Ski2b: Lasse Kjus hat bei der Abfahrt in Lake Louise eine Auszeit genommen; kommt auch zur Zeit noch nicht so zurecht, wie er den letzten Winter aufgehört hat. Woran liegt es?
Osswald: Seine Leistungsbereitschaft ist noch nicht 100% da. Lasse fehlen, sowie übrigens der ganzen norwegischen Mannschaft, einige Trainingstage in den Speeddisziplinen. Das ist ein Defizit, das wir jedoch bald aufgeholt haben werden. Seine Verletzung an der Patelarsehne hemmt ihn auch ein wenig. Zusätzlich muss man bedenken, dass sein enormer Erfolg im letzten Winter auch viele Anschlusstermine nach sich zog, was sicherlich den 100%igen Fokus ein wenig hemmt. Er stellt nun auch höhere Ansprüche und Erwartungen an sich, das erzeugt zusätzlichen Druck. Ich bin jedoch sicher, dass Lasse bald wieder voll da ist.

Ski2b: Kjetil Aamodt ist zur Zeit in einer guten Form, das ist für ihn in diese Zeit eher ungewöhnlich, wie schätzt Du ihn ein?
Osswald: Im Slalom ist Kjetil ein absoluter Sieglaufer, im Riesenslalom sind Hermann Maier und Michael von Gruenigen eine Klasse für sich. Jedoch auch hier sind Podiumsplätze absolut realistisch. In Abfahrt und Super-G bedarf es bei Kjetil noch einer Materialoptimierung.

Ski2b: Warum ist Hermann Maier zur Zeit so stark?
Osswald: Er ist ein Genie auf dem Ski, ist immer noch hungrig nach Erfolg und hat sich gegenüber dem letzten Winter enorm weiterentwickelt.

Ski2b: Inwiefern?
Osswald: Er fährt ökonomischer, taktisch noch klüger und immer noch mit einem enormen Einsatz und einer faszinierenden Entschlossenheit. Er ist berechtigt zur Zeit die Nummer eins.

Ski2b: Du warst und bist in Norwegen extrem erfolgreich, würde Dich ein Engagement in Deutschland reizen?
Osswald: Es wäre eine Herausforderung.

Ski2b: Dein Weihnachtswunsch?
Osswald: Schöpferische Pause einlegen zu können, um auszuspannen und Gedanken sortieren zu können.

Ski2b: Dankeschön.