Isolde Kostner stand wie keine andere im Weltcup-Zirkus für Speed und Gleitfähigkeit. Durch Gefühl für den Schnee und Angriffslustigkeit machte sie ihre doch erkennbaren Defizite in der Technik mehr als wett. Im Januar 2006 erklärte die Südtirolerin aufgrund einer Schwangerschaft ihren Rücktritt vom aktiven Renngeschehen.

Die ersten Ski unter dem Weihnachtsbaum
Je früher man anfängt, desto erfolgreicher wird man. Das dachten sich damals wohl auch Isolde Kostners Eltern, als sie ihrer Tochter bereits im Alter von zwei Jahren die ersten Skier unter den Weihnachtsbaum legten. Mit zwölf Jahren hatte die 1975 geborene 'Isi' aber andere Pläne. Die Tochter eines ehemaligen Eishockey-Spielers wollte, wie ihre Brüder Fabian und Moritz, eine Eishockey-Karriere beim HC Gröden einschlagen. Nur weil die Regeln des italienischen Eissport-Verbandes dies verboten, wechselte die Südtirolerin notgedrungen auf die Skipisten. Von dort ist sie heute nicht mehr wegzudenken.

Die ersten Erfolge
Schon mit 19 Jahren gewann Kostner ihren ersten Weltcup. Ihr erster großer Sieg bei der Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen wurde damals jedoch überschattet von dem tödlichen Sturz der Österreicherin Ulrike Maier. Es folgte noch im gleichen Jahr zweimal Bronze bei den Olympischen Winterspielen 1994 in Lillehammer. In der Abfahrt und im Super-G erreichte sie als Jungspund bereits das, was andere Fahrerinnen in ihrer gesamten Karriere nicht schaffen: Eine Medaille bei den Olympischen Spielen. Nachdem sie 1994/95 abermals fulminant in die Saison gestartet war und einen zweiten Rang in Vail belegte, schaffte sie erst zum Ende der Saison wieder Top-Ergebnisse. Ein dritter Platz in Are hinter Katja Seizinger und ein zweiter Platz in Saalbach zeitgleich mit Warwara Zelenskaja drückten die Formkurve wieder deutlich nach oben.

Erste italienische Weltmeisterin
1996 schrieb Kostner beim WM-Super-G in der Sierra Nevada Skigeschichte. Sie wurde als erste Italienerin Weltmeisterin. "Dies ist für mich der erste Sieg und nicht der zweite. Garmisch war so ein schlimmer und tragischer Tag für den Skisport, den jeder am liebsten vergessen würde", sagte sie damals. Auch 1997 zeigte Isolde Kostner der Konkurrenz, was in ihr steckt. Einem famosen Doppelsieg in Cortina d´Ampezzo(einmal zeitgleich mit Heidi Zurbriggen) folgte der Sieg bei der WM in Sestriere im Super-G. Aus deutscher Sicht eher ärgerlich, denn Kostner verwies Katja Seizinger und Hilde Gerg mit hauchdünnem Vorsprung auf die Plätze.

Olympische Spiele verliefen leider entäuschend
Nachdem Kostner in der Olympiasaison wieder mehrere Podiumsplätze und einen Sieg bei ihrem Heimrennen in Cortina erreichen konnte, wurde sie beim Super-G in Nagano 1998 nur Elfte und schied bei der Abfahrt aus. Japan war anscheinend kein gutes Pflaster für die Powerfrau aus Südtirol. Dafür ging sie 1999/2000 in die Vollen. Gleich vier Weltcup-Siege konnte sie einfahren und zwar in Lake Louise, Val d'Isere, St. Moritz und Santa Catarina. Trotz der Konzentration auf die Speed-Wettbewerbe wurde sie in dieser Saison Vierte im Gesamtweltcup. Mit der kleinen Kristallkugel des Abfahrtsweltcups wurden ihre tollen Leistungen in den folgenden beiden Wintern belohnt. In allen Abfahrtsrennen kam sie unter die besten sieben, vier Siege und sechs zweite Plätze sprechen für ihre unglaubliche Geschwindigkeit, der kaum eine Fahrerin Paroli bieten konnte. Silbermedaillen erreichte sie bei der WM 2001 in St. Anton (Super-G) und bei den Olympischen Spielen in 2002 in Salt Lake (Abfahrt).

Sturz in Lake Louise
Die Saison 2002/2003 fiel für 'Isi' recht kurz aus. In Lake Louise (USA) stürzte die Italienerin bei den Abfahrtstrainings. Schwere Gehirnerschütterung sowie Verletzungen an Nacken und Schulter - die Saison schien für sie beendet.

