Die Worte „Entspannung“ oder „Stillsitzen“ kennt er vermutlich gar nicht. Oder sie rufen Übelkeit bei ihm hervor. Chris Davenport hat sich mit Haut und Knochen dem Sport verschrieben und lebt die Einstellung „Schlafen kann ich, wenn ich tot bin“. Wer ihn jedoch „nur“ als professionellen Freeskier kennt, der muss sich im Folgenden eines Besseren belehren lassen ...

Mit Wettkämpfen aufgewachsen:
Den Grundstein für seine Begeisterung und für alles, was mit Sport und Spaß zu tun hat, legten seine Eltern. Sie sind begeisterte Skifahrer, nahmen damals an Ski-Rennen teil und stellten den erst 2-jährigen Chris ,frei nach dem Motto, „Früh übt sich“ auf Mini-Skier. Mit 7 Jahren stieg er ins „Wettkampf-Geschäft“ ein. Zunächst aber nur in den Speed-Disziplinen. Mit seinen Eltern ging er auch oft wandern und klettern. Vor allem das Freeclimbing hatte es ihm angetan. Er nahm an Wettkämpfen teil, bis er durch die Muskeln, die er zum Skifahren brauchte, für´s Klettern zu schwer wurde. Er entschied sich zugunsten des Skifahrens, denn auch wenn er stets jeden Sport ausprobieren will, ist das Freeskiing doch sein Beruf, oder besser, seine Berufung.

Er meistert jede seiner selbstgestellten Herausforderungen:
„Ich bin ein Athlet, der Herausforderungen braucht, um motiviert zu sein“, stellt er fest und sucht sie in allen Bereichen. Größte Herausforderung sind für ihn Wettkämpfe. Er gewann 1996 das „World Extreme Skiing“ in Alaska, einen internationalen Ski und Snowboard Wettbewerb in Neuseeland und wurde mit seinem Partner Zweiter bei den „24 Hours of Aspen“. Zwei Jahre darauf gewann er das 24-Stunden Dauerfahren mit seinem Teamkollegen Tyler Williams. Das war mit Sicherheit eine besondere Freude für ihn, da Aspen eine Art Heimat für ihn ist. Im gleichen Jahr holte er die Bronzemedaille bei den X Games, der Cross-Culture-Olympiade. Auch das Jahr 2000 hielt einige Siege für ihn bereit: Ein zweiter Platz in den „Canadian Freeskiing Championships“ in Blackcomb, Platz 2 in den “NBC Gravity Games Big Mountain“ und ein 3. Platz bei den “North American Freeskiing Championships”.
Gold nahm er beim “Red Bull Snowthrill of Alaska”, einem der schwierigsten Wettbewerbe dieser Art, mit nach Hause und wurde zudem IFSA Freeskiing-Weltmeister 2000.

”Skiing is a soul sport“
“Ich hatte eine wirklich gute Saison. Ich denke, dass ich im Moment so gut Ski fahre wie noch nie. Ich liebe Freeskiing und ich habe das Glück, aus was für einem Grund auch immer, mit der Fähigkeit gesegnet zu sein, es besser als die meisten anderen zu können. Es kommt von innen. Skiing is a soul sport.“

Absoluter Perfektionist
Es scheint nicht nur mit Glück zu tun zu haben, denn wenn Chris sich auf den Hang begibt überlässt er nichts dem Zufall. Nachdem er die Strecke erst einmal genau unter die Lupe genommen hat (was bis zu einer halben Stunde dauern kann), gewinnt er Überblick indem er den Hang aus der Richterperspektive betrachtet. „Die Punkte-Richter bewerten die Athleten nach fünf Kriterien: Schwierigkeitsgrad der gewählten Linie, Risikobereitschaft/ Aggressivität, Bewegungsharmonie, Beherrschung der Strecke und Technik. Ich versuche also in erster Linie, den schwierigsten Kurs zu finden...“ Damit ist es noch lange nicht getan: in den folgenden Probeabfahrten versucht er genau diesen Kriterien maximal zu entsprechen. Zudem prägt er sich jedes kleinste Detail genauestens ein und überlegt sich zudem, was wohl seine Konkurrenten aus dem Hang herausholen werden. „Zu dem Zeitpunkt, wenn ich am Start stehe, kann ich meine Augen schließen und sehe mich eine perfekte Linie fahren, jeden Sprung meistern und gewinnen.“

Die Todesgefahr fährt mit
Als echter „Mountaineer“ und Freeclimber liebt er es, unberührte Natur zu entdecken und sportlich zu erschließen. Touren in Alaska, Argentinien oder auf dem Himalaja bilden einen interessanten Kontrast zu den zahllosen Wettkämpfen, die er in der Saison bestreitet. Doch die Abenteuerlust hat auch ihre Schattenseiten. Bei einer der vielen Expeditionen in die ganze Welt, die Chris Davenport unternimmt, wenn er die Zeit dafür findet geschah, was einem Freeskier täglich droht: sein Freund verunglückte tödlich. Chris Davenport geht das Risiko Tag für Tag auf´s neue ein, denn er lebt dafür. „Jeden Tag träume ich von einem neuen Aufstieg, einer neuen Skiabfahrt oder einem anderen Ski-Stunt. Mit einem bisschen an Motivation und einer Menge harter Arbeit bin ich sicher, dass ich sie alle schaffen werde.“