Er kam, sah und siegte - eine kurze, aber zutreffende Beschreibung dessen, was heute als das Phänomen Hermann Maier gehandelt wird. Maier, der Außerirdische. Maier, der Herminator. Dabei musste der derzeit schnellste Skifahrer lange kämpfen, um überhaupt einen Startplatz in der höchsten Liga des Alpin-Zirkus zu ergattern. Am mangelnden Talent lag es nicht. Und auch die Voraussetzungen für eine glanzvolle Laufbahn schienen ideal.

Lebensmittelpunkt - Skisport:
Der heute 28-jährige ist in Flachau, mitten in einem der größten Skigebiete Europas aufgewachsen. Die Eltern haben eine eigene Skischule. Und bereits mit fünf Jahren stürzte sich der Hermann erstmals aus einem Starthäuschen. Der Skisport war von Beginn an Mittelpunkt seines Lebens: Skihauptschule, Skihandelsschule, Mitglied des Salzburger Schüler-Landeskader und regelmäßige Rennen - alles war auf eine große Ski-Karriere programmiert.

Der Rückschlag:
Bereits mit 15 Jahren schien alles vorbei zu sein: zu schmächtig, nicht kräftig genug und ein bisschen wacklig auf den Beinen. Das Urteil des Skiverbandes war vernichtend. Maier fliegt aus der Förderung des österreichischen Verbandes und wird Maurer; der Bau hat schließlich noch aus jedem schwachen Jüngelchen einen Mann gemacht. Im Winter fährt er weiter fleißig Ski, wird Skilehrer und überwindet seine körperlichen Schwächen. Von Wachstumsstörungen kann nicht mehr die Rede sein. Gestählt von der körperlichen Arbeit und dem Training mit Fitness-Guru Heini Bergmüller unternimmt Maier einen zweiten Versuch, startet von 1993 bis 1995 bei wohl jedem nationalen Rennen und gewinnt. Die Liste seiner Siege ist lang: Salzburger, Tiroler und Kärtner Landesmeister. Die Rennen und Siege sind sein Schrei nach Aufmerksamkeit in Richtung österreichischer Verband. Doch der stellt sich weiter taub. Sensationellere und spektakulärere Rennen mussten her.

Von ganz hinten an die Spitze:
Mit Startnummer 141 fuhr er 1995 bei den österreichischen Landesmeisterschaften auf den 18. Platz vor. Immerhin durfte er nun bei FIS Rennen starten. Vordere Plätze dort reichten aber nicht, um endgültig in den Weltcup aufzusteigen. Da durfte er 1996 aber schon mal als Vorläufer im Riesenslalom den Hang runter und deklassierte mit seiner inoffiziell gestoppten Zeit die halbe Weltelite -ein weiterer Schritt - sein Aufstieg in der Europacup-Rennserie, die er souverän gewinnt. Der finale Startschuss für eine unglaubliche Karriere.

Weltcup-Sieger, Weltmeister, Olympiasieger und erster auf der Streif:
Seit dem hat er alles gewonnen, was es im alpinen Skisport zu gewinnen gibt. In der Saison 1996/97 gewinnt er seinen ersten Weltcup, den Super-G in Garmisch. Es sollte bekanntlich nicht sein letzter bleiben. Es folgt die Saison 97/98, die ihn zum "Herminator" macht. In der olympischen Abfahrt von Nagano stürzt er, fliegt über den Fangzaun und landet 50 m weiter im Tiefschnee. Das Aus aller Gold-Träume? Nicht für Maier. Der steht unverletzt wieder auf und gewinnt olympisches Gold im Super-G und Riesenslalom. Der Mythos vom "Herminator" war geboren.

Der Bulle am Start:
Weniger spektakulär geht es seitdem auch nicht mehr, wenn der beste Skifahrer der Neuzeit im Starthäuschen steht, wuchtig die Stöcke in den Schnee stemmt und mit kämpferischer Miene den Berg und die Konkurrenz bezwingen will. Mit diesem Kampfes- und Siegeswillen ist er 98/99 Weltmeister im Super-G und in der Abfahrt geworden. Ein Jahr später gewinnt er den Gesamtweltcup unangefochten mit neuem Punkterekord.

Die Krönung:
Doch all die Siege sind nichts wert, wenn man nicht einmal die Streif gewonnen hat - die Krönung für jeden Skifahrer. Diese Saison hat sich der Herminator nun selbst die Krone aufgesetzt und sich mit dem Sieg auf der Streif-Abfahrt in den Adelsstand der alpinen Gesellschaft erhoben.

Zum Sieg verdammt:
Trotz aller Erfolge, das Siegen wird sein Lebenselixier bleiben. Motivationsprobleme kennt ein Maier wahrscheinlich nicht. Er ist immer der Favorit. Ganz Österreich erwartet den Sieg von seinem Herminator. Sollte dieser ausbleiben, rückt wohl wieder der Exzentriker, die Reizfigur Maier in den Mittelpunkt des Interesses. Sein fahrerisches Können ist dann zweitrangig.

Letzte große Herausforderung - ein Comeback:
Der tragische Motorradunfall hat Maier an den Rand des Karriereendes gebracht. Die Gefahr einer Beinamputation stand im Raum. Andere Sichtweisen traten in den Vordergrund. "Hauptsache, ich habe es überlebt", waren seine ersten Worte. Die Olympiade in den USA ist in weite, unerreichbare Ferne gerückt. Aber ein großes Comeback wird sich der Herminator, so irgend möglich, sicherlich nicht nehmen lassen.