Tanja Poutiainen, geboren am 6. April 1980 in Rovaniemi am Polarkreis in Lappland, wuchs dort mit ihren Eltern und ihren fußballbegeisterten Brüdern auf. Ihr großes Skitalent wurde schon früh bemerkt, als sie die finnischen Juniorenmeisterschaften gewann. Einen großen Erfolg feierte sie 1995, als sie beim prestigeträchtigen Jugendwettbewerb Trofeo Topolino den Riesenslalom und den Slalom gewann.

Finnische Entwicklungen
Das finnische Damenskiteam bestand zu diesem Zeitpunkt mit Henna Raita und Petra Olamo gerade einmal aus zwei Läuferinnen. Aus diesem Grunde wurde 1996 das 'Project 2000' ins Leben gerufen, das sich zum Ziel gesetzt hatte, bis zum Start des neuen Millenniums eine starke alpine Damenmannschaft zu haben (mit mindestens einer Läuferin, die konstant in die Top Ten fährt). Aus diesem Förderprogramm entwickelten sich schließlich junge Nachwuchsläuferinnen wie Anu Pesonen, Pia Käyhkö, Katja Jantunen, Riita Pitkanen und - Tanja Poutiainen.

Erste Erfahrungen bei einer WM
Das junge Damenskiteam erlebte seinen ersten internationalen Auftritt bei der Ski-WM 1997 in Sestriere. Tanja Poutiainen durfte dort den Slalom (Rang 17) und den Riesenslalom (Ausfall) bestreiten.

Weltcup-Debüt beim Finale in Vail
Bei der Juniorenweltmeisterschaft 1997 in Schladming holte Tanja Poutiainen beim Super-G die Bronzemedaille - die erste finnische Medaille bei alpinen Juniorenweltmeister-schaften. Ein paar Tage später setzte die 'kleine' Tanja noch einen drauf und gewann sensationell die Goldmedaille im Slalom (vor Sarah Schleper und ihrer Teamkollegin Pia Käyhkö). Eine damals noch als Exotin betrachtete 16-jährige Finnin (Finnland: Das Land der 10.000 Seen und wenigen Berge) gewann doch tatsächlich eine Goldmedaille im Ski-Alpin! Ihr Slalomgold bescherte Tanja auch einen Startplatz für den Slalom beim Weltcupfinale in Vail. Trotz des frühen Ausscheidens war der Sprung in den Weltcup geglückt.

Langsam an die Weltspitze herangetastet
In der folgenden Saison 1997/98 erreichte Tanja ihre ersten Top 30 Ergebnisse und somit ihre ersten Weltcuppunkte. Zu einer Top Ten Platzierung reichte es jedoch noch nicht.
Aufgrund ihrer starken Leistungen gehörte die damals 17jährige Tanja trotzdem zum finnischen Aufgebot des alpinen Ski-Teams für Olympia in Japan. Auch dort erreichte sie bei den schwierigen Rennen immer das Ziel, wurde 18. und 26. in den technischen Disziplinen.

Der erste große Rückschlag
Ihre erste große Verletzung erlitt Tanja Poutiainen nach der Olympiasaison 1998 - bei einem 'Gaudi-Rennen' in Finnland: nämlich einem Skisprungwettbewerb ('Wer springt am weitesten?') Die Folge davon war ein Bruch des rechten Beines. Aufgrund dieser Verletzung verpasste Tanja den Großteil der Saison 1998/99. Sie konnte nach ihrem Comeback im Weltcup zwar nicht mit guten Leistungen auffallen, sorgte aber bei der WM in Vail für Aufsehen, als sie, immer noch sehr jung, auf die Plätze 14 (SL) und 24 (RS) fuhr und zusammen mit dem finnischen Team Furore machte.

Erneuter schwerer Rückschlag: Der zweite Beinbruch
Im Oktober 1999 brach sich die Finnin erneut den (rechten) Fuß: Beim Riesenslalomtraining in Hintertux/Österreich kollidierte sie mit einer Torstange. Die Folge war, dass Tanja die gesamte Saison 1999/00 pausieren musste und kein einziges Rennen bestreiten konnte. Im Sommer trainierte sie nach der Reha hart und konzentrierte sich total auf die folgende Saison 2000/01, welche ihr schließlich die ersten Erfolge bescheren sollte.

Im Jahr 2000 der endgültige Durchbruch
Mit hohen Startnummern musste sich die Finnin in der Rangliste nach vorne kämpfen, was ihr mit vielen Top Ten Ergebnissen eindrucksvoll gelang. In Flachau, Semmering und Are belegte sie tolle Plätze und machte endgültig von sich reden. Als Außenseiterin, aber mit geringen Medaillenchancen, fuhr sie dann zur WM nach St. Anton, schied jedoch im Slalom im 2. Lauf aus und belegte im Riesenslalom Rang 13.

2001 Stockerlplatz im alpinen Ski-Weltcup
Im Dezember 2001 fuhr Tanja als Zweitplatzierte hinter ihrer skandinavischen Freundin Anja Pärson zum ersten Mal in ihrer Karriere auf das Podest. Es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein...

