Ski2b: Wie kam es zu dieser Idee eines Herz und Ski Koronarlehrgangs?
Dr. Michel:
Ski-Langlauf gehörte schon zum Höhenrieder Bewegungstherapie-Programm der besser Belastbaren, als ich 1977 an der Klinik begann. Im Sommer Bergwandern und im Winter Ski-Wandern incl. Schulung von Beginnern. Viele positive Erfahrungen wurden dann auf die inzwischen eingerichteten ambulanten Herzgruppen übertragen - zunächst mit Programm für einen Tag, dann über Wochenendveranstaltungen zur „Herz&Ski“-Woche. Prof. Halhuber, der damalige Ärztliche Direktor der Klinik Höhenried, berichtete immer wieder auch von positiven Erfahrungen mit Ski alpin bei Einzelpatienten. Dadurch und durch die Wünsche der Patienten der Herzgruppe waren in der Zwischenzeit auch Untersuchungen durchgeführt worden, die für eine gezielt ausgesuchte Patientengruppe Ski alpin als Möglichkeit für Freizeit und Urlaub mit der „Schontechnik“ erschloss.

Ski2b:Gibt es in diesem Zusammenhang ähnliche Projekte in anderen Ländern?
Dr. Michel:
Es gibt immer einmal wieder Berichte aus Österreich zu Ski mit Herzpatienten und von deutschen Herzgruppen, die einen gemeinsamen Urlaub im Schnee gemacht haben.

Ski2b: Was ist ihr persönliches Anliegen in dieser Sache?
Dr. Michel:
Als Arzt und Diplomsportlehrer ist mir jedes Mittel recht, Menschen in Bewegung zu bringen und in Bewegung zu halten - mit der unverzichtbaren Vermittlung von Wissen, Grenzen zu erkennen und anzuerkennen.
Der pädagogische Bereich der kardiologischen Rehabilitation soll ja motivieren helfen, (unnötige) Fehler zu vermeiden.

Ski2b: Wird es zu einer Fortführung dieser Lehrgänge kommen und wie kann man sich dazu anmelden?
Dr. Michel: Der nächste Kurs wird 2003 sein: 25.01.03-02.02.03. Zur Voruntersuchung kann man sich anmelden über die Klinik Höhenried gGmbH (08158-242348) oder dirk.michel@hoehenried.de

Ski2b: Wer ist für diese Art der Nachsorge-Therapie eigentlich prädestiniert?
Dr. Michel: Zur Teilnahme am Ski-Wandern sind die Teinahmekriterien wie für eine ambulante Trainingsgruppe erforderlich: Keine Herzvergrößerung, keine schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen, Belastbarkeit 1 Watt/kg. .Ski alpin „kostet“ etwas mehr: 1,5 Trainingswatt pro kg Körpergewicht.

Ski2b: Gibt es Fachliteratur zu diesem Thema oder wird dieser Feldversuch dazu beitragen?
Dr.Michel: Etwas Fachliteratur über Ski mit Herzpatienten - wie gesagt - gibt es aus Österreich, von der Deutschen Sporthochschule Köln und aus Freiburg. Leider fehlen erstaunlicherweise Forschungsergebnisse aus deutschen sportmedizinischen Instituten in Alpennähe, wo ja der Skisport - auch nach Herzinfarkt - eine große Rolle spielt.
Über das Projekt „Herz&Ski“ wurden 2 Arbeiten in der Ausbildung zum Diplom-Sportwissenschaftler angefertigt, die demnächst eventuell zu einer medizinischen Promotion zusammengefasst werden.

Ski2b: Vielen Dank für das Interview.
Dr. Michel: Gerne.