Vier Jahre nach seinem ersten großen Triumph ist die Karriere des Florian Eckert vorbei. Mit 26 Jahren gab der Sportsoldat seinen Rücktritt bekannt. Nach einer unzureichenden Vorbereitung auf den Winter 2005/2006 traf der Tölzer diese Entscheidung: "Da ich mich ein weiteres Mal nicht im geplanten Umfang auf die Saison vorbereiten konnte, habe ich beschlossen, meine aktive Karriere zu beenden. Ich wäre zwar gerne bei den Olympischen Spielen in Turin gestartet, aber ohne anständige Vorbereitung macht das keinen Sinn."

Lange Zeit Sympathie- und Hoffnungsträger
Er galt trotz seiner häufigen Verletzungssorgen immer als der Sympathie- und Hoffnungsträger im DSV. Seine ersten Erfolge kamen überraschend, trotzdem begann das Publikum schnell fest mit ihm zu rechnen. Der erst 22-jährige Florian Eckert galt damals als der neue 'Shootingstar' des Skizirkus. Und das gerade deshalb, weil er es eigentlich gar nicht sein wollte.

Klare Worte
Unkompliziert kam und kommt er daher. Manchmal sogar ein bisschen rüpelhaft, wenn er mal wieder mit klaren Worten seine Ansicht mitteilte, dass es ihm zum Beispiel 'scheißegal' sei, ob Hermann Maier nun ein 'Stoffel' ist oder nicht. Wenn die mehr oder minder medien- und sprachgewandten Athleten ihre Statements abgeben, fallen solch klare Worte eher selten. Deshalb begann der Fernsehzuschauer aufzuhorchen.

Presse-Härtetest mit Bravour bestanden
Doch seine ersten Erfolge waren nur zur Hälfte der Grund für seinen enormen Beliebtheitsgrad. Seit seiner Pressekonferenz am 7. Februar 2001, nachdem er quasi von Null auf Drei die Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft gewann, hatte er seinen Ruf weg. Es gab wohl keinen unter den Zuschauern, der nicht lachen musste, als Florian in knappen Worten seine Gefühlslage beschrieb: "Ich kam ins Ziel und habe nur gesehen: Eckert, Drei, Punkt - sehr geiles Gefühl", und den Journalisten seinen Lebenslauf in einem Ton diktierte, in dem man vielleicht mit Grundschülern reden würde. Weder Journalisten noch Zuschauer haben ihm das übel genommen. Im Gegenteil, stellte es doch eine angenehme Ausnahme zu den restlichen Athleten da. Da saß jemand, der mit der Presse und mit Interviews überhaupt keine Erfahrungen hatte und dennoch als Überlegener aus den Interviews hervorging.

Eine gesunde Mischung aus Gelassenheit und Ehrgeiz
Auf den ungewohnten Presserummel, der nach seinen zwei 2. Plätzen (Abfahrten von Kvitfjell/Norwegen) mit voller Wucht über ihn hereinbrach, reagierte der Sportsoldat erstaunlich gelassen: "Es gibt viele Anfragen was Management-Geschichten und so weiter angeht. Aber das muss man ja mal ein bisschen abschirmen... dann suche ich mir das raus, von dem ich denke, das es das Beste für mich ist."
Unter Druck setzten ließ er sich also nicht und wenn, dann packte ihn schon selbst der Ehrgeiz, seine Leistungen in manchen Disziplinen, wie dem Super-G, noch zu verbessern und "... vor allem auch in dieser Disziplin konstantere Leistungen zu bringen."

Schwere Verletzung setzt ihn außer Gefecht
Der Überflieger der WM in St. Anton wurde jedoch schon in der folgenden Saison jäh auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Im November 2001 zog er sich beim Riesenslalom-Training einen folgenschweren Trümmerbruch des rechten Schienbeinkopfes zu. Diese schwere Verletzung traf nicht nur ihn, sondern den gesamten alpinen Rennsport in Deutschland schwer. Es begann für Eckert eine zweijährige Leidenszeit, doch der Tölzer arbeitete immer wieder hart an seinem Comeback und ließ sich auch durch Rückschläge nicht aus der Bahn werfen.

Das Comeback
Der Lohn für die Schinderei war dann das Comeback im Winter 2003/2004, als er endlich wieder auf Skiern stehen konnte und im Weltcup mitfahren durfte. Kurz vor Weihnachten 2003 feierte Eckert dann in Gröden seine Rückkehr. Zwar belegte er den letzten Platz, doch es zählte das Ankommen. Diese Saison stand ganz im Zeichen der Gewöhnung an die Geschwindigkeit und die DSV-Verantwortlichen erwarteten keine Wunderdinge von Eckert.

Kampf um Anschluss im Weltcup
In der Saison 2004/2005 griff Eckert dann wieder etwas mehr an im Weltcup. Beim Super-G Ende November 2004 in Lake Louise ließ er auch gleich aufhorchen. Den neunten Platz dort feierte er zurecht wie einen Sieg. Dies gab Eckert Selbstvertrauen und gerade im Super-G fuhr der Tölzer noch einige Male in die Top 20. Probleme hatte er jedoch teilweise in der Abfahrt, in der er nicht so weit vorne landen konnte.

Goldmedaille im Teamevent
Einen weiteren Höhepunkt erlebte Eckert dann bei der WM in Bormio. Vier Jahre nach seiner Bronzemedaille in St. Anton fuhr er zunächst im Super-G auf den sechsten Rang, nachdem er das Rennen lange anführte. Dann half er, die Goldmedaille im Teamevent zu gewinnen und krönte so sein Comeback, das mit dem Rücktritt 2005 nur von kurzer Dauer war.

Steckbrief:
Geboren: 07.02.1979
Nation: Deutschland
Heimatverein: SC Lenggries
Größe: 185cm
Gewicht: 85kg
Hobbies: Essen, Schlafen
Web: www.florian-eckert.de

Erfolge:
Es folgt ein kurzer Blick in den Karrierespiegel des Deutschen. Die einzelnen Disziplinen sind wie folgt abgekürzt: DH=Abfahrt, SG=Super-G, GS=Riesenslalom, SL=Slalom, K=Kombination

Olympische Spiele:
noch keine Teilnahme

Weltmeisterschaft:
2005 in Bormio (ITA): SG (6), DH (12), Team (1)
2001 in St. Anton (AUT): SG (17), DH (3), GS (DNF)

Weltcup:
11. Platz Weltcup-Disziplinen-Wertung im Abfahrt 2001
Zwei zweite Plätze