2b-Redaktion: Michael, Du hast Deine sportlichen Meriten in der Formel 1 des alpinen Skisports erworben, bist 1978 Vize-Weltmeister in der Abfahrt von Garmisch-Partenkirchen geworden und hast 1985 Deine Karriere als Profi-Weltmeister beendet ...

Michael Veith: ... stimmt, 1982 habe ich dem Ski-Weltcup den Rücken gekehrt, bin dann damals in der Profi-Serie noch bis 1985 gefahren. Allerdings hat mich der Skisport auch danach noch nicht ganz losgelassen, denn die 24 Stunden von Aspen (Colorado) bin ich 1993, 1994 und 1996 noch gefahren, habe sogar zusammen mit meinem Partner Martin Fiala 1996 lange in Führung gelegen. Doch leider mussten wir wegen Verletzung vorzeitig aufgeben. 1997 habe ich sogar noch mit den alten Weggefährten bei der USA-Profiserie Jeep King of the Mountain mitgemacht. Aber jetzt hat die Skifahrerseele eine Ruh!

2b-Redaktion: Doch Dein Tatendrang ist bis heute ungebrochen, allein das 'Terrain' hast Du in gewisser Weise gewechselt.
Michael: Ja und Nein. Dem Sport bin ich immer treu geblieben. Ich war von 1973 bis 1982 im DSV A-Kader der Skialpinen, habe dem Sport viel zu verdanken und bin eigentlich ohne große Verletzungen durch meine Skikarriere gekommen. Nur in Chile hat es mich einmal beim Training erwischt, da habe ich mir den Halswirbel angebrochen. Aber für mich war immer klar, dass ich mich im Sportumfeld auch nach Karriereende betätigen möchte. Der Weg zu meinem heutigen Tun war allerdings nicht ganz genau vorhersehbar, viele Schritte standen dort an ...

2b-Redaktion: ... und ein Wechsel vom Ski zum Mountainbike.
Michael: Heute dreht es sich eben bei mir mehr um den Radsport als um die beste Linie auf der Streif. Allerdings, bis es zu diesem Punkt der Geschichte kam, gab es ab 1986 zunächst eine Phase der Umorientierung, des Lernens. Ich hatte Medizin studiert, doch war mir 1986 klar, dass mich der Veranstaltungsbereich mit seinen Aspekten des Marketings, Merchandising, Vertrieb, TV, Medien einfach mehr fesselte. Also habe ich mich in diese Richtung umorientiert.

2b-Redaktion: Wie darf man sich den Wandel vom Spitzensportler zum Sportveranstalter in Deinem Fall vorstellen?
Michael: Nun, ich hatte natürlich Kontakte zu Sponsoren und Medienvertretern und damit einen etwas leichteren Start. Zudem hatte ich mit Thomas Kirch damals zusammen Abitur gemacht. Also begann ich bei Telemundi, die für die Fußball Weltmeisterschaften in Spanien 1982, Mexico 1986 und Italien 1990 Merchandising-Rechte erworben hatten. So lernte ich das Geschäft kennen.

2b-Redaktion: Und dann kam der Sprung in die Selbständigkeit ...
Michael: Ja, 1991 habe ich mich mit meinem Partner Heinrich Albrecht aus Miesbach selbständig gemacht. Wir haben im Bereich MTB-Sport zusammen mit der MTB-Zeitschrift Bike das Bikefestival in Riva am Gardasee aufgebaut. Hier die ganze Logistik zu stemmen, von der Unterkunft über die Streckenauswahl und den Security-Service bis zur Vermarktung - das war eine erste große Herausforderung. Später haben wir dann die Transalp - heute das größte MTB-Team-Etappenrennen der Welt - zu seiner jetzigen Größe ausgebaut.

2b-Redaktion: Doch dabei ist es ja nicht geblieben. Heute ist die Transalp das bekannteste Etappenrennen für Mountainbiker weltweit. Und der Unternehmer Veith ist bereits auf der nächsten Expansionsrunde.
Michael: Nun, die Dinge haben sich weiterentwickelt. Wir haben weitere Erfahrungen im MTB-Veranstalter Bereich gesammelt und uns mit der Hamburger Sport- und Marketing Agentur Upsolut Agentur für Sport- und Marketing Gmbh zur absolut sports ag unter dem Namen upsolut event gmbh und upsolut mv gmbh zusammengeschlossen. Damit hat sich das Themenfeld natürlich erweitert. Als Veranstalter der HEW Cyclassics in Hamburg stößt man schon in neue Dimensionen vor. Derzeit sind wir neben der Ausrichtung von großen Triathlonveranstaltungen wie dem Holsten City Man auch mit den Planungen rund um die 7-tägige deutschland-tour (Straßenrad) befasst. Desweiteren eröffnen Beteiligungen an den Hamburg Freezers (Eishockey) und dem FC St. Pauli (Fußball) zusätzliche Perspektiven für künftige Aktivitäten.

2b-Redaktion: Welche Vision hat der Veranstaltungsprofi Michael Veith mit Blick auf die kommenden Jahre? Wohin soll die Reise gehen?
Michael: Insgesamt sind wir auf dem besten Weg zur ersten Adresse in Deutschland in Sachen Radsport-Veranstalter. Dies ist das Ziel, diese Position soll gefestigt werden. Wir wollen die kompetente Agentur im Radsport sein. Im MTB-Sport haben wir auf Marathonveranstaltungen gesetzt und der erfolgreichen Transalp seit dem letzten Jahr die noch anspruchsvollere Transrockies zur Seite gestellt. Das ist Abenteuer pur! Ich persönlich träume noch von der Umsetzung der Transhimalaya.

2b-Redaktion: Wird dieser Traum wahr und wenn, wann?
Michael: Zeitlich will ich mich noch nicht ganz festlegen, aber ich werde hart dafür arbeiten, damit es dieses Rennen im Extrem-Radsport eines Tages geben wird.

2b-Redaktion: Vielen Dank und viel Erfolg.
Michael Veith: Ich danke auch.