Bruno Kernen hatte mit seinen Ergebnissen in Wengen (17.-19. Januar 2003) der Skiwelt eindrücklich bewiesen, dass man mit ihm und der Schweizer Ski-Nationalmannschaft auch im Hinblick auf die WM in St.Moritz zu rechnen hatte. Seine enormen Anstrengungen in der Saison-Vorbereitung haben sich ausbezahlt!

Seit fünf Jahren der Kummerbub:
Findet der Abfahrtsweltmeister von 1997 (ITA, Sestriere) nach fünf "kümmerlichen" Jahren jetzt endlich den Weg zurück an die Weltspitze? Es sieht so aus: Kernen glänzte zuletzt mit einem dritten Rang bei der Freitagsabfahrt (17. Januar 2003) und dem Sieg bei der Samstagsabfahrt (18. Januar 2003) von Wengen (SUI).

Langes Warten hat endlich ein Ende:
Der Weltmeister von Sestriere kann seit Wengen einen weiteren Weltcupsieg verzeichnen - doch der letzte davor liegt, genau wie Podestplätze, lange zurück: Vor den Rennen in Wengen (Januar 2003) konnte er 1998 zum letzten Mal auf das "Treppchen" steigen. Kernen meint zu dieser Bilanz:
"Seit fünf Jahren gehöre ich zu den Kummerbuben. Mein primäres Ziel ist somit klar - endlich wieder einen Podestplatz erreichen." Und dieses Ziel ist seit der ersten Abfahrt in Wengen nicht länger Wunschtraum. Mit dem dritten Platz hinter einem überlegenen Eberharter und dem Amerikaner Daron Rahlves hat das lange Warten auf ein Spitzenergebnis endlich ein Ende genommen; bevor es tags darauf noch besser wurde. Man kann die Kuhglocken noch läuten hören.

Zurück auf die WM-Latten:
Den entscheidenden Faktor, der dem Weg des 32-jährigen zurück an die Spitze noch gefehlt hatte, besorgte Herren-Cheftrainer Karl Frehsner in den letzten Sommermonaten. Der Österreicher brachte den ehemaligen Weltmeister Franz Heinzer (SUI) mit ins Trainerteam. Mit Heinzer sah Kernen, der sein Vertrauen in Ex-Abfahrtstrainer Fritz Züger nach der missratenen Saison 2001/02 verloren hatte, wieder neue Perspektiven. Zudem wechselte Kernen, wie viele seiner Mannschaftskameraden auch, die Skimarke. Er legte seine Head-Latten beiseite und kehrte zu Rossignol-Brettern zurück, die ihm einst auch den WM-Titel einbrachten.

Geduld hat sich am Ende ausgezahlt:
Nun findet der gebürtige Thuner, der nach seinen eigenen Einschätzungen immer noch über das Potenzial verfügt, um unter die besten 15 zu kommen, wieder ein Umfeld vor, das ihm den Erfolg ermöglicht. Obwohl dem gelernten Tiefbauzeichner der Saisonstart in den USA "nicht wunschgemäss" gelang, blieb er ruhig bei der Sache. Seine Teamkollegen sprangen mit mehr oder weniger guten Resultaten in die Bresche und niemand übte Druck auf Kernen aus. Auch er selber ließ sich nicht zu überspitzten Selbsterwartungen hinreißen: "Ich habe einfach weitergearbeitet." Diese Geduld hat sich am Ende ausgezahlt. Ein Zeichen für sein neu gewonnenes Selbstbewußtsein setzte er mit einem dritten Platz und dem Sieg bei den Abfahrten in Wengen.

"Es geht mir gegen den Strich, zu taktieren":
Kernen, dessen bestes Lauberhorn-Ergebnis bisher ein Siebter Platz war, lässt sich in den Trainings auch durch die verschiedensten taktischen Spielchen der Favoriten nicht aus der Ruhe bringen. "Skifahren besteht aus der Herausforderung, so schnell wie möglich vom Start ins Ziel zu fahren", sagt der mit Frau Silvia verheiratete Berner.
"Es geht mir gegen den Strich, zu taktieren und mich unterwegs aufzurichten!" Durch die neue Regelung der FIS sind die Abschlusstrainings in dieser Saison zur Farce geworden. Weshalb Kernen auch zu den Fahrern gehört, die es begrüßen würden, wenn die Startreihenfolge in den Abfahrten wie im Super-G aufgrund der Weltcup-Startliste und nicht aufgrund des Abschlusstrainings festgelegt würde.

Steckbrief:
Geboren: 01.07.1972
Nation: Schweiz
Heimatverein: SSV Wimmis
Beruf: Tiefbauzeichner
Homepage: http://www.bruno-kernen.com

Ausrüster:
Ski: Rossignol
Bindung: Rossignol
Schuhe: Lange
Helm: Carrera
Stöcke: Komperdell
Brille: Carrera
Handschuhe: Reusch

Erfolge:
Das Weltcup-Debüt von Bruno Kernen erfolgte am 26.01.1992 bei einer Kombinationswertung in Wengen (SUI) - der Schweizer wurde 15. Es folgt ein kurzer Rückblick auf den Karrierespiegel. Die einzelnen Disziplinen sind wie folgt abgekürzt: DH=Abfahrt, SG=Super-G, GS=Riesenslalom, SL=Slalom, K=Kombination.

Olympische Spiele:
2002 in Salt Lake City (USA): Kombination, ausgeschieden.
1998 in Nagano (JPN): SG (11), in der Abfahrt ausgeschieden.

Weltmeisterschaft:
2001 in St. Anton (AUT): DH (13)
1999 in Vail/Beaver Creek (USA): DH (7), SG (17), K (5)
1997 in Sestriere (ITA): DH (1), SG (14), K (2)
1996 in Sierra Nevada (SPA): DH (17), SG (17)
1993 in Morioka Shizukuishi (JPN): DH (16)

Weltcup 2002/03:
Wengen (SUI), K (6)
Wengen (SUI), DH (1)
Wengen (SUI), DH (3)
Bormio (ITA), DH (7)
Val Gardena (ITA), SG (5)
Val Gardena (ITA), DH (13)
Val d'Isère (FRA), DH (8)
Beaver Creek (USA), DH (16)
Lake Louise (CAN), SG (21)
Lake Louise (CAN), DH (26)

Weltcup 2001/02:
Val d'Isère (FRA), DH (22)
Val d'Isère (FRA), SG (39)
Val Gardena (ITA), DH (13)
Val Gardena (ITA), DH (18)
Bormio (ITA), DH (7)
Bormio (ITA), DH (6)
Wengen (SUI), DH (14)
Kitzbühel (AUT), DH (16)
Kitzbühel (AUT), SG (24)
Garmisch-Partenkirchen (GER), SG (47)
St. Moritz (SUI), DH (15)
Kvitfjell (NOR), DH (7)
Kvitfjell (NOR), SG (24)
Altenmarkt-Zauchensee/Flachau (AUT), DH (15)