Ski2b: Du hast in den letzten zwei Jahren viel Verletzungspech gehabt. Wie lautet die Diagnose des Arztes nach deinem 'Aus' in Lake Louise?
Hilde Gerg: Das vordere Kreuzband ist gerissen. Es gibt aber die Möglichkeit einer konservativen Behandlung des Knies ohne operativen Eingriff. Sie nennt sich: Verheilung durch Narbenbildung.

Ski2b: Hast Du die Ereignisse der letzten Wochen schon ein wenig verarbeiten können? Erst der Weltcupsieg und dann dies ...
Hilde: An die Weltcupsiege erinnere ich mich sehr gerne ... und ist noch etwas passiert!?

Ski2b: Du warst bis zu der Verletzung in einer bestechenden Form. Der Weltcup-Winter hätte einer Deiner erfolgreichsten werden können. Wie hast du die Situation bei der Abfahrt in Erinnerung? War Dir gleich klar, dass da etwas nicht stimmt?
Hilde: Nun ja, ich kenne meinen Körper inzwischen schon ganz gut, aber im ersten Moment war es nur ein kleines Stechen. Ich habe nicht gleich dran gedacht, dass da was Schlimmeres passiert ist. Ich stand auch noch ganz unter dem Eindruck des Rennens. Die Gewissheit kam erst mit der Zeit und den ersten Untersuchungen nach dem Rennen. Aber der Weltcupwinter war doch auch schon erfolgreich, oder nicht?

Ski2b: Du giltst als ein fröhlicher Typ, kann man da solche Rückschläge eher verkraften?
Hilde: Natürlich kann man das. So schlimm es auch klingt: Es ist nur ein Knie und auch seine Verletzung ist reparabel. Früher habe ich ein paar Tage gebraucht, um mit einer solchen Situation und mit mir ins Reine zu kommen, heute brauche ich dafür nur noch ein paar Stunden. Ich denke dann immer an Menschen, die mit weitaus größeren gesundheitlichen Problemen kämpfen müssen. Da vergisst man schnell das Jammern und greift wieder an.

Ski2b: Viele werden Dich jetzt bedrängen sofort über Deine Zukunftspläne Auskunft zu geben. Welche Aspekte werden Dich bei Deiner Entscheidungsfindung (Karriere-Ende contra Comeback) letztlich beeinflussen?
Hilde: Mich bedrängt niemand. Es ist doch verständlich, dass sich die Fans und die Leute, die mir auch die ganze Zeit die Daumen gedrückt haben, dafür interessieren, wie es weitergeht. Das ist ganz normal. Ich lasse mich diesbezüglich auch nicht unter Druck setzen. Ich werde am Ende der Saison über alles in Ruhe nachdenken - das habe ich vor der Saison gesagt und daran ändert auch die jetzige Situation nichts.

Ski2b: Vielen Dank für das Interview.