Das Panorama ist beeindruckend: Hochhäuser funkeln und glitzern, im Abendlicht, dahinter erhebt sich die gewaltige Bergkette der Uinta Mountains, einem Ausläufer der Rockies. Salt Lake City, Hauptstadt des US-Bundesstaates Utah und Gastgeber der Olympischen Winterspiele 2002, präsentiert sich sauber und aufgeräumt.

Vielleicht liegt es an den Mormonen:
Sie bestimmen bis heute das Bild der Stadt am großen Salzsee. Besucher stoßen Überall auf Zeugnisse der \"Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage\", wie die Religionsgemeinschaft offiziell heißt. So ist der zentrale Punkt der City der Tempel, der auf den ersten Blick an eine Mischung aus Zuckerbäckerstil und Disneyland erinnert. Zwar dürfen nur die Gläubigen das Bauwerk betreten, der von - einer fünf Meter hohen Mauer umgebene Tempelbezirk ist jedoch allgemein zugänglich. In parkähnlicher Umgebung befinden sich hier auf 2,5 Hektar religiöse Gebäude, Gedenksteine und Skulpturen. Führerinnen begleiten Gäste über das Gelände und erklären die Einrichtungen und den Glauben der Mormonen. Doch Besucher dürfen sich auch allein umschauen.

Der Tempel:
Interessant ist dieses Zentrum der Mormonen allemal. So kann es mit einer Gemäldegalerie aufwarten, die Motive der biblischen Geschichte zeigt. Im inneren des Gebäudes zieht eine weiße Jesus-Statue unter einem gewaltigen Firmament die Blicke auf sich. Wichtigster Bau des Temple Square ist natürlich der Tempel selbst. Auch die Mormonen haben nur sehr beschränkten Zugang zum Kultgebäude, an hohen Feiertagen beispielsweise oder zu Hochzeiten. Ein Vorurteil sei an dieser Stelle gleich ausgeräumt: Die anfangs von den Mormonen propagierte Vielehe ist in Utah seit 1890 verboten. Der Tempel besteht aus mächtigen Granitquadern, die zu drei Meter dicken Mauern verbaut wurden. Errichtet wurde das Gebäude von 1853 bis 1893. Sechs symetrisch angeordnete Türme überragen den wuchtigen Bau. Auf einem von ihnen sitzt Moroni - ein vier Meter hoher Engel aus Gold, der Trompete zu spielen scheint.

Der Religionsgründer:
Im Temple Square steht eine Bronzestatue von Religionsgründer Joseph Smith. Der Farmerssohn aus dem Staat New York erlebte von 1827 an verschiedene Offenbarungen und veröffentlichte diese 1830 in dem Buch Mormon. Die neue Lehre erfuhr schnell Zulauf durch Einwanderer aus Europa, die Zuflucht in den wiederbelebten Idealen und Ämtern der Urkirche suchten. Neben dem Glauben an diese Offenbarungen zeichnen sich die Mormonen durch eine Reihe sittenstrenger Ansichten aus: Alkohol ist verpönt, auch andere Genüsse wie Tabak, Kaffee und Tee sind nicht gerne gesehen. In den Hotels und Restaurants wird derlei weltlicher Genuss indes auch in Utah serviert.
Kirchengründer Smith wurde 1844 in einer Gefängniszelle im Osten der USA ermordet.

"This is the place:"
Drei Jahre später leitete sein Nachfolger Brigham Young die Glaubensgenossen aus der feindlichen Umwelt des Ostens durch menschenleeres Land und über rauhe Gebirge nach Westen. Halb tot erreichten sie nach viermonatiger Wanderung im Sommer 1847 den Rand des Großen Salzsees. Dort steckte Young seinen Stab in die trockene Erde und sagte: \" This is the place!\" Mit unglaublichem Fleiß und entschlossener Pionierarbeit machten die Mormonen das Land fruchtbar und brachten es zu Wohlstand. Der Fleiß der Mormonen spiegelt sich im offiziellen Emblem von Utah, dem Bienenkorb wider. So heißt der Staat auch\" The Beehive State\".

Weltgrößtes Stammbaum-Archiv:
Ein weitere Besonderheit des Mormonenglaubens, die postume Taufe von Verstorbenen, hat aus Salt Lake City ein internationales Zentrum für die Ahnenforschung werden lassen. Wer auf der Suche nach seinen Wurzeln ist, findet in der Family History Library die größte genealogische Sammlung der Welt. Stammbäume von mehr als sechs Millionen Familien sind dort untergebracht. Fachleuten und Laien ist die Einrichtung frei zugänglich, gleich welcher Religion sie angehören.

Die Berge schauen auf Salt Lake hinab:
Neben den religiösen Einrichtungen bietet die Innenstadt von Salt Lake City südlich des Temple Square zwei große Einkaufszentren. Unmittelbar nördlich des Visitor Information Centers befindet sich der gigantische Komplex des Salt Palace Convention Centers. Dort werden Klassik- oder Rockkonzerte veranstaltet, ein berühmtes Ballettensemble ist darin ebenfalls zu Hause. Daneben ist es ein bevorzugter Ort für Basketball-Spiele, Festivals und Messen. Doch gleich, wo der Besucher sich aufhält: Immer wieder fällt der Blick auf die gewaltigen Berge im Osten der Stadt. In dieser schroffen, schneesicheren Welt der Dreitausender wird schon bald um olympisches Gold gekämpft werden.