Petra Haltmayr vom Skiclub Rettenberg war seit 1994 im Weltcup aktiv. Damals bestritt sie kurz vor dem Jahreswechsel ihr erstes Weltcup-Rennen der Karriere in Meribel. Danach hat sie sich zur festen Größe im Weltcup-Team der deutsche Damen entwickelt.

Massenhaft Starts im Winter 1995/1996
Um möglichst viel Rennerfahrung zu sammeln fuhr Haltmayr im darauf folgenden Winter bei 65 Rennen mit. Hauptsächlich war sie bei Slalom- und Riesenslalom-Rennen dabei, konnte den Europacup-Slalom in Krieglach (AUT) gewinnen und war stets auf Achse in europäischen Skigebieten. 1996/1997 folgten dann unwesentlich weniger Starts, der Durchbruch im Weltcup wollte aber noch nicht so richtig glücken, viele Ausfälle machten ihr einen Strich durch die Rechnung.
Ein erstes gutes Ergebnis war ein 14. Rang beim Slalom in Park City, was folgte war jedoch Ernüchterung pur, Petra schien im Slalom und Riesenslalom noch nicht konkurrenzfähig zu sein.

Komplette Umstellung führt zum Erfolg
Nachdem mehrere Jahre ohne Fortschritt vorbei gegangen waren, fingen Trainer und Sportler an zu überlegen, was man da machen könnte. Naheliegender Schritt war der Versuch, es einmal beim Super-G und in der Abfahrt zu versuchen. In der Saison 1999/2000 verzichtete Haltmayr auf Starts im Slalom, der eigentlich bisher ihre Stärke hätte sein sollen, und startete vor allem bei Speed-Disziplinen. Und dieser Schritt beeinflußte die Karriere Haltmayrs nachhaltig. Los ging es in Lake Louise mit den Plätzen 21. und 14. in der Abfahrt und im Super-G. Ihr bis dahin bestes Ergebnis folgte kurz vor Weihnachten in St. Moritz, als sie sich mit dem achten Rang im Super-G selbst das schönste Geschenk unter den Weihnachtsbaum legen konnte. Drei zehnte Plätze in Berchtesgaden, Altenmarkt und Cortina d´Ampezzo bewiesen daraufhin ihren Aufwärtstrend und das Talent in den schnelleren Disziplinen. Die Saison war also mehr als erfolgreich gelaufen, doch noch war sie ja nicht vorbei. In Innsbruck 'heizte' Haltmayr mit Selbstvertrauen auf den sechsten Platz und schnupperte zum ersten Mal am Podium, dass sie schon kurze Zeit später erreichen sollte. In Lenzerheide bestiegen drei Überraschungsdamen das Treppchen. Es gewann Corinne Imlig aus der Schweiz vor Petra Haltmayr und Olesja Alieva aus Russland. Ein fantastischer Erfolg für Haltmayr, die damals ihren ersten Weltcup-Sieg nur um drei Hundertstel verpasste.

Der Knoten war geplatzt
Das ausgerechnet Petra Haltmayr für die Überraschung des Rennwochenendes in Lake Louise im November 2000 sorgen würde, dass hätte wohl kaum jemand erwartet. Mit einem nahezu perfekten Lauf sicherte sie sich den ersten Weltcup-Sieg ihrer Karriere bei der Abfahrt. Ein Sieg, für den eher Namen wie Kostner, Dorfmeister oder Götschl gehandelt wurden. Letztendlich nahm allerdings die DSV-Läuferin den mittleren Podestplatz ein und verwies die Favoritinnen auf die Plätze. Und auch zwei Tage später beim Super G fuhr sie ein tolles Rennen und wurde Vierte. Ihr war der Sprung in die Spitze der schnellsten Fahrerinnen der Welt geglückt.

Lake Louise 2000 - und danach...
Die Freude über den Durchbruch war natürlich groß. Doch schon die nächsten Rennen zeigten, wie schwer es sein kann mit dem Druck einer Siegerin fahren zu müssen.
Was folgte war eine Achterbahnfahrt. Die neuen Erwartungen, die man nun in sie setzte, konnten nicht immer erfüllt werden. Die WM 2001 in St. Anton verlief alles andere als zufriedenstellend. Lediglich der völlig unerwartete fünfter Platz in der Kombination stimmte sie wieder etwas versöhnlich.
Aber die Frage von Reportern, ob sie den Sieg in Lake Louise nicht verfluche, hat sie stets mit "nein" beantwortet.
Die doch insgesamt als sehr erfreulich einzustufende Saison konnte Haltmayr mit den Rängen drei und vier bei den Rennen in Lenzerheide 'krönen', so dass ihr Platz in der A-Nationalmannschaft langfristig gesichtert war.

