Lasse Kjus hat in seiner Karriere bereits mehr als ein Dutzend Olympia- und Weltmeisterschafts-Medaillen gewonnen.
Zusammen mit dem Luxemburger Marc Girardelli ist er damit 'Vize-Meister' in der ewigen Bestenliste der Ski-Alpinen. Nur sein norwegischer Mannschaftskamerad Kjetil Andre Aamodt kann mehr Siege vorweisen.

Olympia-Fossil
Der vierfache Olympia-Teilnehmer Kjus war Olympiasieger in der Kombination in Lillehammer und errang zweimal Silber in Nagano. Auch in Salt Lake City holte Kjus in der Abfahrt eine Silbermedaille. Nur bei seinen letzten Spielen in Turin konnte der Norweger nicht mehr um die Medaillen mitkämpfen.

WM-Medaillensammler
Lasse Kjus' größter Erfolg war die Weltmeisterschaft 1999 im amerikanischen Vail. Dort holte er fünf Medaillen - eine in jeder Disziplin. Insgesamt gewann er zweimal Gold (Super-G und Riesenslalom) und dreimal Silber (Abfahrtslauf, Slalom und Kombination) und damit eine Medaille mehr als die vorherigen Rekordhalter bei einzelnen Weltmeisterschaften. Vor Kjus gab es drei Männer, die jeweils vier Medaillen gewonnen hatten: der Schweizer Pirmin Zurbriggen, Frankreichs Jean-Claude Killy und der Österreicher Toni Sailer.

Erfolg im Gesamt-Weltcup
1996 gewann Lasse Kjus bereits zum zweiten Mal den Gesamt-Weltcup. Damit ist der Norweger einer von nur neun Männern, die mehr als einen Gesamt-Weltcup gewinnen konnten. Er verpasste den größten Teil der Saison 1999/2000 wegen Pneumonie und Keuchhustens (er ging nur viermal an den Start - einmal in jeder Disziplin).

Norwegische Skigeschichte geschrieben
Bei den Spielen von Lillehammer 1994 schaffte Kjus ein historisches norwegisches Ereignis in der Kombination - zusammen mit dem zweiten Aamodt und dem Bronzemedaillengewinner Harald Christen Strand-Nilsen; es war das erste Mal seit 1964, dass die Aktiven einer Nation alle Medaillen eines alpinen olympischen Wettbewerbs gewinnen konnten. Die deutschen Frauen wiederholten dies bei den Olympischen Spielen in Nagano 1998 in der Kombination.

Probleme mit der Gesundheit
Kjus wurde während seiner aktiven Laufbahn immer wieder von Bronchialproblemen geplagt. Diese Krankheit war in der Saison 1999/2000 besonders schlimm, ausgerechnet in jenem Jahr, in dem er seine Rivalität zu Hermann Maier unter Beweis stellen wollte. Anstatt den Österreicher herauszufordern, kämpfte Kjus nur bei vier Weltcup-Veranstaltungen. Um wieder gesund zu werden, verbrachte der 'Elch' 14 Tage in Ägypten. Er kehrte in den Weltcup zurück, als ob er ihn nie verlassen hätte, und erreichte ein Dutzend Top Ten Resultate in den folgenden 20 Rennen.

Wie ein altes Ehepaar
Kjetil Andre Aamodt und Kjus fahren zusammen Ski seit sie sechs Jahre alt sind. Auf der Weltcup-Tour teilten sie sich bis zuletzt ein Zimmer. Die beiden Wikinger kennen sich so gut, dass Aamodt sie einmal, trotz ihrer Verschiedenheit, mit einem alten Ehepaar verglich: "Lasse hat als Teenager gefeiert und ich habe immer trainiert- vielleicht zuviel. Heute bin ich eifersüchtig." Aamodt und Kjus wurden das 'Dream Team' und ließen Norwegens Ski-Fans regelmäßig jubeln.

Erneute Verletzung
In der Saison 2003/2004 fuhr Kjus bis zu seiner Verletzung eine sehr überzeugende Saison. Der norwegische Gefühls-Skifahrer zeigte allen, dass er noch immer topfit und heiß auf Siege war. Besonders beeindruckend dabei war sein Sieg auf der Streif, als er elegant wie eh und je fuhr und die Österreicher hinter sich ließ. Zu dem Zeitpunkt war Kjus Zweiter im Gesamt-Weltcup, doch verletzte er sich bei den Abfahrten in Kitzbühel am Knie und konnte danach keine Rennen mehr bestreiten in der Saison.

