Es war nicht seine erste Medaille bei einer WM. Schon 1997 bei der Junioren-WM gewann Florian Eckert seine erste Bronze-Medaille im Slalom. Vier Jahre später gelingt ihm das nun auch bei den Senioren. Völlig überraschend raste er bei der WM-Abfahrt von St. Anton mit Startnummer 25 auf den dritten Rang vor, ließ die bis dahin führenden Hannes Trinkl und Hermann Maier noch mal gehörig zittern, als er mit Zwischenbestzeiten gestoppt wurde. Die konnten noch mal erleichtert aufatmen, als der für den SC Lenggries startende „nur“ mit der drittbesten Zeit ins Ziel kommt. Und für den „Flori“, wie ihn seine Fans und die Reporter schon mal liebevoll nennen, wird mit dieser Medaille ein kleines Märchen wahr.

Das Geburtstagskind beschenkt sich selbst:
„Eine Medaille ist für mich selbst die größte Überraschung.“ An seinem 22. Geburtstag macht er nicht nur sich selbst das größte Geschenk, sondern schenkt dem deutschen Herrenteam die erste WM-Medaille seit zwölf Jahren. Der erste Schritt zurück in die alpine Weltspitze scheint damit für das deutsche Männerteam getan, das bekanntlich in den letzten Jahren nicht gerade von Erfolgen verwöhnt wurde. Der Kommentar von Cheftrainer Martin Osswald fiel daher sehr euphorisch aus: „Florian, du bist ein Wahnsinniger, du machst uns Spaß".

(Noch) ein unbeschriebenes Blatt:
Für Eckert ist diese Saison die erste Weltcupsaison. Die Liste seiner Erfolge ist dementsprechend noch überschaubar. Bis zu seinem sensationellen WM-Auftritt auf der schwierigen „Karl Schranz Piste“ war Eckert den meisten Ski-Fans wahrscheinlich nur als der deutsche Alpinfahrer bekannt, der gleich bei seinem ersten Weltcup-Auftritt in Sölden den Start verpasste. Aufmerksamkeit aufgrund seines skifahrerischen Könnens erfuhr der leidenschaftliche Motorradfahrer erstmals bei den Abfahrten von Garmisch und Val d´Isere , wo er jeweils 18. wurde.

Ein Nobody stellt sich vor:
Nun, nach seinem unerwarteten dritten Rang in St. Anton, fragen sich alle, was für ein Typ das ist, dieser Florian Eckert, der völlig unbekümmert den dominierenden Österreichern das Fürchten lehrte. Und genauso unbekümmert stellt er sich der Öffentlichkeit und lässt uns wissen, wer er ist: „Ich bin in Lörrach geboren. Ich arbeite bei der Bundeswehr, ich bin Unteroffizier.“ In trockenem, oberlehrerhaftem Ton gibt er auf der Pressekonferenz nach seinem Triumph Auskunft über sich. Die Presse hat ihren Spaß an dem unkomplizierten Jungen mit dem Vollbart. Und wir werden wohl auch noch eine Menge Spaß mit dem sympathischen Bad Tölzer haben - auf und abseits der Piste.

Bescheiden bleiben:
Nach der überraschenden Medaille wird er schon als neuer Star gehandelt. Solchen Äußerungen widerspricht er nur lapidar: „Ein Star bin ich nicht. Ich bin heute die dritte Zeit gefahren, das ist alles“. Der „Bulle von Tölz“, wie Katja Seizinger den 1,85 m großen und 95 kg schweren Modellathleten getauft hat, muss sich seine Sporen im Weltcup erst noch verdienen. Noch hat er ein paar Lehrjahre vor sich.

Im Rahmen des Möglichen gefahren:
Trotz der großen Euphorie, die nun im deutschen Lager ausgebrochen ist, ein dauerhafter Aufenthalt in der Weltspitze erscheint noch (die Betonung liegt auf noch) unrealistisch. Beim WM-Riesenslalom sind die Relationen dann auch wieder zurechtgerückt worden. Als 23. des ersten Durchgangs und mit einem durchaus vertretbaren Rückstand von ungefähr zwei Sekunden auf die Führenden startete Eckert in den zweiten Durchgang. Ein verlorener Ski verhinderte eine Verbesserung seiner Position. Aber er hat im ersten Lauf die Perspektiven aufgezeigt. Vordere Plätze in Serie liegen im Bereich des Möglichen, das Potenzial ist vorhanden.