Seine Vorbereitung unterscheidet sich allerdings immer noch von der anderer Fahrer. Anstatt zwischen den Rennen in Europa und dem Training in Amerika hin und her zu jetten, hatte sich Schlopy zusammen mit seinem Teamkameraden Bode Miller ein Landhaus in Schmirin, bei Innsbruck in Österreich gemietet. Während andere U.S.-Fahrer wochenlang mit Jet lag, langen Busfahrten, komischen Hotels und einem Leben aus Koffern zu kämpfen hatten, fuhren Schlopy und Miller jeden Tag im eigenen Wagen „nach Hause“. Es ist die „Männerwirtschaft“ zweier unterschiedlicher Persönlichkeiten. „Bode hat eine Menge verschiedener Ansichten über das Skifahren und das Leben,“ sagt Schlopy. „Aber er gibt immer 100% und bemüht sich immer das Team mitzureißen. Wir haben viel durch unsere Unterschiede voneinander gelernt.”
In ihrem Landhaus wohnten sie zusammen mit dem Kleinvieh der Vermieterin, was zwar viel Wärme, aber auch einen gewissen Duft spendete. Die Vermieterin machte ihre Wäsche, bezog ihre Betten und war auch ihre schärfste Kritikerin, die ihnen wenn nötig auch mal sagte: “You skied like Scheisse.“ So geschehen z.B. nach den Weltmeisterschaften im Ski Alpin in St. Anton im Februar.
Im Riesenslalom mit der Startnummer eins an den Start gegangen, kam Schlopy bereits nach einigen umfahrenen Toren von der Piste ab. Heute sieht er das als ein Omen. “Das war das Beste, was mir passieren konnte. Dieser erste Startplatz hatte mein Rennkonzept total über den Haufen geworfen. Noch mal werde ich mich davon nicht so schnell einschüchtern lassen.“

Von den Österreichern viel gelernt
„Wenn Erik einmal begriffen hat, was er tun muss, hält er sich auch genauestens daran,“ sagt Jesse Hunt, Trainer des U.S.-Teams für den Slalom und Riesenslalom. „Dann zieht er sein Programm durch, immer und immer wieder, ohne sich zu beschweren.“
Hunt ist ein besonders wichtiger Trainer für Schlopy. Als ehemaliger Spitzenfahrer kann er sich sehr gut in die Athleten hineinversetzen. “Wir vertrauen uns,“ sagt Schlopy. „Er behandelt mich wie einen gleichberechtigten Sportler.“
Trotz der harten Arbeit an sich ist Schlopy ein Team-Fahrer, der Daron Rahlves, Casey Puckett, Chip Knight und, natürlich, Bode Miller zu seinen engsten Verbündeten zählt. „Jeder von uns ist eine Speiche im Rad,“ sagt er.
Was Shlopy aus der Masse der Fahrer heraushebt ist, wie er an seine Aufgaben herangeht. Er plant alles sehr akribisch und arbeitet unnachgiebig an sich. „Wenn ich etwas nicht schaffe, dann deshalb, weil ich nicht alles bedacht habe. Geschwindigkeit ist die Folge von guter Planung und Resultate sind Sklaven der Vorbereitung. Man kann dir tausendmal sagen: “Fahr schneller!“, oder „Bleib auf dem Außenski“, aber du musst es selber fühlen, um es zu begreifen. Aber das Fühlen alleine ist erst der Anfang. Du musst dein Gefühl 10.000fach verstärken.“
In Österreich zu leben ermöglichte ihm zusammen mit Hermann Maier und dem österreichischen Team zu trainieren, um so den direkten Vergleich zu bekommen. Als Schlopy die Saison 2001 als dritter hinter Maier beendete, trug dieser den Newcomer auf seinen Schultern. Die Österreicher überlegten im Spaß, ob sie dem Amerikaner noch erlauben sollten, mit ihnen zu trainieren.

Endlich wieder schwarze Zahlen schreiben
Jetzt erhält Schlopy seine Ski von Österreichs dominierender Ausrüster im Skirennsport der Herren - Atomic.
„Je schneller ich fahre, umso bessere Skier bekomme ich,“ sagt Schlopy, der diese jetzt nicht mehr selbst präparieren muss. Eine Prognose für Olympia abzugeben würde seinen Planungen zu weit vorgreifen. Das ist etwas, was er gelernt hat, nicht zu tun. Er hatte sich ziemlich verschuldet für sein Comeback, aber auch wieder genug verdient, um die offenen Rechnungen zu begleichen und wieder schwarze Zahlen zu schreiben. „Ich habe das Ganze als einen sehr persönlichen Kredit gesehen,“ sagt er. Sein Vater Kent sorgt sich über die geringen finanziellen Möglichkeiten, die eine Olympiade bietet seinem Sohn bieten könnten. Schlopy selbst ist da weniger besorgt, aber weis, worauf es ankommt. „Jeder Leistungssportler hat eine kurze Karriere“, sagt er. „Wir werden nicht so gut ausgebildet wie ein Collage-Footballspieler in Amerika. Bei Ski-Rennen verdient man nicht das große Geld. Stellen Sie sich vor, sie sind Nummer drei in der Welt im Tennis oder Golf. Dann hätten sie finanziell ausgesorgt. Deshalb muss ich bei den olympischen Winterspielen der beste sein. Eigentlich war mein Ziel in die Spiele zu gehen mit einer realistischen Chance, mich in der Weltrangliste zu verbessern. Um eine Medaille zu gewinnen, musst du unter den ersten 15 in der Welt sein. Tatsache ist aber: Bei Olympia geht es nicht um vierte Plätze. Da geht es um Platz eins, zwei und drei... ehrlich gesagt: nur um Platz eins.“

Auch privat zur Ruhe gekommen
Schlopy traf seine Verlobte Lynch im olympischen Trainingscenter in San Diego. Sie war Universitätsmeisterin im 5000m-Lauf in Villanova und 1996 wurde sie vom People-Magazin zu einem der 50 schönsten Menschen der Welt gekürt.
Sie hat eine beruhigende Wirkung auf den doch eher verschlossenen und ehrgeizigen Schlopy.
„Sie will, dass ich gesund bleibe und an meinen Zielen festhalte. Es würde ihr aber nichts ausmachen, wenn ich irgendwo als Hausmeister oder Pförtner arbeiten würde. Wir haben die gleichen Interessen und verbringen einfach gern unsere Zeit miteinander.“
Und das machen sie an Orten wie Innsbruck, Venedig, Fidschi und Hawaii. „Irgendwann,“ sagt Schlopy, „möchte ich eine Familie haben, noch mal zur Schule gehen und keinesfalls irgendwo in der Nachtschicht arbeiten. Ich mache das, was mir Spaß macht und nicht den anderen. Ich möchte andere Leute mit meiner Geschichte inspirieren. Eine Menge Leute haben Dinge aus verschiedenen Gründen aufgegeben, bevor der Erfolg kam.
Über mich sollen die Leute sagen: “ Jeder dachte, er wäre am Ende, aber er kam wieder und hat es allen gezeigt.“