Ski2b: Es ist sehr ungewöhnlich, dass ein Niederländer sich in der Speedski-Szene tummelt. Wie hast Du den Weg hin zu dieser Sportart gefunden?
Merijn Vunderink: Reiner Zufall! Ich arbeitete gerade für einige Wochen als Skilehrer in Zell am See (das mache ich übrigens seit 4 Jahren so). Skifahren und Snowboarden waren quasi mein Lebensinhalt. Im Sommer traf ich dann diesen Typen (Harald van Mil) an der VU freien Universität von Amsterdam. Er hatte gerade einen Vortrag an der Fakultät für Sportwissenschaften gehalten. Sein Ziel war es, einerseits Holländer für das Speedskiing zu begeistern und zudem selbst im Gegenzug Tipps und Informationen zum Thema der Aerodynamic im Speedskiing zu erhalten. Wie der Zufall es wollte, war Haralds Bruder mein bester Freund auf dem Gymnasium gewesen. Ich lies mich überreden und wir verabredeten ein gemeinsames Trainingscamp in Salla Finnland für den nächsten Winter. Dort hatten wir in Kaleevi \"Haka\" Hakkinen, dem FIS Speedski Präsidenten, den besten Trainer. Er gab als ältester Speedski-Aktiver der Welt seine Erfahrungen an uns weiter. Ihm verdanke ich meine ganze Speedskier-Karriere.

Ski2b: Wo trainiert ihr?
Merijn: Zu Anfang der Saison trainieren wir immer in Salla Finnland (1-2 Wochen). Seit dem letzten Jahr werden wir von Les Arcs France (Olympia-und Weltrekordstrecke) gesponsort. Wir können dort kostenlos wohnen und trainieren. Les Arcs ist unsere Heimatbasis während der Europa-Tour. Im Sommer halten wir uns mit Gymnastik, Radfahren und einigen Abfahrten auf Rollerblades fit.

Ski2b: Wo liegt dein Rekord und was ist dein Ziel in dieser Saison?
Merijn: Mein derzeitiger Rekord liegt bei 199,225 km/h. Dies ist holländischer Rekord. Ich will diesen Rekord unbedingt in diesem Jahr brechen. In der vergangenen Saison konnten wir wegen schlechter Bedingungen in Les Arcs leider nicht von ganz oben starten. Natürlich will ich im Gesamt-Weltcup, der FIS und bei den PRO-Rennen gut abschneiden und meinem Verband zeigen, dass mit den Holländern zu rechnen ist. Der Holländische Ski-Verband ist eine echte Katastrophe - keinerlei Unterstützung. Die können Spitzsport überhaupt nicht einschätzen. Ein weiteres Ziel ist der Benelux-Rekord. Ein Belgier hält den mit 210-220 km/h.

Ski2b: Wie schätzt du die Lage in der Speedski-Szene momentan ein? Harry Egger (Weltrekordhalter mit 248 km/h) zeigte sich im Gespräch sehr enttäuscht von der Gesamtlage.
Merijn: Das ist eine delikate Sache, aber ich denke, dass wir nunmehr, was die Lösung der Probleme im Speedskiing anlangt, auf einem guten Weg sind. Ich bin mir nicht ganz sicher was Harry`s Enttäuschung nun genau ausmacht, aber ich glaube, dass er Speedskiing nur als Rekordsport sehen möchte (jedes Jahr ein neuer Weltrekord, egal wie). Auf langsameren Pisten ist Harry nicht zu sehen. Das ist für ihn nicht interessant. Ich glaube aber, dass der Sport diese Rennen braucht. Besser ein guter Wettkampf (mit Sicherheitsbestimmungen und immernoch recht hohem Speed) für viele Sportler, als ein Rekordsport für ein paar wenige Athleten. Das Speedskiing braucht keine Unfälle und wir sollten es so sicher wie möglich gestalten. Die FIS war wirklich zu konservativ mit dem Speedlimit von 200 km/h. Aber es gibt wieder einen Dialog zwischen der FIS und PRO (Französischer und Schweizer Ski-Verband). Wir brauchen uns gegenseitig, besonders die FIS, wenn wir eine Chance auf die Olympischen Spiele in Turin haben wollen!! Aber eines möchte ich klar sagen. Ich habe hohen Respekt und bewundere Harry Egger. Er ist ein echter Profi!

Ski2b: Gibt es weitere Speedski-Fahrer in den Niederlanden?
Merijn: Ja, Harald van Mil, Othmar Okx und Marten de Wilde.

Ski2b: Welche Nationen beteiligen sich zurzeit aktiv am Renngeschehen?
Merijn: Japan, USA, Australien, Schweden, Finnland, Frankreich, Schweiz, Italien, Tschechien, Kanada, Norwegen, Dänemark, Deutschland (fehlten in der letzten Saison), Österreich, Niederlande und Großbritannien.

Ski2b: Danke für das Interview und viel Erfolg in der kommenden Saison.
Merijn: Danke!