Gewitter-Stimmung:
Am nächsten Tag standen die Zeichen erneut auf Sturm. Jedoch weniger "wetter-technisch", als vielmehr "konflikt-technisch" gesehen. Eine Absage des zweiten Durchgangs von Seiten der IFSA löste gewaltige Diskussionen aus und spaltete die Anwesenden in zwei Lager. Da war der Verantwortliche vor Ort, Michel Lambert, Direktor der Tourismuszentrale in Tignes und auf der anderen Seite die Institution IFSA. Der Streit um die Durchführung artete zur Grundsatzdiskussion aus: ist es überhaupt sinnvoll und verantwortbar, Wettkämpfe in derartig risikoreichen Sportarten wie dem Freeskiing zu veranstalten? Die Entscheidung der IFSA-Verantwortlichen stand fest und der eine oder andere Sportler machte sich frustriert und genervt auf, um wenigstens ein paar gute Fotos zu schießen oder sich fahrenderweise abzureagieren...

Championnats du Monde de Freeride - die Vierte:
Mit dem Freitag brach der letzte Tag, der Tag der Entscheidung an. Die Querelen des Vortages waren, wenn auch nicht vergessen, so doch zumindest verdrängt, und so machten sich die Sportler und Sportlerinnen auf zum Kampf um den Sieg. Bei strahlender Sonne beanspruchten die Mädels den Vormittag für sich. Megan Carney (zuvor Vierte) eroberte mit Leichtigkeit die Spitze, nur einen Punkt getrennt von der "Tignarde" Marianne Bréchu, die den zweiten Platz erlangte. Vor Anne Cattelin (FRA) und Karolina Johanson (SUE) qualifizierte sich die Österreicherin Conny Danzl für den vierten Platz. Shelly Benoit (Platz 1 in der ersten Qualifikation) konnte nicht begeistern, sie fiel auf Platz 9 zurück.

Adrenalinkicks der anderen Art...
Bei den Männern gab es noch einiges zu berichten: Chris Davenport kehrte dem Ganzen den Rücken und auch Seb Michaud machte sich auf den Weg zurück nach La Clusaz, in seine Heimatstadt. Doch auch der "Rest" hatte noch einiges zu bieten.
Schockmoment Nr.1:
Laurant Niol kam nicht auf Skiern am Fuß des Berges an, sondern ging in einer Lawine zu Tal. Er hatte jedoch riesiges Glück und blieb unverletzt.
Schockmoment Nr.2:
David Allemoz löste eine kleine Lawine aus, fuhr jedoch seelenruhig ins Ziel, ohne einen einzigen Kratzer.
Schockmoment Nr. 3:
Guerlin Chicherit, der Favorit, durchquerte eine "no fall"-Zone (extrem gefährliches, gesperrtes Gelände) und wurde disqualifiziert.

Ryan Oakden gewann die WM:
Ryan Oakden aus Kanada wiederfuhr nichts dergleichen. Er lieferte eine perfekte Vorstellung und wurde vor Kaj Zackrison (SWE) und Pierre-Yves Leblanc (CAN) Weltmeister im Freeskiing!

Ohne Anfang, ohne Ende?
Doch halt, das Finale? Nachdem der zweite Qualifikationslauf der Damen und Herren am Freitag, gegen 15 Uhr beendet war, zogen mal wieder Wolken auf und die Sicht verschlechterte sich rapide. Aus Sicherheitsgründen und da die Leistungen der Teilnehmer unter diesen Bedingungen um einiges schlechter gewesen wären als noch am Vormittag, entschloss man sich, das Finale ausfallen zu lassen. Der endgültige Sieger wurde schließlich aus den Ergebnissen der zwei Qualifikationsläufe ermittelt.

Nicht nur negative Resonanz:
Verlegte Vorqualifikation, verschobener Auftakt, kein Finale - die Weltmeisterschaft 2001 wird wohl in die Geschichte des Freeskiing eingehen. Kaum ein Teilnehmer wird dieses Jahr mit dem Wettkampf zufrieden gewesen sein. Doch die Resonanz ist nicht nur negativ, denn die Pleiten und Pannen haben eine heiße Diskussion über die Sicherheit dieser Sportart ausgelöst, was angesichts der vielen Lawinen-Opfer und Ski-Unfälle jedes Jahr dringend nötig ist.