Während die Medien nach dessen gelungenem Comeback bereits wieder auf Hermann Maier fixiert sind, hält der Kronprinz das Zepter in der Hand: Stephan Eberharter ist der uneingeschränkte Dominator der Speed-Disziplinen dieser und der letzten Saison.

Die eigene Stärke:
Es sind die zurückliegenden zwei Jahre, in denen sich Eberharter endgültig aus dem Schatten des Herminators befreien konnte. Der Österreicher ist der Sieger im Kampf um diverse Kristallkugeln des letzten Winters. So sicherte sich der Zillertaler erstmals in seiner Karriere den Sieg im Gesamt-Weltcup. Auch Kjetil Andre Aamodt konnte ihn an diesem Triumpf nicht mehr hindern. Hinzu kamen die beiden 'kleinen' Kristallkugeln für den Gewinn der Weltcupwertungen Abfahrt und Super-G.

Seltene Vielseitigkeit:
Der Tiroler ist einer der wenigen Allrounder auf Weltniveau. Er verkörpert in Abfahrt, Super-G und eingeschränkt auch im Riesenslalom die absolute Weltklasse. Eberharter zählt in allen drei Disziplinen zu den Sieganwärtern. Und das mit seinen 34 Jahren. Allerdings stehen gerade beim ÖSV viele junge Talente in den Startlöchern und Fahrern wie z.B. Michael Walchhofer oder Benjamin Raich gehört die Zukunft. Nur fehlen den jungen Fahrern neben der Beständigkeit und der Erfahrung vor allen Dingen die Vielseitigkeit eines Stephan Eberharters. Durch sie hebt sich Eberharter von den vielen Erfolgreichen des Weltcups ab.

Olympia-Medallien und gemischte Gefühle:
Bronze in der Abfahrt, Silber im Super-G - da würde die große Mehrheit der Skifahrer des Weltcups in Freudentränen ausbrechen; Salt Lake City 2002 für den Steff also ein voller Erfolg? Da kann man getrost geteilter Meinung sein, schließlich ist der Zillertaler selbst sein größter Kritiker. Nach einer dermaßen überlegenen Saison, wie er sie im Weltcup 2001/02 hinter sich gebracht hat, da möchte man bei Olympia natürlich auch die 'Ernte' einfahren. Am Ende versöhnte er sich und seine Fans mit dem Gewinn der Riesenslalom-Golmedaille.

Erst Weltmeister, dann Langzeitverletzter:
Kometenhaft begann die Laufbahn des Stephan Eberharter 1991 mit dem Gewinn von zwei WM-Titeln im österreichischen Saalbach-Hinterglemm (Super-G und Kombination). Und so wäre es sicherlich weitergegangen, wenn den Tiroler nicht zahlreiche Verletzungen immer wieder zu Pausen gezwungen hätten. So verlor er insgesamt sechs Jahre seiner Karriere durch immer neue gesundheitliche Rückschläge.

Das Comeback 1997/98:
Erst in der Saison 1997/98 gelang ihm das Comeback in der Weltspitze. Und genau zu dieser Zeit wurde ein gewisser Hermann Maier auf den Skipisten der Welt berühmt. Seitdem hat Eberharter - vielfacher Weltcupsieger, sowie Weltmeister und Vizeweltmeister (zuletzt im Super-G in St. Anton 2001) - im alpinen Skisport mehr erreicht, als manch eine Nation. Auch wenn viele der Meinung sind, dass ein unverletzter Eberharter noch sehr viel mehr hätte erreichen können; er kann auch so sehr zufrieden sein.

Und wieder dabei:
Auch in der laufenden Saison führte Stephan Eberharter die Gesamtwertung um den Weltcup (965 Punkte) knapp vor Bode Miller (USA, 957 Punkte) an; in der Abfahrtswertung ist der Österreicher Erster (610 Punkte) vor Daron Rahlves (USA, 473 Punkte), in der Disziplinenwertung des Super-G Dritter (176 Punkte) hinter Didier Cuche (SUI, 220 Punkte) und Marco Büchel (LIE, 180 Punkte).

