Als Marlies Schild 1981 in Saalfelden geboren wurde, war noch niemandem bewusst, wie schwer es die Österreicherin einmal haben würde. Mit Talent ausgestattet, Spaß am Skifahren und an der Geschwindigkeit war sie schon frühzeitig auf den Skiern zuhause. Doch bereits 1994 verletzte sie sich zum ersten Mal schwer.

Unglaubliche Moral und Willensstärke
Als sich die Kommentatorenstimmen am Slalom-Tag der alpinen Ski-Weltmeisterschaft 2003 in St. Moritz in den Kabinen überschlugen und die Reporter heftig kommentierten, wie eine 'junge Wilde' aus Österreich den Vizeweltmeistertitel erkämpfte, wussten die meisten Fernsehzuschauer nicht, welchen beschwerlichen Weg die sympathische und bescheidene Österreicherin mit diesem Triumph hinter sich gebracht hatte. Bis zum Jahr 2000 wurde sie vom Verletzungspech immer wieder heimgesucht und als sich in St. Moritz angesichts ihres großen Triumphs überglücklich feiern ließ, war sie bis dato in den letzten Jahren fünfmal an den Knien operiert worden. Es folgte ein behutsamer Neuaufbau in der Slalom-Disziplin, in der sie im Dezember 2001 bei ihrem ersten Weltcup-Slalom auf Anhieb in die Punkte fuhr. Ohne sich damit zufrieden zu geben, schaffte sie im weiteren Verlauf der Saison einen sechsten Platz in Are und zeigte, dass der Schritt zum Slalom die richtige Entscheidung für sie war.

Die Leistung stimmte
Gleich zu Beginn des Winters 2002/2003 ging Schild in die Vollen und katapultierte sich beim Slalom in Aspen mit zwei starken Läufen auf Platz drei. Bald darauf folgte der erfolgreiche Weg nach St. Moritz und der Vorstoß in die absolute Weltspitze.

Erster Weltcupsieg 2004
Nach vielen erfolgreichen Rennen mit Plätzen auf dem Podest konnte Schild in Sestriere am 13. März endlich den langersehnten Weltcup-Sieg feiern. Nach Laufbestzeit im ersten Durchgang setzte sie sich vor Sarah Schleper und Tanja Poutiainen durch und bejubelte ihren Sieg ausgiebig. Bereits in Megeve (FRA) im Januar hatte sie nach der ersten Fahrt deutlich vorne gelegen, wurde jedoch damals von der Schwedin Anja Pärson noch abgefangen. Diesmal behielt sie die Nerven und gewann mit 0,21 Sekunden Vorsprung.

Marlies Schild privat
Marlies, die Skifahren mit Lebensgefühl gleichsetzt, die fleißige Athletin, die die Slalomstrecken mit einem faszinierenden Stil herunterspult: konzentriert - engagiert, kaum zu erkennende Korrekturen in der Körper- und Skihaltung - eine Perfektionistin am Hang. Hinter diesem Phänomen verbergen sich die persönlichen Tugenden der Marlies Schild: Fleiß, Ehrgeiz, Konsequenz, Zielstrebigkeit, Disziplin. Die Athletin geht zur Erreichung ihrer Ziele - sportlich wie privat - gerne ihren eigenen Weg und ist dabei fest überzeugt, dass hartes Arbeiten belohnt wird. Nach ihren Vorbildern befragt, werden eher zögerlich große Personen des Sports benannt. Die Augen leuchten vielmehr vor Respekt, wenn sie von einem Bergsteiger erzählt, der als Blinder die Berge erklimmt! Nur außergewöhnliche Leistungen beeindrucken Sie derart.

Schule und Familie
Neben der sportlichen Karriere wurde ihre schulische Ausbildung gepflegt und mit der Matura beschlossen. Mathematik war ihr Lieblingsfach - logisch-analytisch Dinge bedenken und sich freuen, wenn Gleichungen aufgehen - fast ein Lebensmotto. Auf den Skiern stand sie bereits mit zwei Jahren, 'auf dem Hausberg', wie sie schmunzelnd den kleinen Hügel neben dem elterlichen Hof in Saalfelden nennt. Die Familie mit drei Geschwistern ist ein guter Rückzugsort, um dem Trainings- und Wettkampfsport zu entfliehen. Bruder Josef fährt im Europacup, Schwester Bernadette Schülerinnen-Rennen - allesamt bestärkt von den sportbegeisterten Eltern Rosi und Josef. Familie - das ist für Marlies Schild Geborgenheit und Unterstützung, die sie aber auch selbst gerne gibt. Ist die Vizeweltmeisterin zu Hause, helfen keine Pokale und Medaillen, dann ist sie genauso zum Küchendienst und zum Kartoffelschälen eingeteilt, wie jeder andere auch, was ihr jedoch Freude macht. Diese Bodenständigkeit und Bescheidenheit hat Marlies Schild über die Landesgrenzen hinweg, große Fan-Scharen beschert. Ein Großteil der Fanpost kommt aus Deutschland, was zeigt, dass Leistungen einfach anerkannt werden.

