Ski2b: Wie ist es am vergangenen Wochenende für Sie in Todtnau bei den 1. Schwarzwaldmeisterschaften und dem FIS Carvingcup-Rennen gelaufen?
Retzer: Bei den Schwarzwaldmeisterschaften wurde ich dritter, mit diesem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Am nächsten Tag wurde die Besetzung noch hochkarätiger und internationaler. Ich bin ganz zufrieden mit meinem sechsten Platz, hätte aber noch besser abschneiden können, wenn mir nicht zwei Boien vor dem Ziel ein Fehler unterlaufen wäre.

Ski2b: In Todtnau wurden erstmalig Rennen im Carveduell-Modus durchgeführt. Welche Erfahrungen haben Sie mit dieser Wettkampfform gemacht?
Retzer: Ganz gute. Es ist allerdings ein bisschen ungewohnt, weil man sich zu sehr auf den Gegner konzentriert, der neben einem her fährt. Aber ich glaube schon, dass es für die Zuschauer interessanter ist, im direkten Vergleich sofort zu sehen, wer gewinnt.

Ski2b: Trägt ein eigener Wettkampfmodus wie das Carveduell zur Professionalisierung des Carving bei?
Retzer: Das glaube ich schon. Es müssen allerdings die Sponsoren mitspielen. Die Wettkämpfe werden dadurch teurer, man braucht zum Beispiel zwei Startrampen statt einer, und insgesamt mehr Leute, die das organisieren. Im Gegensatz zu einer Nation wie Italien hat Carving als Wettkampfsport in Deutschland noch nicht so eine große Resonanz bei den Zuschauern und in den Medien. Der DSV stuft das Carving eher als Breitensport ein.

Ski2b: In der Gesamtwertung des Carvingcup stehen Sie momentan als bester Deutscher an 15ter Stelle. Was haben Sie sich noch für das letzte Rennen in Grindelwald vorgenommen?
Retzer: Die Gesamtwertung ist nicht so interessant für mich. Für mich zählt jedes einzelne Rennen, an dem ich teilnehme. Ich weiss auch noch gar nicht, ob es die Zeit und die Familie erlauben, am 31. März in Grindelwald anzutreten.

Ski2b: Ist die Saison damit für Sie beendet?
Retzer: Das ist schon möglich. Auch bei dem DSV-Salomon-Rennen im Stubaital, das auf den 4. Mai verlegt worden ist, werde ich vielleicht nicht mehr dabei sein.

Ski2b: Sind sie zufrieden mit dieser Saison?
Retzer: Im großen und ganzen ja. Ich bin in vier DSV-Salomon-Cups gefahren und habe alle gewonnen. In den FIS-Carvingcuprennen habe ich an vier von insgesamt acht Rennen teilgenommen und bin immer bis auf den sechsten, fünften oder vierten Platz vorgefahren.

Ski2b: Was haben Sie sich für die Zukunft vorgenommen?
Retzer: Ich hätte schon Lust, näher an die Weltspitze heranzufahren, dazu müsste ich allerdings viel intensiver trainieren, aber das ist eine Zeit- und Geldfrage. Es ist ein teures Hobby, da das Preisgeld noch relativ gering ist. In diesem Zusammenhang möchte ich dem Atomic Ski Team danken, das mich sehr gut ausgerüstet und unterstützt hat.

Ski2b: Vielen Dank und viel Erolg für die Zukunft!

Zur Person:
Geboren am 25.8.66, stand Franz Retzer mit sechs Jahren zum ersten Mal auf Skiern. Nachdem er als Deutscher Schülermeister seinen ersten kleinen Erfolg feierte, wurde der gebürtige Raublinger mit 15 in den Nachwuchskader des Bayrischen Skiverbandes berufen, wurde 3 mal Deutscher Jugendmeister im CSV, wurde anschließend Mitglied der Europacup-Mannschaft, wo er 2 Europacup-Rennen gewann. Als Mitglied des deutschen Weltcup-Teams nahm Franz Retzer 1991 an einem WM-Riesenslalom in Saabach-Hinterglemm teil, schied aber leider aus.

Nachdem er 1993 den aktiven Skisport aufgab, kam er durch Zufall über Freunde zum Carving. 1998 bestritt er sein erstes Carving-Rennen in der Fisher Revolution Trophy. Er gewann drei Rennen dieser Carving-Wettkampfserie, darunter das Finale in Schladming. Im Januar 1999 stürzte er und verletzte sich an der Schulter. Seit dieser Wintersaison 2000/2001 fährt der 34-jährige im Atomic Team.