Die tragische Unfallserie des olympischen Winters ist durch den Sturz Silvano Beltramettis um ein bitteres Kapitel erweitert worden.
Der fatale Unfall auf der Oreiller-Killy-Piste beendete jäh die hoffnungsvolle Karriere des jungen Mannes, der erstmals mit einem zweiten Platz bei der Abfahrt im kanadischen Lake Louise im November 2000 auf sich aufmerksam gemacht hatte.

Auf dem Sprung zur Weltspitze
Dieses Jahr sollte ein ganz besonderes werden für Beltrametti, der wie alle Fahrer im Hinblick auf Salt Lake City natürlich besonders motiviert war.
Und die Resultate sprachen ebenfalls dafür, dass der Schweizer den Sprung zur Weltspitze schaffen könnte.
Bei der Weltmeisterschaft in St. Anton im Februar lag Beltrametti lange auf dem dritten Rang, bevor ihn Florian Eckert noch auf Platz vier verdrängte
Und die ersten Weltcup-Rennen zeigten eine starke Schweizer Mannschaft, die jederzeit in der Lage war, einen Fahrer in die Top-Position zu bringen
Grossen Anteil daran hatte Beltrametti, der einen Tag vor seinem schweren Unfall mit dem dritten Platz beim Super-G von Val d'Isère seine gute Verfassung bestätigte, die ihn bei vielen Experten zu einem Favoriten auf olympisches Edelmetall im Februar in Salt Lake City machte.

'Er strahlt Reife aus'
Trotz seines jungen Alters hatte sich Silvano Beltrametti im Team der Schweizer schon zu einem Anführer entwickelt, weshalb er auch schon mit dem großen Helden des Schweizer Ski-Sports, Bernhard Russi, verglichen wurde.
Auch die Ski-Legende der Schweizer sparte nicht mit Lob für den Mann aus Valbella. "Er strahlt Reife aus und ist mental gefestigt. Und er hat skifahrerisches Talent", sagte Russi vor dem schrecklichen Unfall von Val d'Isère.
Und Beltrametti selbst nahm diese Führungsposition trotz seiner gerade mal 23 Jahre gerne an, obwohl es eine Zeit dauerte, bis ihm die Bedeutung dieser Rolle klar wurde, weil er sich lange Zeit als Einzelsportler sah. Mit den neuen Aufgaben wuchs aber auch die Bindung zum Team und das machte die Schweizer insgesamt sehr stark.

“Das Berufsrisiko ist größer als am Bürotisch“
In seiner jungen Karriere hatte der Schweizer schon mit einigen Verletzungen zu kämpfen. Probleme mit den Bändern in den Knien und eine schwerwiegende Halswirbelfraktur, die ihn ganze drei Monate außer Gefecht setzte zählten zu den schwersten. Zu solchen Zwischenfällen meinte der Bertrametti noch vor kurzem in einem Interview: “Das Berufsrisiko, mit bis zu Tempo 120 den Berg runterzurasen, ist ungleich größer, als wenn man nur am Bürotisch sitzen muss.“
Bleibt zu hoffen, dass Silvano Bertrametti nach diesem Schicksalsschlag seinem Lebensmotto treu bleibt: „Hart arbeiten und sich immer wieder neue Ziele setzen.“