Sie ist ein absolutes Energiebündel und muss es auch sein. Andere tragen stets die neuste Mode, sie trägt am liebsten mal wieder einen neuen Gips. „Ich hatte 11 Verletzungen. Gebrochene Beine, Arme, Schultern, Hüfte, Ellenbogen, Knie, eigentlich alles. Nenn mir was, mir ist es passiert.“ Ein Grund kürzer zu treten ist das für Megan Brown aus Park City noch lange nicht, denn das Skifahren (in jeglicher Form!) bestimmte schon immer ihr Leben.

Die klassische Skikarriere - zunächst:
In einem Alter in dem andere Kinder mit dem Laufen noch Probleme haben, wurde sie von ihren Eltern schon auf Skier gestellt. Das schien ihr und ihren Gummibeinchen ziemlich zu gefallen und so wundert es auch niemanden, dass sie mit sechs Jahren statt eines Ponys eine Olympiamedaille anstrebte. Davon war sie zwar noch meilenweit entfernt, aber nicht abzubringen. Ihrem Vorsatz treu, besuchte sie die „Ski Academy“ in Stratton Mountain und rutschte direkt ins USSA Ski Team. Mit dem Eintritt ins C-Team kam die damals 18-jährige ihrem Olympiatraum schon ein gutes Stück näher. Mit 19 nahm sie eigentlich an allen Wettkämpfen teil, ihre Spezialitäten waren jedoch die technischen Disziplinen: Super G und Slalom.

Megan, die Bruchpilotin:
Ein entscheidender Einschnitt war die Saison 1992/ 1993. Bei einem Europacup-Super G in Österreich stürzte sie schwer und zog sich einen komplizierten Bruch des rechten Beins zu. Die folgende einsame Zeit im Klagenfurter Krankenhaus gab der 19-jährigen viel Zeit zum Nachdenken. Einsam vor allem deswegen, weil sich nicht ein einziges Mitglied ihres Teams nach ihr erkundigte. Die Dickköpfigkeit, auf eigene Faust nach Hause zurück zu kehren, bereute sie in der kommenden Zeit wohl noch heftig. Ein erneuter Sturz tat ihrem Bein nicht gerade gut: „Als ich zu mir kam, war mein eines Bein um 90 Grad verdreht.... Es war so schmerzhaft, als hätte ich mir mein Bein noch mal komplett gebrochen.... Es war mein eigener Fehler. Ich war jung und dumm ...“

Naturtalent?
Trotz allem kehrte sie für ein weiteres Jahr ins US Team zurück, erreichte jedoch nie mehr ihre alte Form. Mit 21 begann sie an der Vermont University Community Development und Applied Economics zu studieren, gewann nebenbei zwei „All-American-Awards“ und zog 1996 aus ihrer Heimatstadt Rutland (Vermont) nach Park City in Utah.
Dort, in einer der Hochburgen des Wintersports, dauerte es nicht lange, bis auch sie in die „Sucht“ abrutschte. Die Sucht nach dem „höher, schneller und weiter“, fliegenderweise auf Skiern. Freeskiing wurde schnell zur neuen Leidenschaft, die den klassischen Alpin-Skilauf ablöste, dass allerdings nach leichten Anfangsschwierigkeiten. „Ich wusste kaum was Skicross ist. Ich war sozusagen blind.“ „Blind“ nahm die zweifache NCAA (National Collegiate Athletic Association) All-American-Gewinnerin am „Mammoth Skiercross Shootout“ teil. Sie wurde auf Anhieb Zweite und fand Gefallen an dem Sport. Den Sommer über stählte sie sich um im Winter dann den „Squaw Ultracross 2000“ und kurz darauf den „Paul Mitchell X Qualifier“ zu gewinnen. Und sie strebte noch höheres an: keine geringeren als die „X Winter Games“ (die Olympiade der „Cross“-Kultur) wollte sie erobern.

Stehaufmännchen:
Prompt wurde sie (ziemlich schmerzhaft und wortwörtlich) auf den Boden der Tatsachen zurück geworfen. Die Diagnose diesmal: zerschmettertes Steißbein und ein gebrochenes Brustbein. Doch sie schien zu denken „Jetzt erst recht!“ und trainierte schon einen (!) Monat später wieder. Sie macht es einem leicht, an übernatürliche Heilungskräfte zu glauben, denn wo andere Skifahrer in Frührente gegangen wären, bewies sie allen, dass sie wieder voll hergestellt war. Sie gewann die „World Skiercross Championships 2000“ im April und belegte erst dieses Jahr im Herbst den 3. Platz bei den YOZ Games in Sölden (Österreich). Ihr großes Ziel hat sie nach wie vor: „Ich würde liebend gern die „X Games“ gewinnen. Es sind hohe Erwartungen, aber ich will es schaffen!“ Wer Megan Brown kennt, der wird auch keinerlei Zweifel daran haben, dass sie es ihr tatsächlich gelingt.
Dieses Jahr klappte es leider noch nicht, Aleisha Cline stand auf dem ersehnten Podiumsplatz. Doch immerhin Platz 4 lässt das Beste für die nächste Saison hoffen.

Lokale TV-Berühmtheit und Push-Faktor der Ski-Industrie:
Brownie, wie sie von ihren Freunden genannt wird, ist mit 28 den Meisten weit voraus, was Lebens- und Leidenserfahrung angeht. Nebenbei erwähnt, kurbelt sie die Skiindustrie im Bereich Cross-Culture ordentlich an. Zehn Sponsoren an jedem Finger und ein eigenes Morgenmagazin im Park City TV bilden ein dickes Polster, dass so manches erleichtert. Ihre Mom wird allerdings erst aufatmen, wenn sie sich endgültig dem Innendienst widmet und in ihren Heimatort zurückkehrt. Doch allzu bald wird das nicht geschehen, „Schaut euch Patti Sherman-Kauf oder Noel Lyons an - ich kann noch locker zehn Jahre Skiercross fahren, obwohl meine Mutter dann ausrasten würde ...“ Also wird sich ein ganzes Heer von Schutzengeln auch in Zukunft nicht über Arbeitsmangel beklagen können, wenn Megan sich mal wieder die Skier anschnallt ...