Ski2b: Bist Du mit Deinem Abschneiden beim Auftakt der Voelkl Supersport Challenge zufrieden?
Stefanie: Leider habe ich das Finale um wenige Punkte verfehlt. Aber nach meinem schweren Sturz mit dem X-bike in der ersten Steilkurve hatte ich eine ungünstige Ausgangsposition. Mein Punktekonto war extrem niedrig, weil ich frontal in die Fahrbahnbegrenzung gedonnert bin und folglich im X-biken den letzten Platz belegt habe. Gott sei Dank habe ich mich aber nicht verletzt. Da alle drei Qualifikationsrennen (Airboard, X-bike und Ski) zusammen gewertet werden, haben mir auch die vielen Punkte beim Freeriden nicht mehr ins Finale geholfen. Doch das stört mich überhaupt nicht, denn der Event hat mordsmäßig Spaß gemacht, und unter dem Motto: "the winner takes it all" kann halt nur einer die Siegprämie mit nach Hause nehmen. Die beiden Sieger waren in allen Disziplinen gut und hatten es verdient, diesen Voelkl Supersport Challenge zu gewinnen.

Ski2b: Welche Wertigkeit (sportlich und organisatorisch) hat dieser Wettkampf für Dich gehabt?
Stefanie: Dieser Wettkampf war nicht nur der erste der Saison, sondern auch gleichzeitig mein persönlicher Saisonauftakt. Die Schneebedingungen waren spitze und die Organisation von Voelkl war für uns Teilnehmer herausragend - mit ziemlicher Sicherheit der beste Event, an den ich mich erinnern kann. Gern wäre ich noch einige Tage länger geblieben, da die Atmosphäre unter uns Fahrern und mit allen anderen Leuten sehr entspannt war.
Sportlich gesehen fand ich es besonders gut, dass die Athleten aus allen Winkeln Zentraleuropas kamen und mit sehr unterschiedlichen Backgrounds angereist sind: die verschiedenen Charaktere haben zur tollen Stimmung beigetragen. Wir sind alle sehr gute Skifahrer und Sportler, doch nicht alle hatten bereits Wettkampferfahrungen gesammelt. Gerade die neuen Disziplinen haben den Wettkampf aufgelockert und die Multifunktionalität der Funsportarten unterstrichen. Und alles in allem hat sich wieder einmal gezeigt, dass nicht nur Höchstleistungen unseren Sport kennzeichnen, sondern auch eine offene, unkomplizierte und abenteuerlustige Lebensweise.

Ski2b: Wie hast Du den skifreien Sommer verbracht?
Stefanie: Auch eine leidenschaftliche Skifahrerin wie ich muss ab und an den Bergen mal den Rücken zukehren. Ich bin im Juni nach Flensburg gezogen - die am weitesten von den Alpen entfernte deutsche Stadt. Hier oben konnte ich im Sommer hervorragend Windsurfen. Die Nord- und die Ostsee bieten die allerbesten Vorraussetzungen, um optimalen Wind und Wellen zu haben. Ich habe nach einigen Jahren wieder sehr viel Spass auf dem Wasser gehabt, und surfen ist immer noch meine zweite Leidenschaft! Gleichzeitig habe ich aber auch ganz normal im Büro gearbeitet und bin meinem Beruf als Betriebswirtin nachgegangen. Durch diesen Wechsel zwischen den Bergen und dem Meer merke ich dann besonders, wie wichtig mir der Schnee ist. Der Abstand hilft mir, meine Leidenschaften besser zu verstehen.

Ski2b: Was sind Deine Pläne für den anstehenden Winter?
Stefanie: Ich werde wohl ab Januar in den Alpen unterwegs sein. Da es dort letztes Jahr nicht so viel Schnee gab, möchte ich gerne mobil sein und mich nicht auf einen Ort festlegen. Ich denke, ich werde vorerst mit meinem roten Bus in Richtung Arlberg düsen und spätestens Mitte Februar in meine zweite Heimat Frankreich wechseln: Dort kenne ich mich am besten aus und freue mich, meine Freunde wiederzusehen. Contests, die vor Ort stattfinden, werde ich alle mitnehmen. Außerdem habe ich die Hoffnung, dass wir dieses Jahr optimale Bedingungen für Fotos und Filme antreffen. Und falls es doch anders kommen sollte, dann steht einem Spontanausflug nach Übersee auch nicht viel im Weg.

Ski2b: Wie siehst Du den Stellenwert des Freeskiing momentan?Stefanie: Freeskiing gibt es in Frankreich und in Amerika schon lange. Seit vergangenem Jahr wird es dank einiger Zeitschriften auch in Deutschland wieder thematisiert. Das ist gut für den Sport und gut für die Sportler. Freeskiing ist sehr facettenreich, entwickelt sich rasend schnell und ist nur schwer abzugrenzen. Reine Slopestyler oder Halfpipespezialisten habe mit reinen Tiefschneeliebhabern technisch nicht viel gemeinsam. Auch gibt es - Gott sei Dank - keine organisierten Wettkampfstrukturen. Dies würde unseren Sport in seiner Entwicklung und am Aufstreben hindern. Noch kann jeder gute Athlet bei Contests auf sich aufmerksam machen. Jedes Jahr gibt es neue Tricks. Ich vermute allerdings, dass sich Wettkämpfe in Zukunft auf Events reduzieren werden, die sich auf einem Kicker oder einer Pipe abspielen. Das ist organisatorisch sehr viel einfacher als einen Big Mountain Event abzuhalten, und auch für die Medien besser zu projizieren. Diese Fahrweise hat auch sehr viel mit artverwandten Sportarten wie z.B. Skateboarden, Inlinen oder Snowboarden zu tun. Im Big Mountain-Bereich wird viel hochalpines Verständnis erwartet und die Risiken von Lawinen und Wettereinflüssen sind nicht hundertprozentig vorhersehbar: Man muss vorsichtig sein, und sollte diese Art des Freeskiings nicht als "allgemeinen Skiausflug" darstellen. Du musst dich ausreichend im Gebirge auskennen und dir möglicher Risiken bewusst sein. Verletzungsgefahr lauert in allen Bereichen des Freeskiings und ich bin überzeugt, dass eine Verschmelzung aller Varianten hinterher das echte Freeskiing ausmacht. Für mich zählt hauptsächlich das Erlebnis mit der Natur, und wie ich meinen Sport damit optimal verbinden kann. Jeder sollte Freeskiing für sich selbst erleben: ob als einsame Tiefschneeabfahrt in blinkenden Schneekristallen oder als 720 im Park - das ist dann unwichtig.