Ski2b.com: Sonja, wie bewertest Du den bisherigen Verlauf der Weltcupsaison?
Milka-Skistar Sonja Nef: Nun, eigentlich verlief die Saison für mich bisher normal. Ich bin recht konstant gefahren, das Training war so aufgebaut, dass die Formkurve im Verlauf der Saison ansteigen sollte. Das scheint zu gelingen. Allerdings will ich natürlich möglichst immer auf das Podest fahren und dies ist mir in diesem Winter noch nicht so oft gelungen.

Ski2b: Zielt bei der Saisonplanung alles auf die WM im Februar im eigenen Land in St. Moritz ab?
Sonja: Nein, ich setze nicht alles auf eine Karte, auf den Tag X, an dem es dann bei solchen Großveranstaltungen an so vielen Kleinigkeiten hängt, ob eine Saison erfolgreich ist oder nicht. Ich denke auch an den Weltcup. In Lillehammer bei den Finals wird abgerechnet. Für mich ist die dritte Weltcupkugel im Riesenslalom für den Gewinn der Disziplinenwertung ebenfalls ein großes Ziel. Die hätte ich zu gerne noch einmal gewonnen. Aber natürlich ist die WM in St. Moritz eine Herausforderung. Ich will meinen Titel im Riesenslalom verteidigen.

Ski2b: Wie ist in Sachen Titelverteidigung Dein Bauchgefühl?
Sonja: Das wäre eine schöne Sache. Es zählen das Können, die Nerven, das Glück. Am Renntag habe ich dann vielleicht dieses Bauchgefühl. Als erfahrene Läuferin kennt man sich selbst ganz gut. Dann spürt man schon, dass heute was gehen kann oder dass es irgendwie wohl nichts werden wird. Jetzt gibt es da noch kein Bauchgefühl.

Ski2b: Wie schwer lastet der Erfolgsdruck auf Dir? Was erwarten die Schweizer in St. Moritz bei der WM? Wie hoch ist der Stellenwert des alpinen Skisports derzeit in der Schweiz?
Sonja: Es wird schon sehr stark berichtet über die Weltmeisterschaft. Die Schweizer sind sehr interessiert am Skisport und über unsere Leistungen bestens im Bilde. Es werden hoffentlich viele Schweizer zu den Rennen kommen und da möchte sich jeder Fahrer und jede Fahrerin in unserem Team in Top-Form präsentieren. Für mich wird der Druck wohl nie mehr so stark sein wie vor der WM in St. Anton ...

Ski2b: Warum?
Sonja:... weil ich im Vorfeld der Weltmeisterschaften alles gewonnen hatte im Riesenslalom und alle den Titel von mir erwartet hatten. Selbst ein zweiter Platz wäre in den Augen der Öffentlichkeit eine Niederlage gewesen. Ich konnte nur verlieren. Eine schlimme Ausgangsposition. Zudem hatte ich bei Großveranstaltungen zuvor immer versagt!

Ski2b: Man wird in St. Moritz in den technischen Disziplinen aus Schweizer Sicht auch wieder hauptsächlich auf Deine Leistungen vertrauen, denn im Schweizer Damenteam läuft es ja momentan nicht so gut, oder?
Sonja: Ja, leider haben wir enorme Nachwuchsprobleme. Seit einigen Jahren ist es unübersehbar bei uns. Es wird viel dafür getan, aber die Lücke lässt sich nicht mal so eben auf die Schnelle schließen. Es ist ähnlich wie bei den deutschen Herren. Man muss konsequent neu aufbauen und dies dauert eben.

Ski2b: Könnte es eine Kostelic-WM werden? Haben die Damen Angst vor einer übermächtigen Janica?
Sonja: Im Slalom glaube ich, dass Janica sich nur selbst schlagen kann. Im Klartext: bringt sie ihre Leistung, dann kann ihr keine andere Fahrerin den Titel nehmen. In den anderen Disziplinen gibt es mehrere Favoritinnen und wenn ich meine Möglichkeiten im Riesenslalom abrufen kann, dann ist mir da vor Janica nicht bange. Mein Vorschlag: Martina Ertl verteidigt für Deutschland den Kombititel und ich verteidige den Titel im Riesenslalom, dann wäre ich schon sehr froh. Aber das ist Wunschdenken.

Ski2b: Zurück zum Weltcup, wie schätzt Du die Situation rund um die Diskussion der Attraktivitätsfrage des alpinen Skisports ein? Welchen Einfluss haben die Athleten?
Sonja: Wir Aktiven sprechen viel über die Dinge, die uns bewegen, aber wir haben schon alles versucht, wir werden nicht gehört, die FIS lacht uns eher aus. Wir haben leider keinerlei Macht ...
Ski2b: Stichwort KO-Slalom ...
Sonja: Ich verstehe die FIS nicht. Keine Fahrerin will den KO-Slalom. Das ist eine völlig unübersichtliche, sportlich fragwürdige Veranstaltung. Läuferinnen, die eine Sekunde schneller waren, scheiden aus. Im Slalom brauchen sie nichts zu ändern. Die Nachtslaloms sind die Renner. Sie müssen nur näher an die Städte ran. So einfach ist das.

Ski2b: Du hattest bereits sechs schwere Operationen am rechten Knie. Wie geht es Dir mit dem Knie momentan?
Sonja: Nach dem letzten Slalom hat es sich wieder bemerkbar gemacht. Ich erhalte alle acht Wochen eine Spritze mit biogenetisch gezüchtetem Knorpel. Das Knie und die Gesundheit können später einmal den Ausschlag für ein Karriere-Ende geben.

Ski2b: Wie denkt die private Sonja über ihre Zukunftspläne nach. Planst Du irgendwann eine Familie?
Sonja: Doch ich möchte mal Kinder haben, aber ich bin noch hungrig auf Erfolge, sehe noch keinen konkreten Zeitpunkt für ein Karriere-Ende. Ich bin bis auf das Knie noch nicht so verbraucht, fahre erst seit neun Jahren im Weltcup und seit drei, vier Jahren in der Weltspitze. Ich habe noch Lust auf den Ski-Rennsport.

Ski2b Eine Frage an die Naschkatze-Sonja. Welche Milka-Leckereien kannst Du besonders empfehlen. Was isst Sonja Nef zur Belohnung nach einem harten Training?
Sonja: Ich liebe die Lilapause Erdbeer und die Milka-Luflee. Die esse ich gerne auf der Anfahrt zum Wettkampf oder nach der Nervenanspannung eines Weltcuprennens.

Ski2b: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg bei den anstehenden Skirennen.
Sonja: Danke.