Draußen bricht gerade der Tag an. Das Olympiadorf in München schläft noch, doch für Christian Flühr (30, Skiclub Oberhausen), Marathon-Skiweltrekordhalter, hat das Training bereits begonnen. Er ist auf seiner 10 Kilometer langen Laufstrecke durch den Olympiapark unterwegs. Am späten Nachmittag ist Christian schon wieder beim Sport. Dann in einem der Münchener Schwimmbäder, wo 2 km Langstreckenschwimmen auf dem Programm stehen.

Trainingsauftakt letzte Woche:
Wofür er das ganze macht? "Trainingsbeginn oder konditionelle Vorbereitung auf den kommenden Winter", beschreibt das der Weltrekordhalter. Im kommenden Januar will Christian Flühr zum fünften Mal in Folge seine eigenen Weltrekordmarken verbessern. Die aktuellen Rekorde, aufgestellt im März 2003, liegen bei 168 Sunden nonstop auf Skiern und 453.000 abgefahrenen Höhenmetern. Jahr für Jahr schraubt der Student der Kommunikationswissenschaften die Rekorde in immer atemberaubendere Höhen. Dieses Mal hat sich der Extremsportler die Marke 240 Stunden nonstop in den Kopf gesetzt. Letzten Freitag war für den 30-Jährigen Trainingsauftakt im Ruhrgebiet. Christian nutzte Marc Giradellis weltgrößte Skihalle, das Alpincenter, zum Start seiner Vorbereitungen.

Knallhartes Training sechs Tage die Woche:
"Nonstop heißt auch ohne Pause. Lediglich alle acht Stunden ein kurzer medizinischer Check unterbricht die Rekordjagd, ansonsten Tag und Nacht auf Skiern." Christian weiß, wovon er spricht. Deshalb beginnt auch jetzt schon das harte Training. Sechs Tage die Woche anstrengendes Konditions- und Krafttraining. Christian macht keinen Hehl daraus, dass er andere Einheiten weitaus mehr mag, aber die Anforderungen an seinen Körper sind unvorstellbar: 10 Tage gegen Wind, Kälte, Müdigkeit und schmerzende Muskeln kämpfen. Und das bei Geschwindigkeiten von weit über 100 km/h in der Spitze, ohne eine nahezu grenzenlose Fitness ist das kaum möglich. Im Hintergrund arbeitet ein bis zu 20 köpfiges Team für Flühr.

Konkurrenz hat keine Chance:
Gibt es überhaupt Konkurrenz für Christian? Es gibt sie, doch Jahr für Jahr lässt er diese weit hinter sich. Im vergangenen Winter war er der einzige Athlet, der die komplette Distanz nach 'Guinessbuch-Regeln' durchhielt und die Konkurrenz in Sachen Höhenmeter deklassierte: Der Deutsche schaffte 100.000 Höhenmeter mehr als der beste seiner fünf Konkurrenten.

Letztes Ziel Olympia 2006:
Die 10 Tage nonstop auf Skiern sollen allerdings die letzte Rekordjagd sein. Der Extremsportler dazu: "Ich trete zum letzten Mal von selbst an, in Zukunft nur noch, falls ich herausgefordert werden sollte. Dem Skisport bleibe ich aber treu. Mein letztes Ziel im Skisport heißt Olympia 2006 in Abfahrt, Super-G und Riesenslalom, zwar nicht für Deutschland, aber dabei sein werde ich sicher."

Rekorde sollen für Ewigkeit halten:
Die Rekorde, so hofft der Marathon-Skisportler, sollen für die Ewigkeit Bestand haben. Bis die Rekordfahrt Ende Januar allerdings beginnt, warten auf Christian noch unzählige ungeliebte Trainingseinheiten bei ihm zu Hause im olympischen Dorf oder im Allgäu, bevor die Schneetrainingseinheiten richtig losgehen. Macht ihm das überhaupt noch Spaß? Der Extremsportler strahlt und sagt: "Sicher, sonst würde ich es nicht wieder machen, ich muss schließlich niemanden mehr etwas beweisen."