Auf einer umstrittenen Piste fand am Mittwoch der Slalom der Damen statt. „Umstritten“, da sich die „Sonnenwiese“ von Starterin zu Starterin mehr in eine Rutschbahn verwandelte. Wer unter den ersten zehn Läuferinnen war, konnte sich glücklich schätzen. Und so profitierte auch die Schwedin Anja Paerson von ihrer frühen Startnummer 3. Sie führte nach dem ersten Durchgang bereits mit einem Vorsprung von 0,18 Sekunden vor der Französin Christel Saioni. Auf dem Hang, für den nicht einmal der FIS-Direktor Kurt Hoch die endgültige Verantwortung übernehmen wollte, bot die erst 19-jährige einen gekonnten Lauf. Zur Pistenpräparierung befragt, stellte sie selbstbewusst fest: „Wenn man ein guter Skifahrer ist, sollte man in allen Situationen fahren können.“

Viel riskiert und Alles gewonnen:
Mit einer für die sonst eher gelassenen Schweden ungewöhnlichen Aggressivität meisterte sie die Strecke in der Zeit von 1:32,95 Minuten vor Christel Saioni aus Frankreich (1:33,56) und der Norwegerin Hedda Berntsen (1:33,99). Nach der für sie weniger erfolgreichen Saison 1999/ 00, ging sie im letzten November mit neuen Skiern und voller Optimismus an den Start: „Ich bin wirklich gut im Training gefahren. Wenn ich das nächste Mal in Führung liege, werde ich siegen!“

Feuertaufe mit 17 Jahren:
Die am 25.04.1981 in Schweden geborene Paerson hatte ihr Weltcup-Debut 1998 in Sölden und sammelte ihre ersten FIS-Punkte mit dem Erreichen des 13.Platzes im Riesenslalom. In ihrer noch jungen Karriere war die selbstbewusste Schwedin schon einige Male ganz vorne dabei. 1999 gewann sie unter schwierigen Wetterbedingungen den Slalom in Mammoth Mountain, 2000 wurde sie Zweite im Weltcup-Slalom von Sestrière und in ihrer bisher sehr erfolgreichen Saison 2001 sicherte sie sich ebenfalls den zweiten Platz im Riesenslalom von Sestrière. In der Weltcup-Gesamtwertung liegt sie bis dato auf Platz 10. Damit ist klar: die nächste Generation der Skistars ist bereit. Zusammen mit dem „Slalomwunder“ Janica Kostelic und dem ÖSV-Frischling Carina Raich gehört Anja Paerson zu den jüngsten Hoffnungsträgerinnen des Skizirkus, die die alten Hasen im Geschäft mittlerweile ganz schön ins Schwitzen bringen.

Die Stangen erzitterten:
Die „große Blonde“, die als ruhig und freundlich gilt, wurde in einer Stadt geboren, die in den 70er Jahren durch den Ausnahmeskifahrer Ingemar Stenmark bekannt wurde. „Ich versuche, mir bei jeder Begegnung mit ihm, zu merken, was er gesagt hat“, gesteht Anja Paerson. Ihre größte Freude war es dann auch, als ihr großes Idol ihr nach dem Slalom zum Weltmeistertitel gratulierte und gestand, dass er zu nervös gewesen sei, um ihren Lauf zu verfolgen. Mit der Nervosität war er nicht allein. Das bei der Siegerehrung vor Freude gerötete Gesicht der Schwedin hatte vor dem Start noch ganz anders ausgesehen. „Ich bin schon mehrere Male in der Führung gewesen und habe es dann doch nicht geschafft. Ich musste diese Chance wahrnehmen, denn ich wusste, ich würde sie nie wieder bekommen. Wenn ich sie vertan hätte, hätte ich mich für den Rest meines Lebens dafür gehasst!“ Von diesen Gedanken angespornt ließ sie den Schnee aufspritzen und die Slalomstangen erzittern auf dem Weg zum verdienten Weltmeisterschaftstitel.