Ivica Kostelic galt spätestens seit seinem überragenden ersten Platz beim Slalom-Weltcup in Kranjska Gora (SLO) vor ein paar Wochen als der Topfavorit für die WM 2003 in St. Moritz.

Erst Wengen - dann die Kristallkugel:
Bereits in der letzten Saison zeigte sich Kostelic von seiner starken Seite. Nach einem sehr guten achten Platz im ersten Lauf von Aspen - er startete mit der Nummer 64 - verblüffte er die Konkurrenz mit einem meisterhaften zweiten Durchgang und konnte sein Glück kaum fassen, als niemand, nicht einmal der Schnellste des ersten Durchgangs und eigentliche Favorit Mario Matt, seine Zeit unterbieten konnte.
Auch in Wengen war der Mann aus Zagreb nicht zu stoppen. Mit seinem Slalom-Sieg beim Weltcup-Finale in Flachau machte der Kroate endgültig die Überraschung perfekt und gewann vor dem US-Amerikaner Bode Miller und Olympiasieger Jean-Pierre Vidal die kleine Kristallkugel - holte sich also den Slalom-Weltcup 2001/2002!

Der 'kleine' große Bruder:
Bekannt wurde der am 23.11.1979 geborene Ivica anfangs eher als 'kleiner' Bruder der Ausnahme-Athletin Janica Kostelic. Eigentlich ist er aber zwei Jahre älter als seine Schwester und mittlerweile durchaus in derselben Erfolgsspur unterwegs - seit der Saison 2001/2002 sorgen sie gemeinsam dafür, dass Kroatien vermehrt in den Weltcup-Siegerlisten auftaucht.

Die Sportlerfamilie Kostelic:
In Kroatien ist der Name Kostelic nicht erst seit den grandiosen Erfolgen der Geschwister in aller Munde. Bereits die Eltern waren sehr erfolgreiche Handballspieler und ihr Vater Ante, der seit jeher ein begeisterter Skifahrer ist, trainiert seine Kinder erfolgreich; ein Erfolg, der hart erkämpft ist. Nachdem klar wurde, dass durch den Bürgerkrieg der jugoslawische Mannschaftssport vorerst am Ende war, sattelten die Geschwister vom Handballsport zum Skifahren um.

Harte Ski-Schule - in Zelten übernachtet:
Anfangs reiste Ante Kostelic mit seinen Kindern zu Junioren-Wettkämpfen quer durch Europa, während Mutter Marica in Zagreb blieb. Ohne Sponsoren blieb der Familie nichts anderes übrig, als in Zelten zu übernachten oder im Auto, wenn die Temperaturen es zuließen. Aber Ivica und seine Schwester sahen das nicht so tragisch: "Es stimmt zwar, dass wir kein Geld hatten, aber mit 10 und 12 Jahren machst du dir kaum Gedanken darüber. Für uns war das Ganze wie ein großer Camping-Urlaub."

Die ersten Weltcup-Punkte:
Der Slalom im Dezember 2000 in Sestriere dürfte Ivica Kostelic noch gut in Erinnerung sein. Hier holte er nämlich mit einem 21. Platz in der Gesamtwertung seine ersten Weltcup-Punkte, nachdem er eine knapp dreijährige Lehrzeit, geprägt durch Stürze, Verletzungen und häufiges Ausscheiden hinter sich gebracht hatte.

Der erste Slalom-Sieg:
Vor Aspen 2001 war Kostelic bei Weltcup-Rennen eher in den Regionen jenseits der ersten 25 Plätze zu finden. Seit diesem Sensationssieg aber hat Kroatien jetzt einen neuen Nationalhelden. Für die kleine Skifahrer-Nation war der Gewinn eines Weltcup-Rennens im Herrenbereich damals ein besonderes Ereignis. Und der Empfang für Ivica Kostelic fiel dementsprechend aus.

Die Krönung:
Bei der Wahl zum Sportler des Jahres 2002 kürte die Nation die Kostelics gleich in drei Kategorien: Vater Ante als besten Trainer und seine Kinder Ivica und Janica als besten Sportler und beste Sportlerin des Jahres.

Steckbrief:
Geboren: 23.11.1979
Nation: Kroatien
Größe: 182cm
Gewicht: 88kg
web: www.ivica.kostelic.hr

Ausrüster:
Ski: Salomon
Bindung: Salomon
Schuhe: Salomon
Anzug: Mizuno

Erfolge:
Bei seinem ersten FIS Rennen wurde Ivica Kostelic am 16.12.1994 in Zermatt (SUI) 114. (Riesenslalom). Die erste Europacup-Teilnahme brachte dem Kroaten Platz 63 in einer Abfahrt in Altenmarkt (AUT, 21.01.1996). Der erste Weltcup-Start erfolgte zum Saisonauftakt 1998 in Sölden: Kostelic erreichte den zweiten Durchgang des Riesenslaloms nicht. Die ersten Weltcup-Punkte gab es für einen 21. Rang beim Slalom von Sestriere (ITA) am 11.12.2000. Und am 25.11.2001 war es dann soweit - Ivica Kostelic gewinnt in Aspen (USA) den ersten Weltcup-Slalom seiner Karriere. Es folgt ein kurzer Blick in den Karrierespiegel. Die einzelnen Disziplinen sind wie folgt abgekürzt: DH=Abfahrt, SG=Super-G, GS=Riesenslalom, SL=Slalom, K=Kombination

Olympische Spiele:
2002 in Salt Lake City (USA): GS (9), SL (ausgeschieden)

Weltmeisterschaft:
1999 in Vail/Beaver Creek (USA): SG (32)

Weltcup 2002/03:
Schladming (AUT), SL (4)
Kitzbühel (AUT), SL (4)
Wengen (SUI), SL (3)
Adelboden (SUI), GS (ausgeschieden)
Bormio (ITA), SL (1)
Kranjska Gora (SLO), SL (1)
Kranjska Gora (SLO), GS (12)
Alta Badia (ITA), GS (ausgeschieden)
Sestrieres (ITA), KOS (1)
Val d'Isère (FRA), GS (24)
Park City (USA), SL (14)
Park City (USA), GS (28)
Sölden (AUT), GS (29)

Weltcup 2001/02:
Lillehammer (NOR), SL (7)
Lillehammer (NOR), GS (14)
Shiga Kogen (JPN), SL (4)
Yongpyong (KOR), SL (15)
St. Moritz (SUI), SL (1)
Sölden (AUT), GS (28)
Aspen (USA), SL (1)
Aspen (USA), SL (5)
Val d'Isère (FRA), GS (ausgeschieden)
Madonna di Campiglio (ITA), SL (10)
Alta Badia - Gran Risa (ITA), GS (12)
Kranjska Gora (SLO), GS (19)
Kranjska Gora (SLO), GS (ausgeschieden)
Kranjska Gora (SLO), SL (3)
Adelboden (SUI), GS (ausgeschieden)
Adelboden (SUI), SL (2)
Wengen (SUI), SL (1)
Kitzbühel (AUT), SL (6)
Schladming (AUT), SL (3)
St. Moritz (SUI), GS (ausgeschieden)
Altenmarkt-Zauchensee/Flachau (AUT), GS (9)
Altenmarkt-Zauchensee/Flachau (AUT), SL (1)