Steckbrief:
Geboren: 24.03.1969
Nation: Österreich
Heimatverein: WSV Zell am Ziller
Größe: 180cm
Gewicht: 84kg

Ausrüster:
Ski: Atomic
Bindung: Atomic
Schuhe: Lange
Helm: Briko
Brille: Briko

Erfolge:
Richtig aufmerksam wurden die Journalisten auf Stephan Eberharter nach dessen erstem Weltcup-Auftritt: Beim Riesenslalom in Park City 1989 wurde der Zillertaler auf Anhieb Achter. Zudem gewann er in der Saison 1989/90 die Gesamtwertung des Europacup. Den ersten Weltcup-Podestplatz schaffte Eberharter 1990 in Valloire. In der letzten Saison holte er neun Weltcupsiege, in der laufenden bis dato sieben. Es folgt ein kurzer Blick in den Karrierespiegel. Die einzelnen Disziplinen sind wie folgt abgekürzt: DH=Abfahrt, SG=Super-G, GS=Riesenslalom, SL=Slalom, K=Kombination

Olympische Spiele:
2002 in Salt Lake City (USA): DH (3), SG (2), GS (1)
1998 in Nagano (JPN): SG (ausgeschieden), GS (2)

Weltmeisterschaft:
2001 in St. Anton (AUT): DH (7), SG (2)
1999 in Vail/Beaver Creek (USA): DH (5), SG (4), GS (ausg.)
1996 in Sierra Nevada (SPA): SG (ausgeschieden)
1993 in Saalbach (AUT): SG (1), K (1)

Weltcup 2002/03:
Lillehammer (NOR), GS (20)
Lillehammer (NOR), SG (1)
Lillehammer (NOR), DH (2)
Yongpyong (KOR), GS (23)
Garmisch Partenkirchen (GER), SG (2)
Garmisch Partenkirchen (GER), DH (1)
St. Moritz (SUI), GS (23)
St. Moritz (SUI), DH (5)
St. Moritz (SUI), SG (1)
Kitzbühel (AUT), K (6)
Kitzbühel (AUT), SG (3)
Kitzbühel (AUT), DH (4)
Wengen (SUI), DH (3)
Wengen (SUI), DH (1)
Adelboden (SUI), GS (ausgeschieden)
Bormio (ITA), DH (1)
Kranjska Gora (SLO), GS (24)
Bormio (ITA), DH (ausgeschieden)
Val d'Isère (FRA), GS (ausgeschieden)
Val d'Isère (FRA), DH (1)
Beaver Creek (USA), SG (15)
Beaver Creek (USA), DH (1)
Lake Louise (CAN), SG (1)
Lake Louise (CAN), DH (1)
Park City (USA), GS (8)
Sölden (AUT), GS (1)

Weltcup 2001/02:
Sölden (AUT), GS (2)
Val d'Isère (FRA), DH (1)
Val d'Isère (FRA), SG (1)
Val d'Isère (FRA), GS (3)
Val Gardena (ITA), DH (4)
Val Gardena (ITA), DH (1)
Alta Badia - Gran Risa (ITA), GS (9)
Kranjska Gora (SLO), GS (8)
Kranjska Gora (SLO), GS (9)
Bormio (ITA), DH (3)
Bormio (ITA), DH (3)
Adelboden (SUI), GS (8)
Wengen (SUI), DH (1)
Kitzbühel (AUT), DH (1)
Kitzbühel (AUT), SG (1)
Garmisch-Partenkirchen (GER), SG (3)
Garmisch-Partenkirchen (GER), SG (1)
St. Moritz (SUI), DH (1)
St. Moritz (SUI), GS (1)
Kvitfjell (NOR), DH (6)
Kvitfjell (NOR), SG (3)
Altenmarkt-Zauchensee/Flachau (AUT), DH (1)
Altenmarkt-Zauchensee/Flachau (AUT), SG (4)
Altenmarkt-Zauchensee/Flachau (AUT), GS (3)