Enttäuschung beim Olympia-Slalom in Salt Lake City
Nach Rang drei im 1. Lauf schied sie im 2. Durchgang überlegen in Führung liegend aus und verpasste somit eine historische erste finnische Olympiamedaille im Ski-Alpin. Ein paar Tage später belegte sie im Riesenslalom Rang 11.
Einen versöhnlichen Saisonausklang gab es beim Finale 2002 in der Flachau mit Platz Vier im Slalom und ihrem ersten Stockerlplatz im Riesenslalom mit Rang 3.

Die ewige Zweite?
In der folgenden Saison verpasste Tanja wieder einmal knapp ihren ersten Sieg: Beim K.O. Slalom in Sestriere wurde sie Zweite, nur zwei Hundertstel langsamer als die Siegerin Anja Pärson. Zweite wurde sie auch in der Woche darauf in der Schweiz. Sie brachte gute Leistungen, konnte in dieser Saison jedoch ab diesem Zeitpunkt keine zwei Traumläufe mehr auf den Berg zaubern. Eine weitere Entäuschung war die WM in St. Moritz als Tanja Poutiainen deutlich unter ihren Möglichkeiten blieb.

Finnland brachte ihr Glück
In der Saison 2003/04, nachdem sie fast in jedem Rennen starke Leistungen brachte, war es in Levi (FIN) endlich soweit: Als erste Finnin schaffte sie bei einem Weltcuprennen den Sprung ganz oben aufs Treppchen. Trotz des Verzichts auf die schnellen Disziplinen gelang es ihr den neunten Platz im Gesamtweltcup zu belegen und mit Interesse sollten wir verfolgen, wie sich die rasende Finnin in den kommenden Jahren entwickelt.

Slalom-Weltcup vorzeitig gesichert
Die Saison 2004/2005 erhob Poutiainen endgültig in den Kreis der besten Skifahrerinnen. Sie startete stark und gewann drei Slalom-Wettbewerbe und einen Riesenslalom, außerdem konnte sie in den technischen Disziplinen mit weiteren guten Platzierungen punkten. Zwischenzeitlich übernahm die Finnin gar die Führung in der Weltcup-Gesamtwertung. Am Ende waren jedoch Kostelic und Pärson in den Speed-Disziplinen zu stark. Doch mit dem Gewinn der beiden kleinen Kristallkugeln im Riesenslalom und Slalom sorgte Poutiainen für eine erfolgreiche Saison.

Erfolgreiche Weltmeisterschaft
Auch bei der Weltmeisterschaft in Bormio konnte Poutiainen ihre erfolgreiche Leistung der Saison 2004/2005 durch zwei Silbermedaillen im Slalom und im Riesenslalom
fortführen. Dies waren die ersten Medaillen für die Finnin bei Großveranstaltungen.

Erneut Silber bei Olympia in Turin
Die Saison 2005/2006 begann weniger erfolgreich. Die siegesgewohnte Finnin kam während der Weltcup-Rennen vor dem Großereignis Olympia über einen sechsten Platz nicht hinaus und musste alle Hoffnungen aufgeben, die Kristallkugeln des Vorjahres zu verteidigen. Doch bei den Spielen platzte der Knoten, im Riesenslalom holte sie die Silbermedaille. Zum Ende des Winters kam die Finnin dann noch einmal richtig in Fahrt und schaffte zwei dritte Plätze im Riesenslalom. Zu einem Sieg sollte es aber nicht mehr reichen.

Dauerhaft Weltspitze
Die Spezialistin für Slalom und Riesenslalom fuhr in der Saison wiederum auf sehr hohem Niveau. Jederzeit war sie in der Lage eine überzeugende Leistung zu bringen. Häufig unter den Top Ten und mit einem Sieg in Zagreb fuhr sie Beständig an der Weltspitze. Trotz der Spezialisierung auf Slalom und Riesenslalom schaffte sie den Sprung unter die Top Ten der Gesamtwertung in der Saison 2007/2008.

Zweite Kugel im Riesenslalom
In den Folgejahren konnte Poutiainen ihr konstant hohes Niveau halten. In fast jedem gefahrenen Rennen schaffte sie es unter die Top Ten. Der Lohn dafür war die Kugel in der Riesenslalomwertung in der Saison 2008/2009. Im gleichen Jahr kam sie auf Platz fünf in der Gesamtwertung. Bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver reichte es mit Platz sechs im Riesenslalom zu keiner Medaille.

Weltcup-Sieg in Flachau 2011
Doch Siege blieben lange Zeit eine Mangelware für Poutiainen. Sie hatte mit Schmerzen im Rücken zu kämpfen und kam erst 2010/2011 wieder besser in Tritt. Im Nachtslalom von Flachau gelang ihr - zeitgleich mit Maria Riesch - folgerichtig der nächste Erfolg.

Steckbrief:
Geboren: am 06.04.1980 in Rovaniemi
Nation: Finnland
Größe: 170 cm
Gewicht: 67 kg
Hobbies: alle Sportarten, vor allem Fußball
Web: www.tanjapoutiainen.com
Sprachen: Finnisch, Englisch, Schwedisch