Bedrohlich ragen die dunkelen Felsen aus dem Steilhang in den zunächst blauen Himmel der Berge rund um das Vallee de Chamonix. In den Wochen vor dem siebten Red Bull Snow Thrill hatte es wenig geschneit in den Westalpen, beinahe zu wenig. Doch die Experten in Sachen Big Mountain waren sich im Vorfeld schon sicher; "das Happening steigt..."

Wie die Gemsen am Berg - nur extremer:
Was ist eigentlich 'Big Mountain'? Eine Form des Freeskiings, die dem Zuschauer das Blut in den Adern gefrieren lässt und gleichzeitig den Angstschweiss auf die Stirn treibt. Verwegene Extremsportler stehen abseits der normalen Piste in unwegsamem, steilem Gelände, welches zuvor durch gezielte Sprengungen gesichert worden ist. Die Athleten wählen dann eine freie Linie hinab ins Tal, die möglichst spektakulär und anspruchsvoll ist. Eine Jury (The Jugde) verfolgt den 'Run' eines jeden Teilnehmers. Punkte werden dann für die Ausführung, die Kontrolle des Laufes, die Aggressivität, die Technik und den Rhythmus der Fahrt vergeben. Die Gesamt-Punktzahl entscheidet über den Platz und das Weiterkommen in die Finals.

Sprünge in die Tiefe des Raumes:
Der besondere Kick ist dabei das Einbauen der Sprünge. Sportler aus Kanada, Frankreich, Neuseeland und vielen anderen Ländern lieben das 'Revier' in Chamonix gerade wegen der zahlreichen Kombinationsmöglichkeiten, die die Felsformationen an diesen Bergen erlauben. Und die Sprünge in der Qualifikation haben es in sich. 15-20 Meter hinab in die Tiefe, für die Mädels und Jungs aus dem 'Big Mountain Bereich' eine normale Sache. Besonders der Franzose Bruno Compagnet ließ seinem Thrill-Trieb freien Lauf. Im Ziel wurde seine Vorstellung mit frenetischem Beifall bejubelt. Der großer Favorit auf den Sieg bei den Herren erzielte die Traumnote 28,6. Bei den Damen ging Andrea Binning aus Australien mit 28,6 Punkten als beste Fahrerin aus der Qualifikation hervor.

Das Finale am Ende ein Sturm-Opfer:
"Wenn das Wetter mitspielt, dann wird der Berg am Samstag beben." Diese Hoffnung des Red Bull-Eventmanagers 'Wolle' erfüllte sich leider nur zum Teil. Ein sehr anspruchsvolles Terrain wartete schließlich auf die Finalisten. Sektor 2 war für den Kampf um den Sieg ausgewählt worden. Die besten 16 Herren (gestartet waren 42) und die stärksten vier Frauen fuhren dort dann auch die neuen Sieger aus. Das Wetter schien zunächst zu halten. Reichlich Adrenalinschübe gab es in der Folge für die zahlreichen Zuschauer und Aktiven - echter Thrill. Doch als nur noch die beiden führenden Franzosen Nathanael Fresnois und Brune Compagnet oben am Start auf ihren 'Downhill-Ritt' warteten, musste der Wettkampf abgebrochen werden. Sturm und Nebel machten eine Fortführung unmöglich, gefährdeten die Sicherheit der Teilnehmer - es fehlten nur 10 Minuten.

Sieg für Andrea Binning und Bruno Compagnet:
Die Damen konnten immerhin ihr Finale ordnungsgemäß austragen. Überlegene Siegerin wurde die Australierin Andrea Binning. Sie gewann mit der Gesamtpunktzahl von 53,5 Punkten vor Marianne Bréchu (Frankreich) und Conny Danzl. dabei wurde durchweg aufregender Sport gezeigt. Spektakulär auch die wagemutigen Einlagen der Herren. Gigantische 'Drops' in die Tiefe wurden der Jury gleich reihenweise vorgeführt. Am Ende hatte sich die vierzehn gestarteten Männer vergeblich bemüht. Ihnen blieb einzig der Kick ihres eigenen laufes. Als Endergebnis wurden die Wertungen des Vortages gelistet. Neuer Big-Mountain-König 2002, Bruno Compagnet.