Johann Grugger, 22 Jahre, ist der neue Stern am österreichischen Abfahrtshimmel. Während die 'alte Garde' des rot-weiß-roten Abfahrtsteams langsam auf die Zielgerade der Ski-Karriere einbiegt, stehen schon die neuen Speedspezialisten des ÖSV bereit, um erst gar keine Lücke in der Königsdisziplin der Nationalsportart aufkommen zu lassen.

Ski2b: Johann, Du hast es bei der Abfahrt von St. Anton erstmals in Deiner jungen Karriere auf das Podium geschafft. Wie hast Du das Rennen erlebt?
Johann Grugger: Es lief schon im Training recht gut. Ich habe gemerkt, dass die Form stimmt und war für das Rennen zuversichtlich. Der Lauf selbst ist mir beinahe perfekt gelungen. Gut 20 Sekunden vor dem Ziel habe ich gewusst, dass hier ein gutes Ergebnis möglich ist. Da habe ich mir selbst gesagt, dass ich jetzt noch einmal 'knebeln' muss. Und das war richtig anstrengend, die Oberschenkel brennen am Ende so sehr, dass man Probleme mit dem Abschwingen hat, wenn die Spannung nach der Zieldurchfahrt von einem abfällt. Die Abfahrt war körperlich sehr fordernd ...

Ski2b: ... und im Ziel?
Johann: Im Ziel hat dann erstmals die Nummer 1 aufgeleuchtet, ein unvergleichlicher Moment für mich. Danach begann das Warten, die Anspannung ist extem groß gewesen. Doch am Ende hat es ja für das Podium gereicht. Auch der Rummel danach ist für mich Neuland gewesen, ich durfte ja dann auch zur Pressekonferenz. Aber ich sehe das positiv, denn dafür fährt man schließlich.

Ski2b: Werfen wir noch einmal einen Blick zurück auf die Klassiker. Wie bewertest Du als 'Rookie' Deine ersten Erlebnisse mit Gröden, Kitzbühel und Garmisch?
Johann: Gerade auf den Strecken der Klassiker hatte ich noch meine Probleme. In Gröden ging es überhaupt nicht. Dafür habe ich eigentlich auch keine Erklärung. In Kitzbühel lief es bis zur Hausbergkante gut, dann hatte ich aber einen Fehler, den man sich im Weltcup nicht leisten kann, wenn man vorne mitfahren will. Die Streif ist brutal unruhig zu fahren, superschnell, aber eigentlich eine Strecke, mit der ich mich anfreunden kann. In Garmisch konnte ich immerhin einen 12. Platz erreichen, dadurch habe ich mir auch das Selbstvertrauen für St. Anton geholt. Das war sehr wichtig. Gerne würde ich mich im kommenden Jahr noch einmal an den Klassikern versuchen. Da habe ich noch Entwicklungspotenzial.

Ski2b: Du bist derzeit auf Platz 13 in der Abfahrts-Weltcup-Wertung, achtbester ÖSV-Fahrer und Hoffnungsträger der jungen Generation, was sollte einem nächsten Jahr im Weltcup entgegenstehen?
Johann: Das sehe ich ganz nüchtern. Ich wäre schon total zufrieden, wenn ich am Ende Platz 15 in der Abfahrtswertung erreichen könnte. Ich schaue jetzt nach Kvitfjell, dann nach Sestriere. Danach wird abgerechnet und der Rest ist Trainersache.

Ski2b: Wie schätzt Du Kvitfjell ein?
Johann: Das ist meine erste Reise nach Norwegen, überhaupt nach Skandinavien. Ich muss zunächst die Strecke kennenlernen, dort gut trainieren. Auf jeden Fall freue ich mich darauf.

Ski2b: Wie sehr hat Dich die bisherige Saison angestrengt?
Johann: Physisch und psychisch habe ich die Saison bisher wirklich gut verkraftet. Aber das liegt auch daran, dass alles passt. Wenn es läuft, dann fällt einem vieles leichter. Ganz wichtig ist auch das Serviceteam. Meine Skier laufen richtig gut. Da hat Head-Tyrolia abolut gute Arbeit geleistet und auch die Zusammenarbeit mit Dieter Bartsch (Head Racing-Team; Anmerk. d. Red.) ist vorbildlich.

Ski2b: Und was machst Du nach den Finals in Sestriere? Urlaub?
Johann: Nein, dann kommen die ÖSV-Meisterschaften. Da will ich in drei Disziplinen (RTL, Super-G, Abfahrt) an den Start gehen. Danach geht es dann zum Material testen für die neue Saison. Da will ich aktiv mitwirken, damit wir uns danach in der Vorbereitung auf die neue Saison voll auf das Skifahren konzentrieren können.

Ski2b: Johann, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für die restlichen Rennen. Wir rechnen jedenfalls fest mit Dir für die kommende Weltcup-Saison.
Johann: Danke!