Zurück auf der Weltcup-Bühne
Das Glück war ihr hold und in Cortina d'Ampezzo durfte sie sich im Weltcup-Zirkus zurückmelden. Zwar konnte sie mit ihrem neunten Platz bei der dortigen Abfahrt längst nicht an vergangene Erfolge anknüpfen, aber das Wichtigste war geschafft: Sie war wieder da! Mit dreißig Jahren war Isolde Kostner immer noch brandgefährlich, was sie bei ihrem letzten großen Erfolg, dem Weltcup-Sieg in Haus (AUT) im Januar 2004, eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte.

Nur ein Podestplatz
Im folgenden Jahr lief es für Kostner nicht nach Wunsch. Sie konnte nur beim Super-G in San Sicario auf das Treppchen fahren und gehörte sonst im Weltcup eher zu den geschlagenen Fahrerinnen. Auch bei er WM im eigenen Land fuhr Kostner nicht zu einer Medaille und musste ihre Fans enttäuschen. Beim Super-G wurde sie zwar gute Fünfte, doch war dies für ihre Ansprüche etwas zu wenig. Dennoch waren die italienischen Fans bei diesem Rennen zufrieden, denn Kostners Teamkollegin Lucia Recchia gewann überraschend die Silbermedaille.

Mit Stil
Nicht zuletzt Kostners besondere Fahrweise machte sie so stark. Sie domierte auf anspruchsvollen Pisten mit ihrem breiten Skistand, trotzte dem Wetter und ließ ihren Ski unerschütterlich laufen. Das verschaffte ihr einen gehörigen Vorteil vor den zwar technisch vielleicht brillianteren, aber dafür weniger am Boden haftenden 'Mitläuferinnen'.

Bodenständigkeit ist ihr Markenzeichen
Isolde Kostner, die eine Schule für Design besuchte und ihre Gesellenprüfung als Fassmalerin abgelegt hat, ist bodenständig geblieben. In ihrer Freizeit liest sie viel, spielt Tennis, wandert und hört Musik. Der eher beschaulichen Beschäftigung, nach alter Grödner Tradition Holzschnitzereien mit Farbe zu versehen, ging sie, als Ausgleich zu ihrem rasanten Sport, auch während der aktiven Karriere nach.

Vorgezogener Rücktritt im Januar 2006
Eigentlich wollte Isolde Kostner ihre sportliche Laufbahn nach den Olympischen Spielen in Turin beenden. Ihr großer Traum war es, vor heimischer Kullise eine Olympiamedaille zu gewinnen. Nach den Winterspielen wollte die 30-Jährige dann vom aktiven Skisport zurücktreten und eine Familie gründen. Im Januar 2006 gab sie in einem offenen Brief aber bekannt, dass sie ihr Karrierende aufgrund zu erwartender Mutterfreuden schon vorziehe und sich mit sofortiger Wirkung vom Renngeschehen zurückziehe.

Steckbrief
Geboren: 20.03 1975 in Bolzano
Nation: Italien

Größe: 171 cm
Gewicht: 68 kg
Sprachen: Italienisch, Deutsch, Latein, etwas Englisch
Hobbies: Natur, Wandern, Sport

Erfolge
Es folgt ein Blick auf den Karriereverlauf von Isolde Kostner. Die einzelnen Disziplinen sind wie folgt abgekürzt: DH=Abfahrt, SG=Super-G, GS=Riesenslalom, SL=Slalom, K=Kombination

Olympische Spiele:
2002 in Salt Lake City (USA): SG (13), DH (2)
1998 in Nagano (JAP): SG (11), DH (DNF)
1994 in Lillehammer (NOR): DH (3), SG (3)

Weltmeisterschaft:
2005 in Bormio (ITA): SG (5), K (DNS), DH (10)
2003 in St. Moritz (SUI): SG (18), DH (9)
2001 in St. Anton (AUT): SG (2), DH (5)
1999 in Vail (USA): DH (9), SG (6)
1997 in Sestriere (ITA): GS (7), SG (1), DH (4)
1996 in Sierra Nevada (SPA): DH (6), GS (6), SG (1)

Weltcup:
Weltcup-Disziplinen-Siegerin in der Abfahrt 2001 und 2002
4. Platz im Gesamtweltcup 1996 und 2000
insgesamt 15 Weltcup-Siege