Trotz all seiner Siege und seines unbestrittenen Könnens, Maier ist die Reizfigur im Weltcup. Ihm hängt der Ruf des zu schnell aus dem Nichts aufgestiegenen nach, der die Relationen und die Realität aus dem Auge verloren hat. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn, dazwischen scheint nichts möglich im Umgang mit dem Exzentriker, der auch schon mal als Außerirdischer bezeichnet wird. Nicht immer ganz zutreffend, denn auch der Herminator hat seine irdischen Schwächen.

Ein Herminator kennt keine Konkurrenz:
"Ich bin doch fast immer Erster. Da kann man doch nicht von Konkurrenz sprechen. Schauen sie sich die Ergebnisse an." Die Krone des besten Skifahrers hat sich Skikönig Maier längst selbst verliehen, die für den beliebtesten Gesellen zwischen Starthäuschen und Zielstrich wird er wohl mit solchen Kommentaren nicht mehr gewinnen können. Sein Faible für Alleingänge und Sticheleien in Richtung Konkurrenz dürfte selbst dem größten Ski-Muffel nicht verborgen geblieben sein. Damit schafft er es regelmäßig vom Sportteil auf die vorderen Seiten der Boulevardpresse. Jüngstes Beispiel ist die Diskussion um sein Grinsen, nachdem Daron Rahlves Stephan Eberharter, nicht unbedingt als Maier-Freund bekannt, die Goldmedaille wegschnappte. War das nun Schadenfreude oder seine Art mit der eigenen Niederlage umzugehen?

Eskapaden abseits der Piste:
Noch nicht aus dem öffentlichen Gedächtnis verbannt ist seine Saufeskapade zum Weltcupfinale der letzten Saison in Bormio. Der Rotwein „Inferno“ hatte es ihm besonders angetan. Von Randalieren, Demolieren und sexueller Belästigung war hinterher die Rede. Der Rest des Team war auch dabei, dafür interessierte sich niemand. Neben Maier verblassen alle anderen. Und das Enfant terrible des Ski-Zirkus sorgt auch weiter für Zündstoff.

Der Einzelgänger:
Berüchtigt sind seine Alleingänge abseits des österreichischen Teams. Da fliegt er schon mal mit dem Privatflugzeug von Weltcup zu Weltcup. Und auch vor der WM-Abfahrt hat sich Maier vom seinen Mannschaftskollegen abgeseilt und verbringt an geheimem Ort die letzten Stunden vor seinem Start bei der Abfahrt. Eigene Wege beschreitet der Superstar nicht zuletzt bei den Streckenbesichtigungen.

Maiers Unpünktlichkeit:
Seine Streckenbesichtigungen geraten manchmal spannender als die Rennen selbst. Bei letzteren hat er die Zeit im Griff. Da ist ihm der Sieg meist sicher. Da deklassiert er die Konkurrenz schon mal um mehr als eine Sekunde, eine Welt im alpinen Skisport. Bei der Besichtigung fehlen ihm dagegen oft die entscheidenden Sekunden. Mit akribischer Genauigkeit besichtigt er die Strecken, prägt sich jeden Richtungswechsel, jede Kante, jede Bodenwelle ein. Da vergisst man schon mal die Zeit, ob aus Schussligkeit oder Provokation, sei dahingestellt.

Disqualifikation:
Zumindest hat ihn das in Val d´Isere kurzfristig die Startberechtigung gekostet, nachdem er die Besichtigungszeit um 16 Sekunden überschritt. Die Sperre wurde später, nach heftigen Protesten seitens des österreichischen Verbandes, wieder aufgehoben. Die Fahrer reagierten mit Unverständnis auf die Sonderbehandlung Maiers. Seine Image im Fahrerlager kann er durch solche Aktionen sicher nicht aufpolieren.

Die Disqualifikation in Val d´Isere wäre nicht seine erste gewesen. An gleicher Stelle wurde er 1997 schon einmal aus den Ergebnislisten gelöscht. Mit Bestzeit im Ziel schnallte er seine Ski schon vor der berüchtigten „roten Linie“ ab und hielt sie werbewirksam in die Kameras.

Diese Saison gab es ein Happy End: Disqualifikation, Widerruf und Sieg in Val d´Isere. Sein Verhältnis zu den FIS-Offiziellen konnte die Rehabilitierung nicht verbessern. Insbesondere Hujara, der Chef-Organisator bei den Herren, sieht schon länger Bedarf den „Provokateur“ Maier in seine Schranken zu weisen.

Maier gezähmt?
Ein Provokateur ist Maier unbestritten. Er polarisiert durch sein Verhalten die Leute. Aber was wäre der Sport ohne solche Exzentriker? Vor seinem Auftritt bei der WM-Abfahrt gibt er sich nun moderat und scheint die Kampfansagen an seine Konkurrenten vergessen zu haben; versucht sich etwas von dem auferlegten Druck zu befreien. "Ich kann mit Niederlagen leben und habe gelernt, mit ihnen umzugehen." Ein gezähmter Maier? Hoffentlich nicht!

Hebt Maier ab?
In gewohnter Manier hatte sich Hermann Maier für seine drei WM-Rennen dreimal Gold vorgenommen. Seine Bilanz nimmt sich nach Maier’schen Maßstäben bescheiden aus: „nur“ Bronze im Super-G und Silber in der Abfahrt. Ob sich ein Hermann Maier auch darüber freuen kann?

Bislang ist er auch in St. Anton noch in keinem Rennen ohne Medaille nach Hause gegangen, und auch im Riesensalom am Freitag ist er der Top-Favorit. Wird auf Bronze und Silber dann Gold folgen?