Erst am Anfang der Karriere
Marlies Schild steht ganz am Anfang einer Karriere, die mit der Silbermedaille in St. Moritz einen ersten Höhepunkt hatte. Ihre Ziele können in den nächsten Jahren - auch wenn sie es stets bescheidener formulieren würde - nur Medaillen und Weltcupsiege im Slalom und der weitere erfolgreiche Aufbau in den anderen Disziplinen sein.

Bronze bei WM
Insgesamt ist Schild in der Saison 2004/2005 neun Mal unter die Top Ten gefahren, wobei sie drei Weltcupsiege einfahren konnte. Schild fuhr auch vermehrt in den Speed-Disziplinen und machte auch dort eine gute Figur, so dass man gespannt sein darf, wann sie eine echte Herausforderin für den Gesamt-Weltcup wird. Bei der Weltmeisterschaft in Bormio unterstrich sie diese Allrounder-Qualitäten und sicherte sich in der Kombination die Bronzemedaille. Man darf auf das kommende Olympiajahr gespannt sein.

Drei Siege in Serie
Im olympischen Winter der Saison 2005/2006 erreichte die Saalfeldenerin ihren bisherigen Karrierehöhepunkt. Sie gewann mit den Slalomrennen von Lienz, Zagreb-Sljeme und Maribor gleich drei Mal in Folge. Ihre hervorragende Form konnte sie mit nach Italien nehmen und fügte in Sestriere ihren beiden WM-Medaillen noch jeweils eine olympische Silber-und Bronzemedaille in der Kombination und im Slalom hinzu.

Starts in den Speed-Disziplinen
Dass die Österreicherin im Slalom auch in der Saison 2006/2007 das Maß aller Dinge zu werden scheint, deuten zwei Siege in Levi und Aspen zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Saison an. Doch auch im Speedbereich will die Technikerin in dieser Saison angreifen. Zwei Resultate in den Top 20 mit Positionen 11 und 18 bei den Abfahrten in Lake Louise sind ein guter Anfang.

2008 kleine Kugel verteidigt
Nachdem sich Marlies Schild in der Saison 2006/2007 zwei kleine Kristallkugeln gesichert hatte, konnte sie zumindest die der besten Slalomfahrerin im Winter 2007/2008 verteidigen. Beste Kombiniererin wurde sie nicht noch einmal. Dennoch unterstrich sie mit weiteren Weltcup-Siegen, dass sie vor allem im Stangenwald zu den Besten ihres Metiers zählt.

Schien- und Wadenbeinbruch beendet Saison frühzeitig
Beim Training für den Riesenslalom in Sölden kam es im Oktober 2008 für Schild ganz dick: Sie stürzte schwer und zog sich einen Schien- und Wadenbeinbruch im linken Bein zu, der für sie das sofortige Saisonende nach sich zog.

Traum-Comeback in Lienz
Im Winter 2009/2010 kehrte Marlies Schild in den Weltcup zurück. Dabei konzentrierte sich die Technikerin nur auf den Slalom. Dass diese Entscheidung richtig war, bewies sich spätestens in Lienz. Vor heimischer Kulisse carvte die ehemalige Dominatorin im Stangenwald wie zu ihren besten Zeiten und gewann zum 21. Mal einen Weltcup. Mit der Leistung katapultierte sich die 28-Jährige gleich wieder in den Favoritenkreis für die kleine Kristallkugel und für die Olympischen Spiele 2010 in Vancouver. Dort sicherte sich Schild zumindest Silber im Slalom. Beim Weltcupfinale in Garmisch-Partenkirchen siegte Schild zum dritten Mal in ihrer Comeback-Saison und zählt damit im Slalom wieder zu den ganz heißen Kandidatinnen, wenn es 2011 an gleicher Stelle um WM-Medaillen geht.

Im Slalom wieder eine Macht - Krönung mit WM-Titel
Im WM-Winter 2010/2011 war Schild sofort wieder ganz vorne dabei - in ihrer Spezialdisziplin gelangen ihr gleich wieder vier Weltcup-Siege, in Courchevel dominierte sie dabei die Konkurrenz wie zu besten Tagen und auch die WM-Generalprobe in Zwiesel gewann die Österreicherin. Bei der WM dann unterstrich Schild nochmals ihre Stärke und holte sich die Goldmedaille in Garmisch-Partenkirchen. Wenig später gewann sie den Slalom in Spindlermühle und sicherte sich so den Slalom-Weltcup.

2011/2012: Im Slalom unerreicht
Schild setzte in der Saison 2011/2012 ihre Rennen da fort, wo sie aufgehört hatte. Slalom-Siege mit riesigen Vorsprüngen in Aspen und Courchevel zeugten von ihrer Dominanz. Auch in Flachau kurz vor Weihnachten war sie nicht zu schlagen, ebenso wenig wie in Lienz Ende Dezember oder Zagreb zum Jahresauftakt 2012. Ihre Siegesserie von fünf Siegen in Folge riss zwar in Kransjka Gora, doch schon in Soldeu im Februar legte sich nach und feierte ihren sechsten Saisonsieg.

Steckbrief
Geboren: am 31.05.1981
Nation: Österreich
Heimatverein: Skiklub Dienten
Größe: 172 cm
Hobbies: Klettern, Reiten
Web: www.marlies-schild.com