (AUT): GS (1), SL (7)
1999 in Vail/Beaver Creek (USA): GS (11)
1997 in Sestriere (ITA): GS (8), SL (DNF)
1996 in Sierra Nevada (SPA): GS (DNF), SL (DNF)

Weltcup:
Weltcup-Disziplinen-Siegerin im Riesenslalom 2001 und 2002
Weltcup-Disziplinen-Zweite im Riesenslalom 2000
Weltcup-Disziplinen-Zweite im Slalom 2001
Weltcup-Gesamtwertungs-Dritte 2002
insgesamt 15 Weltcup-Siege