Michael Veith - Jahrgang 1957 - hat den Sprung vom Spitzensportler zum renommierten Sportevent-Veranstalter geschafft. Nach seinem Ausstieg aus dem Ski-Weltcup 1982 fand der gelernte Mediziner nach einer beruflichen Umorientierungsphase als Geschäftsführer der 'upsolut sports event ag' seine neue Herausforderung. Als Sportveranstalter organisiert er hochkarätige MTB-, Straßenradsport- und Triathlonveranstaltungen von internationalem Rang. Die 2b-Redaktion sprach mit ihm über das zurückliegende Veranstaltungsjahr.

2b-Redaktion: Hallo Michael. Deutschland im Krisenjahr. Wie steht es da mit dem Sport? Wie verlief das Jahr als Geschäftsführer einer Sport- und Marketing-Agentur?
Michael Veith: Im Grunde genommen sieht es in unserem Segment nicht anders aus als in anderen Branchen auch. Man merkt, dass die allgemeine wirtschaftliche Lage derzeit sehr angespannt ist. Als Glied in der Kette stehen wir in unserem Betätigungsfeld in engem Zusammenspiel mit der Industrie als Sponsor unserer Veranstaltungen. Und da bekommen wir momentan hautnah zu spüren, dass Firmen zuerst an den Budgets für Sponsoring sparen. Was natürlich auch nicht verwunderlich ist, wenn man als Verantwortlicher vor der Entscheidung steht, entweder Leute zu entlassen oder finanzielle Mittel für das Marketing auszugeben. Bei uns sieht es insofern etwas entspannter aus, als dass wir als Rechteinhaber - bspw. von Fersehrechten an unseren Events - die Wertschöpfungskette voll abschöpfen und damit die ansonsten eintretenden Ausgaben für diese Dinge nicht aufbringen müssen.

2b-Redaktion: Welche der Veranstaltungen, die Ihr mit der 'upsolut sports event ag' organisiert, sind Euer Zugpferd? Kannst Du bei den sogenannten Randsportarten einen Trend ausmachen?
Michael Veith: Zu unseren Top-Veranstaltungen gehört zweifelsfrei die 'HEW Classics', das als Straßen-Weltcuprennen zu einem der zehn wichtigsten Eintagesrennen weltweit gehört. Desweiteren ist die 'Deutschland Tour' zu nennen. Als Etappen-Rennen hat auch sie zu den ganz großen Rundfahrten aufgeschlossen. Bester Beweis dafür ist, dass sie selbst vom Team Telekom zur Vorbereitung auf die 'Tour de France' genutzt wird. Mit der ARD als Medienpartner und entsprechenden Sponsoren wird sie glücklicherweise in der Öffentlichkeit wirksam gepusht. Auch die BIKE-Festivals in Garda und Willingen haben sich in den letzten Jahren ausgezeichnet entwickelt und stoßen bei den Teilnehmern auf gute Resonanz. Der 'Holsten City Man', ein Weltcup- Triathlon, der in diesem Jahr das erste Mal mitten in der Hamburger City ausgerichtet und von 200.000 Zuschauern am Straßenrand begleitet wurde, ging sofort von Null auf Hundert. Wenn Du mich so fragst, glaube ich, dass insbesondere der Triathlon als Sportart ein großes Potenzial in sich trägt.