Lieblingsrennen Lake Louise
Genau ein Jahr und ein Tag nach ihrem ersten Weltcup-Sieg gelang Petra Haltmayr in Kanada 2001 der zweite Coup. Der Super-G war ganz nach ihrem Geschmack und die anderen Fahrerinnen konnten an diesem Tag nur staunen, wie die Deutsche am Ende mit sieben Zehnteln Vorsprung gewann.
Doch danach fiel das sympathische und hübsche Ski-Ass in ein Leistungsloch, aus dem sie sich erst 2004 wieder heraus katapultieren konnte. Sieben Mal fuhr sie unter die Top 15 und zeigte auch zum Ende bei den nationalen Meisterschaftsrennen, dass sie wieder zu den besten Skirennläuferinnen der Welt zählte.

Wieder konstant in den Top Ten
Auch in der Weltcup-Saison 2004/2005 war auf Petra Haltmayr Verlass. Sie konnte sich sechs Mal in den Top Ten platzieren und qualifizierte sich souverän für das Weltcupfinale, wo sie zum Abschluss in der Abfahrt und im Super-G wieder unter die besten zehn fuhr. Haltmayr entwickelte sich in den letzten Jahren zu einer regelmäßigen Punktesammlerin, der nur noch ein weiterer Weltcup-Sieg fehlt.

Knapp eine Medaille verpasst
In den ersten drei Rennen noch ohne Weltcuppunkte, verbesserte Petra Haltmayr ihre Leistungen stetig und landete bereits in ihrem vierten Weltcup auf Rang 15. Eine Woche später verpasste sie das Stockerl bei der Abfahrt in Val d´Isère um nur 16 Hundertstel. Sahen die Ergebnisse in den folgenden Wochen wieder schlechter aus - nur ein fünfter Platz in Cortina stach aus den hinteren Platzierungen heraus - war die olympische Medaille mit Platz sechs in der Abfahrt und Platz neun im Super G fast in Reichweite. Wie so oft, fehlte hier das letzte Quäntchen Glück. Hoffen wir, dass Fortuna in der nächsten Saison wieder auf ihrer Seite ist.

Rücktritt 2007
In der Weltcup-Saison 06/07 wollte Haltmayr eigentlich noch einmal so richtig angreifen, doch irgendwie wollte der Knopf nicht aufgehen. Lediglich zweimal kam die Rettenbergerin in die Top Ten und war kein einziges Mal nahe dran an einem Podestplatz. Auch bei der WM konnte sie sich nicht vorne platzieren und hatte den 15. Rang im Super-G dort als bestes Resultat vorzuzeigen. Am Ende der Saison zog sie dann einen Schluss-Strich und verkündete ihr Karriereende.

Sucht auch in der Freizeit den ‚Kick’
Als wenn die Geschwindigkeit auf der Piste nicht schon aufregend genug wäre, ist Petra auch auf dem Asphalt gerne schnell mit dem Motorrad unterwegs und macht auch vor einem Fallschirmsprung nicht halt, um sich den nötigen 'Kick' zu besorgen.

Steckbrief:
Geboren: 16.09.1975
Nation: Deutsch
Heimatverein: SC Rettenberg
Größe: 166cm
Gewicht: 62kg
Hobbies: Motorrad, Telemark
Web: www.haltmayr.de

Erfolge:
Es folgt ein kurzer Blick in den Karrierespiegel von Petra Haltmayr. Die einzelnen Disziplinen sind wie folgt abgekürzt: DH=Abfahrt, SG=Super-G, GS=Riesenslalom, SL=Slalom, K=Kombination

Olympische Spiele:
2006 in Turin (ITA): DH (6), SG (9)
2002 in Salt Lake City (USA): DH (DNF), SG (23), GS (DNF)

Weltmeisterschaft:
2007 in Are (SWE): SG (15), DH (28), K (DNS)
2005 in Bormio (ITA): SG (24), DH (18), GS (DNF)
2001 in St. Anton (AUT): DH (24), SG (11), GS (DNF), K (5)

Weltcup:
15. Platz Weltcup-Gesamtwertung 2001
Weltcup-Disziplinen-Siebte in der Abfahrt 2001
Weltcup-Disziplinen-Zehnte im Super-G 2001
insgesamt zwei Weltcupsiege, weitere zwei Podestplätze