Ulrike Maier, die allseits beliebte und erfolgreiche österreichische Skifahrerin, starb bei einem schweren Unfall auf der Rennpiste in Garmisch 1994. Dies sollte die letzte Rennsaison ihrer Karriere sein, die sie noch einmal mit einem Weltmeistertitel krönen wollte. Doch ihre Pläne wurden jäh durchkreuzt. Sie wurde nur 26 Jahre alt. Skiinfo befasst sich auf vielfachen Leserwunsch in einem dreiteiligen Special noch einmal mit dem Leben und dem tragischen Tod dieser außergewöhnlichen Sportlerin.

Der dritte WM-Titel als Ziel:
Die Saison 93/94 war gut gelaufen für Ulli Maier. Ihre letzte Rennsaison wollte sie mit ihrem dritten WM-Titel krönen. Und ihre Chancen standen gut.
Aber: Ließ dieser unbedingte Siegeswille die Top-Athletin zu leichtsinnig werden?
Schon beim „Horror-Riesenslalom“ (österreichische Presse) im Dezember 1993 im schweizerischen Veysonnaz riskierte sie viel. Bei widrigsten Wetterverhältnissen (Schneefall, Eisbildung und strömender Regen machten die Piste spiegelglatt) stürzten über 50% der Fahrerinnen. Ulli wurde siebte und platzierte sich als einzige Österreicherin. Dass sie dies schaffte, spricht zwar für ihre Klasse als Läuferin. Doch das Risiko, das sie und andere Läuferinnen hier eingingen, war unzweifelhaft groß.

Der tragische Unfall:
Dann kommt der 29. Januar 1994. Damenabfahrt in Garmisch. Die Kandahar-Strecke ist eisglatt. Auf dieser Piste gab es schon etliche schwere Stürze in der Vergangenheit. Ulli Maier kommt mit 120 km/h angerauscht. In einer engen Kurve verkantet ihr rechter Ski, sie verliert das Gleichgewicht und stürzt. Mit hoher Geschwindigkeit prallt sie rücklings mit dem Nacken gegen einen Holzpfosten. Ausgerechnet in dieser engen Kurve steht der Pfosten mit dem Zeitnahmegerät.
Durch die Wucht des Aufpralls wird Ullis Helm vom Kopf gerissen. Ulli bleibt regungslos liegen. Sofort eilen Retter zur Hilfe. Ärzte stellen fest, dass ein Halswirbel gebrochen ist. Sie wird sofort mit einem Rettungshubschrauber in die Unfallklinik nach Murnau geflogen. Die Ärzte dort sind machtlos. Ulli Maier stirbt auf dem Operationstisch. Am 3. Februar wird sie in ihrem Wohnort Rauris in Österreich beerdigt.

Die Folgen der Tragödie:
Da die Zuschauer am Fernsehen live dabei waren, breiteten sich Entsetzen und Trauer nicht nur in Österreich schnell aus. Der kleine Skiort Rauris war noch tagelang geschockt.
Nach diesem erschütternden Ereignis kam schnell die Schuldfrage auf. Läuferinnen, die die Abfahrt ebenfalls gefahren waren, meinten, die Piste sei sehr eisig und somit gefährlich gewesen. Man hätte besser das Rennen abgebrochen. Die FIS stand am Pranger. Vorgeworfen wurden ihr mangelnde Sicherheitsvorkehrungen, die Startfreigabe trotz der riskanten Streckenverhältnisse und die Verlegung der Damenabfahrt auf die Herrenpiste in Garmisch.
Musste der Holzpfosten mit der Zeitmessung ausgerechnet hier in der engen Kurve stehen? Solche Fragen sind müßig. Denn niemand hatte mit einem derartigen Unfall an dieser Stelle gerechnet, weder Funktionäre noch Fahrerinnen. Nachher ist man eben immer schlauer. Später stellte sich allerdings heraus, dass die Absicherung des Pfostens mit einem Strohsack und einem Schneekeil in erster Linie dem Schutz der Messapparatur diente.

Gerüchteküche:
Aber es entstanden auch Gerüchte um Ulli Maier selbst. War es ein Fahrfehler? Ging sie ein zu hohes Risiko ein? Musste sie den dritten WM-Titel gewinnen (und damit 7 Millionen Schilling reicher werden), weil sie private Schulden hatte?
Alle diese Fragen sind inzwischen aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. Und vielleicht sollte man heute keine alten Wunden mehr aufreißen. Das würde Ulli Maier auch nicht wieder lebendig machen. Möge das Kapitel abgeschlossen sein und Ulli in Frieden ruhen.

Die Skiinfo-Redaktion dankt Daniela Wenty für die Mitarbeit an diesem Special!