Erik Schlopy´s Karriere startete furios. Er erzählt gerne, dass er in seiner ersten Saison mit 13 Jahren ganze 26 von 28 Rennen gewann. In einem Rennen verlor er einen Ski und stürzte. Die zweite „Niederlage“, wie er es nennt, erfuhr er bei Olympischen Spielen für Junioren, wo er im ersten Rennen des Riesen-Slaloms zwar geschlagen wurde, aber das zweite und somit den Riesenslalom und Slalom-Titel gewann. In den folgenden Jahre wurde er allerdings eher berühmt für seine wechselhaften Leistungen.
Dabei ist Schlopy mit Talent gesegnet. Als zweifacher nationaler Meister mit 19 Jahren wurde er als angehender Star des U.S. Ski-Teams gehandelt. Dann aber brach er sich einen Rückenwirbel bei einem schrecklichen Unfall im Downhill-Training, kurz vor den Alpinen-Ski-Weltmeisterschaften 1993 in Morioka- Shizukuishi, Japan. Aber Schlopy ist hart im Nehmen und kam wieder auf die Beine. Nach drei Jahren auf der Profi-Tour entschloß er sich, wieder als Amateur zu fahren, um an den olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City teilnehmen zu können.
Dieser Weg war gewiss nicht der leichteste, aber heute ist Schlopy froh, es so gemacht zu haben. Pünktlich zu den Winterspielen ist er in einer Topform und belegt in der Rangliste des Riesenslaloms Platz drei in der Welt. Mit 29 Jahren ist er heute ein ernstzunehmender Anwärter auf mindestens eine olympische Medaille.

`Tanzen bei Hochgeschwindigkeit´
Aber die wahre Geschichte Erik Schlopy´s handelt eigentlich nicht nur von einem Comeback oder einem Happyend. Sie handelt viel mehr davon, wie man durch Hingabe und harte Arbeit die Ziele, die man sich gesteckt hat nicht, nur erreicht, sondern auch übertrifft.
Für jemanden, der wie er in Buffalo, N.Y. aufgewachsen ist, stellt sich nicht die Frage, was man im Winter macht. Sportarten wie Basketball oder Eishockey haben ihn nie gereizt. Für ihn und seine Schwester ging es immer darum, welche Piste sie heute den heute zum Skifahren nehmen würden. Seine Eltern. Kent und Marnie waren beide Skilehrer. Als Erik drei Jahre alt war, steckten sie ihn in das Trainingsprogramm für Junioren in Kissing Bridge, N.Y.
„Die Rennen lagen mir von Anfang an“, erinnert er sich, „aber Freeskiing und die Sprünge machten mir am meisten Spaß.“ Er liebt immer noch das Freeskiing, „die Kunst des Tanzens bei Hochgeschwindigkeit“, wie er es nennt, obwohl die Sprünge dabei so etwas wie eine Archillesverse sind. Als Erik 12 war, zog seine Familie nach Stowe, Vt. Seine Schwester Keri besuchte die nahegelegene Burke Mountain Academy, während er der goldene Junge des Mt. Mansfield Skickubs wurde. „Stowe war ein ganzes Stück gewaltiger als Kissing Bridge“, sagt er.