2b-Redaktion: Wie steht es mit den Zukunftsplänen der 'upsolut sports ag'? Habt Ihr vor, das Angebot Eurer Veranstaltungen auf weitere Sportarten als den Radsport und Triathlon auszuweiten oder habt ihr eine Nische entdeckt, die es nun auszubauen gilt?
Michael Veith: Da kann ich gleich an die vorhergehende Frage anknüpfen. Derzeit planen wir, in Leipzig einen weiteren Triathlon-Weltcup zu etablieren. Ich hoffe, dass wir das Vorhaben realisieren können, sobald die Querelen, die derzeit mit der Olympia-Bewerbung der Stadt verbunden sind, ausgestanden sind. Weiterhin ist beschlossene Sache, dass wir neben Garda und Willingen ein drittes BIKE-Festival in Garmisch veranstalten werden, dass in der dritten Juli-Wochenende 2004 stattfinden wird. Mit unserem 'Siemens mobile Snow King' haben wir in diesem Jahr in Garmisch-Partenkirchen ein weiteres Event gestartet. Im Anschluss an das ski-alpine Weltcup-Rennen haben sich 15 der besten Downhiller auf derselben Strecke mit ihrem Bike ins Tal gestürzt. In der neuen Ski-Weltcup Saison werden wir das Event mit Stationen in Val d'Isère (13.12.), Bormio (28.12.), Garmisch (31.01.) und dem norwegischen Kvitfjell (06.03.) wiederholen und zu einer Serie ausbauen.

2b-Redaktion: Die Veranstaltungen, die ihr anpackt entwickeln sich zu Publikumsmagneten. Was macht Deiner Meinung nach eine guten Sportveranstaltung bzw. einen guten Sportveranstalter aus?
Michael Veith: Also, für den reibungslosen Ablauf einer gelungenen Sportveranstaltung ist natürlich ein gutes Team oberste Voraussetzung. Deshalb ist es wichtig, Leute dabei zu haben, die über eine gewisse Erfahrung in unserem Bereich verfügen. Aber Erfahrung ist nicht alles. Da bei einem großen Event immer unvorhergesehene Dinge passieren, ist es genauso unabdingbar mit Kollegen zu arbeiten, die über eine gehörige Portion Improvisationstalent verfügen. Man muss auch schon ein gewisse Auge dafür haben, richtig auf die Bedürfnisse und die Emotionen der Teilnehmer einzugehen. Das Vorhaben, bspw. die 'Trans Alp Challenge' umzusetzen, entstand, nachdem Uli Stantio in der 'Bike' Leser befragte, wie sie sich eine MTB-Veranstaltung wünschten. Aus den Erkenntnissen dieser Umfrage und dem Wissen, dass eine Alpen-Überquerung zum Traum der meisten Biker gehört, hatten wir gute Anhaltspunkte für den Ablauf der Veranstaltung gewonnen. Der Erfolg beweist, dass wir mit diesem 'Abenteuer pur' die Emotionen der Teilnehmer wecken konnten. Am wichtigsten ist aber das Organisations-talent des Teams. Die Teilnehmer dürfen trotz der 'Rödelei' im Hintergrund beim Event von unserem Stress nichts mitbekommen. Viel Wert lege ich in diesem Zusammenhang auch auf eine optimale medizinische Betreung. Mit dem 'MV Rescue Team' können wir diesen maximalen Betreuungsaufwand auch gewährleisten. Das spürt und honoriert dann der Teilnehmer letztendlich auch.

2b-Redaktion: Ein Blick über den Tellerrand: Wie bewertet der Skiexperte die neuen Skidisziplinen wie bspw. Skiercross und Freeskiing? Welchen davon gibst Du langfristig eine Chance?
Michael Veith: Konkret auf Skiercross angesprochen, sehe ich in dieser Disziplin eine große Entwicklungspotenzial. Beim Freeskiing sehe ich das Problem, dass es kein Sport für die große Masse ist. Aus Sicht des Wettkampfsports gebe ich Skiercross natürlich die größeren Chancen für den Spitzenbereich. Meines Erachtens sollte man darüber nachdenken, ob es nicht sinnvol ist, die alpinen Weltcup-Wettbewerbe durch diese Disziplin aufzufrischen. Momentan ist das zwar in den Köpfen vieler noch nicht denkbar, aber das Beispiel wie die nordischen den alpinen Disziplinen derzeit den Rang ablaufen, zeigt, dass sich etwas ändern muss.

2b-Redaktion: Michael, wir danken Dir für die Zeit, die Du Dir für uns genommen hast.
Michael Veith: Ich danke auch.