Genannt wird er oft auch „Der Vater der WM“ oder „Der einsame Wolf vom Arlberg“. Doch was ist das für ein Mensch, der im Skisport quasi eine Legende ist?! Und was zeichnete ihn so sehr aus, dass man sich noch jetzt - 20 Jahre, nachdem er seine Karriere beendet hat - an ihn erinnert?

Durch Willen zum Sieg:
Geboren wurde Karl Schranz am 18. November 1938. Seine Vorbilder waren Skigrößen, wie Zeno Coló oder Egon Schöpf, die damals sehr bewundert wurden. So nahm sich auch der kleine Karl vor, später wie eines seiner Vorbilder zu werden. Doch im Gegensatz zu vielen anderen, erlebte er tatsächlich im Jahr 1953, also mit ca. 15 Jahren, seinen ersten großen Erfolg, als er in Meribel-Courchevel die europäische Jugendmeisterschaft im Slalom gewann. Dem schon damals selbstsicheren Jungen war zu diesem Zeitpunkt klar, dass er fähig ist mit den Weltbesten mitzufahren.

Erste Rückschläge:
Kurz nachdem Karl Schranz seine ersten sportlichen Erfolge feiern konnte, starb sein Vater 1957. Der junge Schranz, der inzwischen in Kufstein in der Kneissl-Skifabrik arbeitete, denkt dennoch gerne an diese Zeit zurück, da er den Firmenchef Franz Kneissl immer mehr zur Bezugsperson machte und in eine Art Ersatzfigur für seinen verstorbenen Vater fand. Mental neu gestärkt schafft er es sogar 1957 auf der Kandahar zu siegen und seinen ersten Weltcup in Chamonix zu gewinnen. Natürlich voller Selbstvertrauen und mit großen Erwartungen trat Karl 1960 seine Reise zu den Olympischen Spielen in Squaw Valley an. Über sich selber sagt er, dass er der beste Skifahrer der Welt gewesen sei. Doch aufgrund einer Verletzung errang er in Abfahrt und Riesenslalom nur den siebten Platz. Sein Ego bekam einen so schweren Knick, dass er ernsthaft überlegte in den USA zu bleiben, um als Stuntman und Werbeträger weiterzumachen.

Zurück wegen der Heimat:
Es waren aber doch seine Heimat und sein Lieben - besonders seine Mutter - die ihm fehlten, sodass er nach Hause zurückkehrte. Geplagt von Sorgen, man könne ihn aufgrund seiner Niederlage ablehnen, war er sichtlich überrascht, als er am 17. Juni 1960 im Wiener Praterstadion vor über 32.000 Zuschauern zu Österreichs „Sportler des Jahres 1959“ kürte.
Mit neuem Enthusiasmus, mit Zielstrebigkeit und Eigenwillen trainierte der Tiroler unermüdlich. Er arbeite unentwegt für den Erfolg, lief sogar mit Bleiwesten durch St- Antons Berge um seine Kondition zu verbessern, und holte sich somit den Spitznamen „Der einsame Wolf vom Arlberg“.

Mühe zahlte sich aus - doch Gold sollte nicht sein
Der kompromisslose Kämpfer konnte, bestimmt auch als Folge seines verbissenen Trainings, 1962 in Chamonix Doppelweltmeister in Abfahrt und Kombination und Vizeweltmeister im Riesentorlauf werden. So waren jegliche Spekulationen bezüglich einer Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Innsbruck durchaus nicht unberechtigt. Man rechnete mit Schranz’ unbedingtem Höhepunkt der Karriere, einer Goldmedaille. Bei einer medizinischen Untersuchung im Vorfeld der Spiele musste sich der siegessichere Tiroler jedoch über einen längeren Zeitraum im Kalten aufhalten - und verkühlte sich dabei dermaßen, dass er grippegeschwächt zu den Spielen antreten musste. Nicht einmal unter den ersten Zehn in der Abfahrt und „nur“ eine Silbermedaille im Riesenslalom. Er war sehr verbittert.

Fast ein Wendepunkt - Wieder ein Fiasko:
Wieder musste Schranz sich überlegen, ob ihm dies genügte, was er erreicht hatte, oder er ob er doch weitermachen sollte. Und er machte weiter. Sein nächstes Ziel hatte er schon erfasst: die Olympischen Spiele von Grenoble. 1968 also wieder bei der Olympiade dabei, erzielte er nur enttäuschende Ergebnisse: Fünfter in der Abfahrt, Sechster im Riesenslalom. Beim Slalom gleich doppeltes Pech. Im zweiten Durchgang lief ein Streckenposten direkt vor Schranz’ Skier, doch er durfte immerhin noch einmal starten. Beim zweiten Start legte Schranz einen sensationellen Lauf hin, fühlte sich schon als Olympiasieger und wurde doch noch aus völlig belanglosen Gründen nachträglich disqualifiziert. Viele vermuteten, dass dies das Aus für Schranz’ Karriere sei.

Schranz lässt sich nicht beirren:
Zielstrebig macht Karl Schranz weiter, verbucht nebenbei Erfolge ohne Ende, wie zwei Gesamt-Weltcupsiege, Ehrungen zum besten Skirennläufer der Welt und Sportler des Jahres, doch immer noch im Visier ist sein letztes großes Ziel - eine olympische Goldmedaille bei dem Spielen von Sapporo 1972. Doch noch bevor die Spiele angefangen hatten, wurde Schranz ausgeschlossen. Er hatte gegen die Amateurbestimmungen verstoßen, wie angeblich 40 andere Sportler der IOC-Liste auch, jedoch war Karl Schranz der einzige, den man zu den Spielen nicht zuließ.
So beendete er 1972 seine Karriere, obwohl er angeblich nicht hätte aufhören müssen.

Vorreiter:
Dennoch kann er positive Erkenntnisse daraus ziehen
Noch bevor Schranz die Zulassung zu den Spielen 1972 abgesprochen wurde, hatte er sich für die Rechte und Verdienstmöglichkeiten von Sportlern eingesetzt. Der damalige IOC-Präsident Avery Brundage war jedoch völlig gegen die Kommerzialisierung des Sports.
Somit wurde es erst durch die Diskussionen um den Ausschluss Schranz’ ermöglicht, dass die Rennläufer heute so viel Geld verdienen können.

Heute:
Heute ist Karl Schranz sehr stolz auf das, was er war und geschafft hat. Zwar ärgert er sich noch heute über einiges leichtsinnige Handeln bestimmter Personen, die ihm begegnet sind, doch insgesamt kann er eine wirklich positive Bilanz ziehen, die sich sehen lassen kann.