„Ich wurde sehr gut trainiert von Mark Hutchinson und George Tormey, den Cheftrainern des Clubs. Hutch wusste, wie er mit mir umzugehen hatte. Er machte mich mental so stark, dass ich ohne Druck fahren konnte und die Wettbewerbe durch ihn richtig Spaß machten. In jener Saison gewann er mehr als zwei duzend Rennen, aber bereit kurz danach zeichnete sich eine Veränderung ab. In den folgenden Jahren brachten wechselhafte Leistungen, die Frustration darüber und einige Verletzungen, Schlopy´s Spurt an die Weltspitze ins Stocken. „Ich wusste, das ich gut sein konnte. Ich habe dieses Talent, schnell zu sein und ich hatte wirklich brillante Momente. Aber ich wollte, dass die Dinge sich noch schneller entwickelten, als sie es ohnehin schon taten. Für 10 Jahre war ich nur auf meine Resultate fixiert und nicht mehr auf meine Entwicklung. Jeder Weltklasse-Fahrer hat diese Gabe der Schnelligkeit, aber in dieser Hinsicht bin ich nur Mittelmaß. Mit einem angeknacksten Rücken und einem schlimmen Knie kann ich mir nicht mehr leisten, zu waghalsig zu fahren.“
Mit 14 folgte er seiner Schwester in die Burke Mountain Academy, die zu dieser Zeit die meisten Athleten des U.S. Ski Teams stellte. Er schloss sie 1990 mit einem Bänderriss im Knie ab und wurde nicht ins U.S.-Team berufen. Er beschränkte sich dann vorerst auf die Universität von Vermont, um sich von seiner Verletzung zu erholen. Er schaffte es dann wieder in das Rocky Mountain Division Team, wo seine Trainer Crawford Pierce und Georg Capaul ihn davon überzeugten, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren. Obwohl er bitter enttäuscht war, nachdem er es 1992 nicht in das olympische Team schaffte, arbeitete er sich wieder heran, indem er kleinere Rennen in Europa gewann, zwei Titel der US-Alpinen-Ski-Meisterschaften einheimste und schließlich in das B-Team der Amerikaner berufen wurde. In der folgenden Saison schaffte er früh gute Resultate im Super G und schaffte mit 20 den Aufstieg das A Team. „Das half mir nicht wirklich weiter“, sagt Schlopy. „Ich hatte früh zu viel Erfolg und nahm gleich mehrere Stufen auf einmal. In jedem Rennen, bei dem ich startete, plante ich den Sieg - auch wenn ich noch nicht einen Weltcup-Punkt auf meinem Konto hatte.“

Der schwere Sturz in Japan und die Folgen
Dann passierte der folgenschwere Downhill-Unfall im Training 1993 in Japan, bei dem er sich zwei Rückenwirbel verletzte, sein Brustbein brach und ein Loch in die Zunge biss. Dabei war es nicht das erste Mal, dass U.S.-Team-Trainern vorgeworfen wurde, junge Läufer zu schnell zu pushen. Derselbe Trainingslauf endete für die beiden Teamkollegen Paul Casey und Chad Fleischer ebenfalls im Krankenhaus. In Schlopy´s Fall war ein ungewollter Sprung die Ursache für den Unfall. „Ich allein bin schuld daran, dass ich abgehoben bin“, räumt er ein. „Ich hatte keine Erfahrung im Downhill und nur wenig Sprungtraining. Ich wollte es einfach mal ausprobieren.“ Heute wünscht er sich, ein Trainer hätte ihn davon abgehalten. „Ein gutes Training zeichnet sich durch gute Planung aus. Athleten müssen langsam an ihre Bestform herangebracht werden. Ich sehe immer noch Fahrer in Situationen, in denen sie nicht sein sollten.“
Dennis Agee, der Direktor des U.S. Alpin-Ski-Programms zu jener Zeit, schaudert es heute noch, wenn er an Schlopy´s Sturz in Morioka denkt. „Wir haben uns alle zu Tode erschreckt“, sagt er. „Ich habe 2 Nächte lang auf einer Strohmatte neben Eriks Krankenbett geschlafen. Wir mussten ihn ruhig liegend zurück nach San Francisco fliegen, weil sich keiner unserer Ärzte sicher war, was genau in seinem Rücken kaputt war.“
Dabei sträubt er sich allerdings, eventuelle Fehler seines Trainerstabes zuzugeben. „Es ging eben daneben“, sagt Agee. „Es ist nun mal so, dass er kein guter Springer ist. Seine Eltern beschwerten sich darüber, dass wir Schuld an seinem Übermut wären und ihm den Kopf verdreht hätten. Aber wir haben es hier mit einem Weltklasse-Fahrer zu tun, der mit knapp 150,000 $ im Jahr gefördert wird. Da muss er mit solchen Sachen eigentlich fertig werden.“
In einer Rückenstütze verließ Schlopy das San Francisco Hospital. Aufgrund seiner exzellenten physischen Verfassung vor dem Unfall war er bereits nach 6 Monaten wieder auf der Piste.
Er erholte sich so schnell, dass er es bereits 1994 wieder ins olympische Team schaffte und auch 1995 bei den Weltmeisterschaften in Sierra Nevada, Spanien für die USA an den Start gehen sollte. Allerdings wurden die Rennen aufgrund von Schneemangels abgesagt. Der letzte Vorhang für Schlopy´s Weltcup-Karriere schien gefallen.
„Ich war frustriert“, gesteht er, „und für eine Weile machte mir das Fahren keinen Spaß mehr. Also musste ich auch das U.S. Ski-Team verlassen.“