Ski2b: Wolfi, der erste Saisonabschnitt für dich ist vorbei. Könntest du eine kurze Zwischenbilanz für dich ziehen?
Maier: Kann ich ja. Ich glaube, dass sich das Team in den USA-Rennen und in den Kanada-Rennen sehr gut präsentiert hat. Wir haben eigentlich die meiste Zeit über im Riesenslalom, und dies ist ja auch noch unsere schwächste Disziplin, gute bis sehr gute Leistung gezeigt. Wir haben auch einen Schritt vorwärts gemacht. Es waren auch junge Läuferinnen dabei, wie die Maria Riesch und Isabelle Huber, die wirklich ansprechende Leistungen gezeigt haben.

Ski2b: Hilde hat sich verletzt. Wie ist jetzt der Gesundheitsstand von Hilde?
Maier: Der wird meiner Ansicht nach im Augenblick etwas zu locker gesehen; besonders von der Medien-Seite. Ein Kreuzbandriss ist nun mal eine schwere Verletzung und den kann man nicht einfach mir nichts dir nichts auf die Seite schieben und in zwei Wochen wieder Skifahren. Es ist so, dass aufgrund der Konstellation dieser Verletzung, also ein lokaler Abriss des vorderen Kreuzbandes diagnostiziert wurde und keine weiteren Verletzungen am Knie zu finden waren. Das heißt, es gibt eine sogenannte Minimal-Chance, dass man auch mit einem gerissenem Kreuzband, wenn der Rest des Knies funktionstüchtig ist, wieder Skifahren kann, aber ich glaub das ist eine kleine Möglichkeit, die man jetzt aus meiner Sicht viel zu sehr überbewertet hat.

Ski2b: Nichts desto trotz spekuliert die Öffentlichkeit natürlich über ein Comeback und wenn es eines gibt, wann?
Maier: Das richtet sich ganz nach dem Heilungsprozess, das richtet sich auch nach der mentalen Verfassung von Hilde, wie sie mit der Verletzung umgeht, ob sie die Verletzung überhaupt belastet, also sie hat ja keinen Sturz gehabt, sie hat ja auch keine übermäßigen Schmerzen, also wie hat sie das registriert und wie verarbeitet sie es jetzt in der nächsten Woche. Geplant ist immer gewesen, dass sie in drei Wochen wieder Ski fährt. Wenn es nicht geht mit dem Skifahren, dann wird sie auch nicht fahren, dann operiert man halt in drei Wochen, weil man hat ja jetzt keine Hektik, man kann diese kleine Restchance ja nutzen, probieren ob es funktioniert oder nicht. Wenn es nicht funktioniert, wenn Hilde nichts an Stabilitätsgefühl hat, dann muss man halt nachoperieren.

Ski2b: Bei der Abfahrt im Super-G hat sich das Reglement verändert. Was hältst du von diesen Änderungen?
Maier: Vom Prinzip hat man Recht, die Spannung etwas zu halten, dass man die Topstars nach hinten legt, aber mit dem Qualifiing ist meiner Ansicht nach nur unnötige Hektik aufgekommen. Man muss quasi bei der zweiten Trainingsrunde schon Vollgas fahren, man hat keine Chance mehr, das Material zu testen. Das ist bei den Herren vielleicht etwas anders, aber die fahren einfach auf einem höherem Niveau. Bei den Frauen war es immer schon sehr wichtig, dass sie im Training die Möglichkeit haben, vom Material her zu variieren.

Ski2b: Viele Weltcup-Rennen hauptsächlich in Amerika finden fast ohne Zuschauer statt. Was würdest du für Ideen haben oder was würdest du der FIS raten, um letztendlich diesen Missstand zu beheben.
Maier: Dies liegt nur daran, dass die Frauenrennen unter der Woche stattfinden in Park City, Donnerstag und Freitag, und die Herren fahren dann Samstag und Sonntag und bei den Herren waren dann schon Zuschauer da. Aber es ist natürlich klar, wenn dort oben in Lake Louise die Rennen am Freitag gefahren werden, dann kommen auch keine Zuschauer. Erstens liegt es 170 km von Calgary, der nächsten großen Stadt oder 180 km von Banf. Also so können Rennen nur am Wochenende stattfinden, wenn man sich auf die Zuschauer bezieht.

Ski2b: Mit der Isa Huber und der Maria Riesch haben zwei Junge zwei sehr gute Platzierungen erreicht. Sind da weitere Junge in der zweiten Garde, von denen du vergleichbare Leistungen erwartest?
Maier: Ob ich sie jetzt gleich erwarten kann, kann ich im Moment noch nicht sagen, das werden wir noch sehen, aber ich habe schon nach dem Riesenslalom gesagt, das wird sicherlich nächstes Jahre Konsequenzen ziehen werden; nicht negative Konsequenzen, sondern Konsequenzen in der Umstellung, dass man ein Team von Technikern formt, mit mehreren Läuferinnen, damit man diese Leute wie Riesch, Hölzl oder auch die Christiane Bauer mit der Martina zusammen in eine Trainingsgruppe gibt, damit sie noch zielgerechter mit den Besten in Deutschland fahren. Die Problematik, die wir im Moment haben, ist, dass wir noch Schüler haben, und die Schüler können nicht mit den Profis zusammen trainieren, wie es nötig wäre. Wir müssen dieses Jahr einfach überbrücken. Wenn sie mit der Schule fertig sind, dann können sie sich dem Profiski zu widmen.

Ski2b: Du hast bereits als Trainer sehr viel erreicht, man kann sagen eigentlich fast alles. Was treibt dich trotzdem noch an, soviel Engagement zu zeigen, soviel Gas zu geben?
Maier: Gute Frage. Ich habe des öfteren Glück gehabt, das Talent dazu, ich habe wirklich viel dafür gearbeitet, um an den Erfolgen teilzunehmen. Die Erfolge der Athleten, die fahre ich dann nicht ein, bloß die Plattform dafür schaffe ich. Ich war immer ein großer Fan des Skisports, ich wollte immer Skifahrer sein oder werden; das habe ich damals nicht geschafft, weil ich nicht gut genug war. Als Trainer konnte ich dann auch die Ziele realisieren, die ich aufgrund fehlender Fähigkeiten als Aktiver nicht realisieren konnte und außerdem arbeite ich gerne. Es macht mir Spaß, wenn ich sehe, dass der Laden läuft, das ich mit dem, was ich mache, eine Plattform für die Aktiven schaffen kann. Das ist dann natürlich ein angenehmes Gefühl, wenn sie dann auch erfolgreich sind.

Ski2b: Warum läuft der Laden bei den Herren zur Zeit nicht so gut?
Maier: Das steht mir nicht zu, dies zu beurteilen, und dies möchte ich auch nicht. Ich habe selber noch genug Probleme auf der Frauenseite, und man sieht es ja immer selber, dass wir zwar Licht haben, aber auch viele Schatten und ich kenne die Problematik der Herren zu wenig, um das richtig zu beurteilen zu können.

Ski2b: Vielen Dank für das Interview und schöne Weihnachten.
Maier: Dir auch :)