Was macht einen Sportler bekannt, was beliebt, wie kann er vermarktet werden? Diese und andere Fragen dürften sicherlich von hohem Interesse für die Gilde der Sportmanager sein, deren Auftrag dahin zielt, die Leistungen der Schützlinge in der jeweiligen Sportart durch lukrative Werbeverträge zu versilbern. Umfragen und Profilanalysen sind da bewährte Hilfen, die den Marktwert und die potenziellen Werbemöglichkeiten einzuschätzen helfen. Soweit, so gut; könnte aus einem Lehrbuch für angehende Sport-Manager entnommen sein.

Frauen sympathischer - Natürlichkeit ist Trumpf:
Doch es gibt auch einfache Erklärungsansätze, nämlich die schlichte Tatsache, dass Frauen sympathischer bei der Bevölkerung 'rüberkommen'. Da verwundert es nicht, dass Martina Ertl in Umfragen (Platz 2) zusammen mit der Biathletin Uschi Disl (Platz 1) die Liste bei der Sympathie-Frage in den relativen Werten bezogen auf die Bekanntheit anführt. Denn die Leute begrüßen Natürlichkeit und wollen keine abgehobenen Stars.

Topstars nicht in den Herzen des Publikums:
Im Zeitalter der Fernsehwerbung und der sportlichen Event-Totalvermarktung (Boxen, Formel 1, Fußball) stellt sich in Befragungen heraus, das die Protagonisten dieser Sportarten wie die Schumacher-Brüder oder die Brüder Klitschko keineswegs wegen ihrer 'Omnipräsenz' in den Medien gleichzeitig automatisch vom Publikum bedingungslos
'geliebt' werden. Zwar erreichen diese Sportler einen Bekanntheitsgrad von weit über 90 Prozent, doch fehlt es ihnen vermutlich an der Bindung zum Volk.
Ähnlich ergeht es auch den Fußballprofis, die zwar als
'Helden' gefeiert werden, aber nicht wirklich als Teil der eigenen Alltags-Wirklichkeit akzeptiert werden. Hier können diese Superstars noch eine Menge von einer Martina Ertl lernen, die als skialpine Wintersportlerin trotz ihres Nachteils einer medialen Halbjahres-Sportlerin auch in der Bekanntheit vor einem Dirk Nowitzki (Basketball) auf dem beachtlichen zwölften Platz rangiert.

Die Gründe für den Erfolg:
Damit wird deutlich, dass es alpine Skisportler in Deutschland auch heute noch zu Ansehen und Bekanntheit bringen können. Permanent gute Leistungen sind dafür natürlich die Basis, so z.B. Ertls Sieg beim Auftakt-Riesenslalom 2003 in Sölden oder jüngst der dritte Platz im Slalom von Megève. Dazu kommt dann ein umtriebiges Management (Nutella-Werbung) und eben die natürliche, sympahtische Ausstrahlung der Person Martina Ertl.

Aufmerksamkeit seitens Wirtschaft wichtig für Auftrieb in der Sportart:
Wie wichtig das Zusammenspiel von Werbung und Medien für das Aufblühen und den Fall von Sportarten sein kann, haben wir wiederholt erlebt: der Tennisboom kam und ging mit Namen wie Becker, Graf und Stich, im Skispringen müssen Hannawald und Schmitt um die Fortführung 'ihres' Booms kämpfen, lange dürfen auch die 'Adler' nicht mehr hinterherspringen.

Chance für die Alpinen:
Da freut sich der Skifan natürlich über derzeit gute Ansätze im alpinen Lager. Neue mögliche Stars stehen mit Felix Neureuther und Maria Riesch bereits in den Starthäuschen. Gute Leistungen sind bereits erbracht, die Rohdiamanten müssen nun sportlich und - auch zum Wohle der Sportart - werbetechnisch zur Blüte gebracht werden. Wird sie die Werbewirtschaft in den Kreis der Topstars aufnehmen, wenn ihre Zeit kommt? Dies bleibt abzuwarten, dem deutschen Skisport stände es sicher gut zu Gesicht!