Am Mittwoch fand in St. Moritz das erste Training auf der neuen Strecke "Corviglia" statt, auf der im nächsten Jahr auch um WM-Medaillen gefahren wird.

Diesen ersten Test gewann die derzeitige Nummer 1 der Weltcupgesamtwertung Stephan Eberharter. Er scheint seine großartige Form weiter zu halten. Mit 1:40,88 Minuten war der Zillertaler mit Abstand der Schnellste, Fritz Strobel landete eine Sekunde dahinter auf dem zweiten Platz.

Wie auf der Achterbahn
Die neue Abfahrt ist für alle Fahrer eine wahre "Denksportaufgabe". Dem Start mit dem spektakulären "Freefall" folgt eine selektive Strecke.
"Eine Achterbahn", wie Eberharter sie beschreibt, "es geht immer hin und her." Das Problem ist dabei in erster Linie, dass die gesamte, 2.989m lange Strecke oberhalb der Baumgrenze angesiedelt ist.
"Man hat keine Bezugspunkte, muss sich alles ganz genau merken", so Eberharter. Diese Aufgabe absolvierte der Tiroler gleich mit Bravour, auch wenn er ergänzte: "Ich war nur vor dem Fritz, weil er gebremst hat. Aber der Vorsprung überrascht mich, auch wenn er nichts aussagt."
Spektakulär ist die Strecke schon zu Beginn - es geht mit einem Gefälle von 100 Prozent los. Da ist der Name "Freefall" (freier Fall) passend.

Beschleunigung wie in der Formel-1
Für die Läufer ist das aber kein Problem. "Für uns ist das nichts Ominöses, im Gegenteil: Man erspart sich das Antauchen am Start", erklärt Eberharter. Auch ohne Anschieben beschleunigen die Fahrer hier in sieben Sekunden auf 130 km/h, da kommen sonst nur Formel-1-Autos mit.

Wer gewinnt den Abfahrtsweltcup?
Hinter Eberharter klassierte sich Strobl - und zwischen diesem Duo geht es am Samstag auch um den Abfahrtsweltcup.
Drei Abfahrten vor Schluss hat Eberharter, vierfacher Abfahrtssieger dieser Saison, bereits 235 Punkte Vorsprung -oder anders ausgedrückt: Sogar wenn Eberharter ausfällt, muss Strobl unter die ersten sieben, um noch die theoretische Chance zu wahren.
Auf jeden Fall stellt Strobl zur Strecke klar: "Das ist keine Bolzer-Strecke. Es gibt viele Kurven, wo man mit Hirn fahren muss." Dazu gibt es für eine neue Abfahrt viele Sprünge. "Man ist eigentlich sehr oft in der Luft", sinnierte Strobl, "für meinen Geschmack fast zu viel."

Kröll drittbester ÖSV-Läufer
Die anderen Österreicher hielten sich im ersten Training noch vornehm zurück, Andreas Schiffer musste wegen einer Verkühlung überhaupt passen. Drittbester ÖSV-Läufer war Klaus Kröll als Sechster.
"Die Abfahrt ist brutal schwer, eineinhalb Stunden für die Besichtigung sind fast zu wenig", sagte er. Dazu kommt: Bei schlechter Sicht oder Wind ist diese Strecke fast unfahrbar. Umso erleichterter waren alle, dass es beim ersten Training noch schön war.

Teilweise große Rückstände
Trotzdem war es für einige sehr schwer. "Ich habe einen Drehwurm. Aber ein paar Mal hab' ich wenigstens gesehen, wo man fahren könnte", grinste Michael Walchhofer nach der 14. Zeit im Ziel.
Einen Rang hinter ihm landete Peter Rzehak, die anderen waren weit zurück. Hans Knauß, der nach wie vor auf Olympia hofft ("Die Form kommt, langsam bekomme ich die Sicherheit") war 30., Christoph Gruber 38., Christian Greber 46. Und Hannes Trinkl fand sich gar nur auf dem 48. Platz.