'Quality is what we want!', sagte Mitorganisator Nicolas Hale-Woods am Donnerstag beim Briefing der Snowboard-, Ski-, und Telemarkfahrer auf der Schatzalp in Davos. Worum es ging? Fünf Profi- und zwei Publicteams, darunter Extremskifahrerin Andrea Binning, Olympiasieger Gian Simmen und Air&Style-Sieger David Benedek sollten innerhalb von 72 Stunden ihren eigenen Film drehen, darin hiken und fahren, ihn schneiden und dann dem Publikum präsentieren. Die 5.000 Euro Siegesprämie ging an das Team, das von den Fahrerinnen und Fahrern als Gewinner gewählt wurde.

Offen für alle:
Mit dabei waren bei der zweiten Auflage des Red Bull Hike&Ride erstmals auch zwei Publicteams. Unter den 30 eingesendeten Bewerbungsfilmen hatte die Jury die Engadiner Telemarker Kenny Scheidegger und Jürg Eugster sowie den Skifahrer Andrea Casura und seinen Partner, Snowboarder Gian-Andrea Albin, ausgewählt. Während Scheidegger und Eugster Filmerfahrungen mitbrachten - mit dem Telemark und Kletterfilm 'Get back on track' hatten sie bereits ein eigenes Projekt realisiert - waren Casura und Albin technisch noch unerfahren. "Wir haben noch keine allzu konkreten Vorstellungen wie wir das Ganze angehen", sagte Freestyler Albin beim Briefing zuversichtlich. "Sicher ist jedoch, dass Andrea für die Rails zuständig ist und ich für die Cliffs!" Dass Casura schließlich die Cliffs sprang und Albin die Mauer fuhr, war bezeichnend für den ganzen Event: Planung war eine Sache, Spontanität, Improvisation und Kreativität eine andere.

Profis und Pläne:
Ohne großes Konzept waren auch Gian Simmen und Partner Thomas Harstad ins Rennen gegangen. "Wir wollen filmen, was jeder Snowboarder tagtäglich macht - wir fahren so hart wie möglich und das auf allen Terrains." Auf die Frage, ob es von Vorteil sei, dass er im Gegensatz zu anderen Fahrern das Gebiet bereits kenne, verneinte Simmen. "Das könnte eher hinderlich sein, weil wir mit gewissen Vorstellungen Orte suchen, an die wir uns zu erinnern glauben. So verliert man schnell einmal Zeit." Und Zeit war knapp. Kein Wunder drängte sich dem Filmpublikum die Frage auf: Woher kam der herrliche Kicker im Tiefschnee? "Costi (Dani Costandaché) hat geholfen", sagte Gian grinsend. Ein bisschen Plan musste eben doch sein.

James Blond und die Sache mit dem Schlaf:
Während Simmen und Harstad ihre Story also eher freestylemässig angingen, überliessen die Extremsnowboarderin und zweifache Mutter Eva Sandelgard und ihre Partnerin Andrea Binning nichts dem Zufall. "Wir werden mit der Technik genug zu tun haben", sagte Eva beim Briefing grinsend, "da bleibt uns nicht noch Zeit, am Drehbuch rumzubasteln." Ihre James-Bond-Geschichte hatten sich die zwei Blondinen schon zwei Wochen im Voraus ausgedacht. Die Musik war von Sandelgards Lebenspartner Gabi Bascolergee komponiert worden. Bei der Präsentation der Teams auf der Schatzalp hatte Hale-Woods, entgegen der Redewendung 'Ladys First', den Männern den Vorrang gegeben. Binning ließ das kalt: "Wir werden später die Ersten sein", prophezeite sie. Tatsächlich waren sie am Samstagabend als erste im Schnitt. Und Sonntagmittag hiess es bei Team 1: "Noch zwei Stunden, dann gibt’s Siesta!" Um drei Uhr konnte man sich den ersten Rohschnitt ansehen, eine Stunde später den ganzen Film. Da rauchten bei den andern noch die Köpfe. "Wir haben letzte Nacht etwa zwei Stunden geschlafen", sagten David Benedek und Christoph Weber lachend, "und wir sind mächtig stolz drauf!"