Erneutes Comeback in Beaver Creek
Das Jahr 2004 sah Kjus dennoch erneut als Sieger: im Riesenslalom von Beaver Creek im Dezember war der Routinier nicht zu schlagen und fuhr in Val D`Isere immerhin auf Platz zwei. Auch in der Kombination in Wengen sammelte Kjus wieder viele Weltcup-Punkte. Solange der Norweger auf der Piste dabei ist, sollte man ihn weiterhin auf der Rechnung haben!

Durchwachsenes Jahr 2004/2005
Im Weltcup-Winter 2004/2005 konnte Kjus mal wieder eine komplette Saison fahren, nachdem ihn im Jahr zuvor noch eine Verletzung stoppte. Zwei Saisonsiege und weitere zwei Podestplätze standen am Ende zu Buche - eine durchschnittliche Leistung für die Verhältnisse des Norwegers. Doch sein Sieg beim Abfahrts-Weltcupfinale in Lenzerheide war erstaunlich. Etwas enttäuschend verlief die WM in Bormio, bei der der Medaillensammler Kjus ohne Edelmetall nach Hause fahren musste.

Abschiedstournee mit Ausflug nach Turin
Es folgte die letzte Saison einer großen Karriere. Auch im olympischen Winter 2005/2006 zeigte sich Kjus wie immer als hervorragender Stilist, an seine großen Erfolge konnte er aber nicht mehr anknüpfen. Ein fünfter Platz beim Super-G in Garmisch war sein bestes Ergebnis. Auch die letzten Olympischen Winterspiele liefen nicht wie gewohnt, Kjus kam über einen 14. Platz nicht hinaus. Mit Rang 13 beim Super-G in Are beendete der Altstar seine internationale Karriere.

Steckbrief
Geboren: 14.01.1971
Nation: Norwegen
Heimatverein: Ski Club Baerum
Größe: 180cm
Gewicht: 90kg
Hobbies: Golf, Angeln
Sprachen: Norwegisch, Englisch, Deutsch

Erfolge
Das Renndebüt des jungen Lasse Kjus erfolgte bereits 1978. Es sollte knapp ein Jahrzehnt vergehen, ehe der Nordmann 1989 im italienischen Alta Badia mit einem siebten Platz bei einem Riesenslalom dei ersten Weltcuppunkte einholte. Nur ein weiteres Jahr später war der erste Podestplatz fällig: Am Mt. Hutt in Neuseeland fuhr Kjus bei einem Riesenslalom auf den zweiten Platz. Es folgt ein kurzer Blick in den Karrierespiegel. Die einzelnen Disziplinen sind wie folgt abgekürzt: DH=Abfahrt, SG=Super-G, GS=Riesenslalom, SL=Slalom, K=Kombination

Olympische Spiele:
2006 in Turin (ITA): DH (14), SG (14), GS (18), K (DNF)
2002 in Salt Lake City (USA): DH (2), SG (-), GS (3), K (5)
1998 in Nagano (JPN): DH (2), SG (9), GS (8), K (2)
1994 in Lillehammer (NOR): DH (18), SG (12), GS (7), K (1)

Weltmeisterschaft:
2005 in Bormio (ITA): DH (33), SG (11), GS (DNF), K (6)
2003 in St. Moritz (SUI): SG (9), K (2), DH (13), GS (DNF)
2001 in St. Anton (AUT): DH (ausg.), SG (4), GS (7)
1999 in Vail (USA): DH (2), SG (1), GS (1), SL (2), K (2)
1997 in Sestriere (ITA): DH (2), SG (2), GS (2), K (5)
1996 in Sierra Nevada (SPA): DH(4),SG(6),GS(4),SL(10),K(2)
1993 in Morioka Shizukuishi (JPN): GS (16), SL (12)

Weltcup:
Weltcup-Gesamtsieger 1996 und 1999
Weltcup-Disziplinen-Sieger in der Abfahrt 1999
insgesamt 18 Weltcupsiege