Ski2b: Du hast heute Deinen Rücktritt bekannt gegeben. Deine Rückenverletzung hat sich letztlich als hartnäckig erwiesen. Wann hast Du für Dich gespürt, dass es für ein weiteres Weltcupjahr nicht mehr reichen wird?
Sibylle: Die Gewissheit ist in mir im Laufe der letzten Wochen gereift. Nach meiner Rückenverletzung in Chile am 18. August ist es mit dem 'Kreuz' einfach bis heute nicht richtig besser geworden. Anfang September kamen mir dann schon erste ernsthafte Zweifel, dass ich womöglich bis zum Saisonstart einfach nicht mehr in Form kommen könnte. Zudem war der Schnee nicht auf meiner Seite. So gab es im September keine Gelegenheit mehr das versäumte Training auf Schnee nachzuholen und ab Mitte September war mir eigentlich klar - der Zug ist für mich 2003/2004 abgefahren und dann besser gleich Nägel mit Köpfen machen, da es eh meine letzte Saison werden sollte. Nach all den Mühen der letzten drei Jahre, die wahrlich nicht optimal für mich gelaufen sind, war ich vom Kopf her vielleicht auch nicht mehr in der Lage für ein Weitermachen.

Ski2b: Wie geht es Dir jetzt kurz nach der offiziellen Bekanntgabe - was haben Deine Kolleginnen im Team gesagt?
Sibylle: Es geht mir jetzt wirklich gut, jetzt ist dieser Schritt getan. Wer mich kennt weiß, dass es für mich keinen Weg mehr zurück gibt in den Rennsport, keinen Rücktritt vom Rücktritt. Ich bin mir für mich absolut sicher, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Hart war noch einmal der Gang zum Cheftrainer, denn damit war ja eigentlich der Rücktritt besiegelt. Aber meine Kolleginnen haben sich in dieser Zeit super um mich gekümmert und auch sofort gefragt, wie es mir jetzt geht. Ich drücke allen Mädels fest die Daumen für den Winter, denn der Zusammenhalt in der Mannschaft war mir selbst auch immer sehr wichtig. Doch der Druck, der auf mir lastete, ist nun erst einmal weg. Jetzt ist der Blick frei für die Zukunft ...

Ski2b: ... die für Dich wie genau aussehen wird?
Sibylle: Nun, zunächst steht die Gesundheit im Vordergrund. Ich hoffe, dass es in den nächsten ein bis zwei Monaten mit dem Rücken wieder besser werden wird. Erste leichte Fortschritte sind zu erkennen, für Spitzensport würde es aber niemals ausreichen. Daneben steht natürlich die berufliche Zukunft im Blickpunkt. Derzeit mache ich eine Ausbildung zur Bürokauffrau (im Blockunterricht) und im kommenden Mai sind dort die Abschlussprüfungen. Allerdings sehe ich später meine berufliche Zukunft als Physiotherapeutin.

Ski2b: Dafür drücken wir Dir natürlich die Daumen. Hast Du Dich schon damit auseinandergesetzt, wie es für Dich sein wird, wenn das erste Weltcup-Abfahrtsrennen ohne Dich ausgetragen wird?
Sibylle: Ich denke, den Weltcup-Auftakt in Sölden werde ich noch ganz gut verkraften, aber wenn ich beim Rennen in Lake Louise vor dem Fernseher sitze werde, dann werde ich wohl schon ein wenig mit den Tränen zu kämpfen haben. Aber ganz werde ich dem Skifahren ja nicht abschwören. Ich freue mich schon riesig auf meine Apresski-Karriere und in meinem Skiclub werde ich mich ein wenig um die Betreuung der Nachwuchsfahrer kümmern.

Ski2b: Wir vom Ski2b-Team wünschen Dir in jedem Fall das Beste für Deine Zukunft und bedanken uns bei Dir für das Interview.

Sibylle: Ich danke auch.