In Kanada kannte der Jubel nach Bekanntgabe der Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitee (IOC) keine Grenzen mehr. Der kanadische Nationalfeiertag 'Canada Day', der am 1. Juli begangen wird, fand nach dem Zuschlag für Olympia 2010 eine grandiose Fortsetzung.

18.000 im General Motors Place Vancouver euphorisch:
Um 8.45 Uhr Ortszeit brachen in Vancouver alle Dämme. IOC-Präsident Jacques Rogge hatte zu diesem Zeitpunkt im über 10.000 Kilometer entfernten Prag (Tschechien) das Ergebnis des entscheidenden zweiten Wahldurchgangs bekannt gegeben und Vancouver die Ausrichtung der Spiele 2010 übertragen.

Stichwahl knapp an Vancouver:
Die Stichwahl zwischen den Kanadiern und dem südkorianischen Mitstreiter Pyeongchang Nachdem enedet mit einer knappen 56 zu 53 Stimmenauswertung. Der eigentlich sehr stark eingeschätzte Mitbewerber Salzburg (Österreich) war zuvor bereits im ersten Durchgang ausgeschieden. Dort erhielt das Bewerbungsangebot aus Austria nur 16 Stimmen. Pyeonchang hatte in der ersten Abstimmungs-Runde noch mit 51 Stimmen dominiert, Vancouver lag da mit 40 Stimmen noch deutlich hinten.
Dritter Zuschlag für Kanada:
Die Kanadier gewannen die bislang knappste Entscheidung der Geschichte. Nach 1976 (Montreal/Sommerspiele) und 1988 (Calgary/Winterspiele) werden die 'Nordlichter' Nordamerikas zum dritten Mal Gastgeber von Olympischen Spielen sein.

Günstiges geopolitisches Umfeld gab den Ausschlag:
Die günstige geopolitische Kostellation gab sicherlich mit den Ausschlag für den Sieg der Westkanadier. Da die Europäer 2004 (Athen) und 2006 (Turin) Gastgeber von Olympischen Spielen sein werden und Asien mit Peking 2008 berücksichtigt sind, hatte Nordamerika einfach die besseren Karten für 2010 in der Hand. Gleichzeitig bedeutete der Zuschlag für vancouver das Aus für die Berwerbung von Toronto für die Sommerspiele 2012.

Stimmen:
Naturgemäß völlig unterschiedlich fielen dann auch die Statements und Kommentare der beteiligten Sportprominenz aus.

Gordon Campbell (Premierminister der kanadischen Provinz British Columbia): "Auf diesen Moment haben wir lange warten müssen, aber jetzt ist er Gott sei Dank Realität. Wir haben die erste Goldmedaille der Spiele 2010 gewonnen. Gratulation und Dank an alle Personen, die diesen Sieg ermöglicht haben."

Kanadas Premierminister Chretien: "Das ganze Team von Vancouvers Kandidatur hat großartige Arbeit geleistet. Und ich bin sicher, dass es fantastische Spiele 2010 werden. Vor allem Whistler mit seinem Blick aufs Meer und den Bergen ist ein fabelhafter Olympia-Schauplatz."

Wolfgang Schüssel (Österreichs Bundeskanzler): "Ich bin wirklich sehr getroffen. Die Bewerbung war gut, das Team hat exzellent gearbeitet. Wir müssen jetzt genau analysieren und mit Freunden reden, was den Ausschlag gegeben hat."

Jacques Rogge (IOC-Präsident): "Das beste Angebot an das IOC hat gewonnen. Pyeongchangs Abschneiden hat mich nicht überrascht. Die Bewerbung war sehr stark. Calgary 1988 gibt Vancouver ein großartiges Beispiel."

Ro-myung Gong (Präsident des OK von Pyeongchang): "Wir haben unser Bestes getan und sind bitter enttäuscht. 2012 war der entscheidende Faktor, der gegen uns gesprochen hat. Ich bin nicht überrascht über den Ausgang, einfach nur unglücklich."

Gianfranco Kasper (IOC-Mitglied und Präsident des Internationalen Skiverbandes): "Es war eine politische Entscheidung im Hinblick auf 2012. Ich habe hier mehr über 2012 als über 2010 gehört."

Klaus Gotter (Präsident des deutschen Bob- und Schlittenverbandes): "Das ist schon eine große Enttäuschung und eine echte Überraschung. Es wäre so gut für Königssee und das Berchtesgadener Land gewesen, wenn dort die olympischen Bob- und Rodelwettbewerbe stattgefunden hätten."

ÖOC-Präsident Leo Wallner:
"Das waren geopolitische Überlegungen, der Wind hat gegen uns geblasen."

Franz Beckenbauer (Olympia-Botschafter für Salzburg): "Ich bin überrascht, aber nicht enttäuscht. Es war wohl schon eine Vorwahl für die Sommerspiele 2012. Dagegen kann man auch mit einer sehr guten Bewerbung nichts machen. Schade, es wären für mich die ersten Olympischen Spiele als Vorläufer in Kitzbühel gewesen."

Franz Klammer (Ex-Skifahrer): "Das war eine sportpolitische Entscheidung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Salzburg eine schlechtere Bewerbung als die anderen hatte. Man sollte es wieder probieren, die Vorarbeit ist geleistet."

Hermann Maier (Olympiasieger): "Ich glaube, es ist alles schon vor der Präsentation festgestanden. Leider kann man nichts ändern. Dass das Ergebnis so ausgefallen ist, ist natürlich schlecht für uns. Das muss man abhaken."