Gian Simmen mit guter Stimmung:
Die Augen rieben sich auch die beiden Publicteams. "Ich habe kaum ein Auge zugetan", beklagte sich Andrea Casura mit einem Zwinkern. "Wir hatten ein Grand Lit und Gian-Andrea hat mir die ganze Zeit die Decke geklaut." Ungebrochen energiegeladen hüpfte Gian Simmen durch den Flur, sorgte für gute Stimmung und fand zwischendurch sogar noch Zeit Anmoderationen für RTL zum Besten zu geben: "Hallo miteinander, ich bin Gian Simmen und Sie sehen das RTL-Morgenprogramm live vom Red Bull Hike&Ride. Nochmals? Hallo miteinander, ich bin..."

Koffein und Kompromisse:
Gewonnen haben übrigens die Franzosen. David Vincent und Yannick Amevet. Die waren zum Briefing als letzte gekommen, da sie den Benzintank mit Diesel gefüllt hatten. Irgendwann mitten im Schnitt hat sich dann auch noch ihr Computer verabschiedet und mit ihm ein Teil der Arbeit. Für Amevet und Vincent galt mehr noch als für die andern: Zeit ist Geld. Ihr Film wurde kurz vor Premièrenstart um acht Uhr fertig (Gian und Thomas hatten sich vier Stunden vorher fröhlich pfeifend aus dem EWZ verabschiedet). Obwohl sie ihr Storyboard nicht eins zu eins umsetzen konnten, waren sich die beiden einig: "Das Konzept des Events ist gut! Dass man nicht viel Zeit hat, sich schnell entscheiden und aus jedem Lauf das Beste rausholen muss, macht das Ganze ja gerade so charmant."

Seven:
Am Sonntagmorgen auf ihre Musikwahl angesprochen hatten Amevet und Vincent etwas von 'Geräuschen' gesagt. Umso gespannter war man auf das Produkt. Schliesslich zeigten sie eine Mischung aus Comic und Snowboardfilm - technisch und dramaturgisch raffiniert, fahrerisch nicht übermässig spektakulär. "Ich habe sechs Minuten gelacht", sagte Gian zum Siegerstreifen. Seine Stimme hatte er jedoch dem Team David Benedek / Christoph Weber gegeben. "Für mich ganz klar der beste Snowboardfilm!" Außer sich vor Freude waren für einmal nicht die Sieger, sondern Verbier Xtreme Gewinner Cyril Neri und sein Partner, der Künstler Nicoals Vaudroz: "Dieses Konzept stellt alles in den Schatten, was wir bisher erlebt haben! Jeder der sieben Filme ist ein Meisterwerk für sich. Die Fahrerinnen und Fahrer haben drei Tage lang konzentriert und motiviert gearbeitet - einfach unglaublich!"

Frische Rider gesucht für nächsten Event:
Und wie geht’s weiter? Für die Austragung des Red Bull Hike&Ride 2005 werden im Herbst 2004 erneut frische Snowboarder und Freeskier gesucht. Nicht nur Profis. Rider aus der ganzen Welt können sich anmelden, die als Publicteams zusammen mit fünf Pro-Ride-Teams ihrer Leidenschaft und Kreativität freien Lauf lassen können.

Rangliste:
Die 'Rangliste' des Red Bull Hike&Ride 2004:
1. Rang:
David Vincent (FRA) & Yannick Amevet (FRA)

2. Rang:
Gian Simmen (CH) & Thomas Harstad (NOR)
Kenny Scheidegger (CH) & Jürg Eugster (CH)
Andrea Binning (AUS) & Eva Sandelgard (SWE)
Cyril Neri (CH) & Nicolas Vaudroz (CH)
David Benedek (GER) & Christoph Weber (GER)
Andrea Casura (CH) & Gian-Andrea Albin (CH)

Die Rider Clips, Fotos und Einblicke in die 72-Stunden Red Bull Hike&Ride sind zu sehen und zu lesen unter www.redbullhikeandride.com.