Atomic ist der Branchenriese im Skisport. Stars wie Aksel Lund Svindal, Benni Raich oder Carlo Janka fahren auf den Brettern aus Altenmarkt von Erfolg zu Erfolg. Dank seines Teams steht Atomic auch 2009 wieder in der FIS Markenwertung ganz vorne. Der Doppeldecker-Ski machte als Neuentwicklung zu Saisonbeginn von sich reden. Atomic ist Innovationsträger. Und Atomic macht als Tochter der Amer Sports Gruppe aktuell Verluste. Drastische Umsatzeinbrüche zwingen auch die erfolgreiche Rennsportabteilung, neue Wege zu gehen. Wir baten Atomics Racing Director Rudi Huber, mit uns in die Zukunft zu blicken.

40 Prozent zuviel
Die Kostensituation zwang die Hersteller zuletzt zum Handeln. Der Verband der Ski-Produzenten SRS verlagerte Kosten bei den Sommer-Trainingslagern. "Generell sind wir der Meinung, dass die Kosten reduziert werden müssen", stellt Rudi Huber fest. "Wenn wir es schaffen, die Gesamtkosten ab 2010 um 35 bis 40 Prozent zu reduzieren, dann passt die Balance wieder zwischen Umsatz und finanziellem Aufwand im Rennsport." Die Balance ist also aus den Fugen geraten - wie nicht nur im Skirennsport.

Kein Eingriff in laufende Verträge
Die Vergleiche findet man quer durch die Sportwelt. Die Formel 1 droht, an ihren Sparplänen zu zubrechen, große Fußballclubs bangen um ihre wirtschaftliche Existenz. Die ersten Schritte bei Atomic sind bereits getan. Auslaufende Verträge, die meisten laufen noch über die kommende Saison, werden im Falle einer Verlängerung entsprechend reduziert oder nicht verlängert. Für die Sportler wird es damit schwerer werden. Aber eines gibt es bei Atomic nicht: "In bestehende Verträge greifen wir nicht ein", versichert Huber gegenüber ski2b.com.



Huber: Return on Invest im Fokus
Im August und September spart Atomic auch bereits. Die Firma trägt - wie alle anderen auch - in dieser Zeit nur noch die Lohnkosten der Serviceleute. Spesen für Überseetrainingslager und Kosten für Übergepäck werden umgelegt an Verbände und Athleten. Das Ziel ist klar: "Die Firmen brauchen einen besseren Return on Invest", so Huber. "Generell brauchen wir einen geringeren Aufwand im Weltcup für die Hersteller und eine bessere Vermarktung des Weltcups." Rennsport als reines Prestigeobjekt, das kann man sich in Altenmarkt und auch anderswo nicht leisten.

"Atomic bekennt sich klar zum Rennsport"
Dennoch: Der Weltcup ohne Atomic, auch das ist derzeit nicht denkbar. "Atomic bekennt sich klar zum Rennsport, jedoch auch nicht um jeden Preis!", präzisiert Rudi Huber. Er hat sein Idealbild von einer wirtschaftlichen Rennserie vor Augen - und das Abspeckpotenzial orientiert sich dabei durchaus an der Formel 1. "Kosten können", so Huber "dort reduziert werden, wo sie für den Konsumenten und Skiinteressierten nicht sichtbar sind. Effizienteres Training und Tests, generell weniger Rennen, weniger Disziplinen, dafür mehr Attraktivität."

Droht ein Imageverlust?
Weniger Tests? Weniger Rennen? Droht den Herstellern nicht ein Imageverlust für ihr aktuelles High-Tech-Produkt, wenn gespart würde? "Nein, wir glauben dass jeder versteht, dass man mit den Ressourcen sparsam umgehen muss. Weniger Geld auszugeben heißt nicht unbedingt, dass die Qualität eingeschränkt wird, sondern dass man noch effizienter arbeiten und vielleicht da und dort noch etwas kreativer werden muss. Wir sehen diese Phase als absolute Herausforderung", antwortet Huber.

Neue Zeiten für Athleten
Auf wessen Kosten geht diese neue Welt? Die Athleten könnten sich zu Verlierern dieses Prozesses entwickeln. Die Prognose von Rudi Huber fällt eindeutig aus "Teilweise bezahlen Weltcup- Athleten bereits jetzt für das Material", stellt er fest. "Generell wird es ab 2010 eine Reduktion aller Kosten geben müssen, davon wird keiner verschont bleiben, wobei hier sicherlich zu erwarten ist, dass die Kluft zwischen erster und zweiter Garde nochmals größer und das Level, ab wann ein Läufer Geld von der Skifirma bekommt, sehr hoch angesetzt sein wird. Nur noch die Top-Athleten werden in den Genuss eines Fixums und Bonusvertrages kommen."

Auf den Gletscher statt nach Südamerika
Vielleicht müssen sich die beliebten Skigebiete in Südamerika auch bald auf weniger professionelle Stammgäste einstellen. "Der Aufwand muss immer wieder dem Output gegenübergestellt werden", meint jedenfalls der Race Director. "Viele Teams haben ihren Trainingszyklus bereits umgestellt und nützen die guten Verhältnisse im Frühjahr auf den Gletschern, um Technikprogramme zu absolvieren. Sie können somit die teuere Zeit in Übersee reduzieren. Tests sind für uns enorm wichtig, jedoch gilt auch hier „Qualität vor Quantität“. Eine solche Entwicklung dürfte auch den kleineren Ski-Nationen entgegenkommen - schließlich konnten sich nicht alle Teams die Ausflüge zur Südhalbkugel überhaupt leisten.

Wohin geht die Vermarktung des Weltcups?
In der Formel 1 stieg herstellerseitig ein 'Großer' aus, andere kündigten bei weiteren Einschnitten in die Rennserie ihren Ausstieg an. Droht auch dem Ski-Weltcup eine Zerreißprobe? "Es gibt keine Alternative, wir sehen den FIS Weltcup derzeit als die einzige Plattform, wo wir unsere Rennsportprodukte präsentieren können", meint Huber und legt nach: "Leider haben wir seitens der Industrie zu wenig Mitsprachemöglichkeit, um Verbesserungen einzubringen. Es braucht hier dringend Reformen. Der Sport ist attraktiv, nur muss er wesentlich besser vermarktet werden." Die FIS darf sich damit zukünftig auf mehr Gegenwind einrichten. Wie konfliktfähig die Hersteller sind, haben sie in der Auseinandersetzung mit den nationalen Verbänden bereits bewiesen.

Plädoyer für die Jugend
Die Zukunft ist das Ziel der Bemühungen, natürlich auch bei Atomic. "Wichtig ist, dass wir die Jugend wieder für den Skisport begeistern können, hier ist dringend Handlungsbedarf", stellt Rudi Huber fest. "Das Produkt Skisport ist so attraktiv, dass es ihn auch noch in fünf Jahren geben wird, jedoch braucht es dringend Veränderungen, damit der Sport jung bleibt und nicht noch mehr an Interesse verliert." Wenn das gelingt, wird Atomic weiterhin die Stars ausrüsten. "Atomic und der Rennsport sind seit mehr als 30 Jahren eng mit einander verbunden. Wenn der Sport jene Plattform bietet, welche wir benötigen um unsere Produkte zu präsentieren und das entsprechende Image zu transportieren, werden wir sicher mit dabei sein", schließt Rudi Huber.