Heinz Pitzer ist als Rennsportleiter bei Völkl für die Betreuung Weltcup-Athleten zuständig. Wir sprachen mit ihm über die letzten Erfolge, die aktuelle Mannschaft und seine Erwartungen an den Winter 2007/2008.

Ski2b.com: Heinz, im letzten Winter gab es für Völkl einiges zu feiern - vor allem natürlich die Erfolge von Niki Hosp. Welchen Anteil am WM-Gold und dem Gewinn des Gesamt-Weltcups hatte das Material?
Heinz Pitzer: Das war natürlich ein Riesenerfolg für uns. Es ist im Skisport wie in anderen Sportarten auch - das Material hat eine große Bedeutung, ohne dass man diese genau beziffern könnte. Ich glaube, es ist uns gelungen, die Verbindung zwischen Athlet und Material besonders gut abzustimmen. Das einzelne Rennen gewinnt immer der Läufer - aber wir haben an diesen Erfolgen durchaus unseren Anteil.

Ski2b: Der Riesenslalom gilt als schwierigste Disziplin im Weltcup, hier war Völkl bei den Damen am erfolgreichsten. Mit Hosp, Tanja Poutiainen und Kathrin Hölzl waren gleich drei Damen unter den Top Fünf im Weltcup. Damit lag Völkl in der FIS-Markenwertung auf Rang eins. Hattest du vor dem Winter damit gerechnet?
Heinz: Ich denke, es wäre verwegen zu sagen, dass man mit so einem Erfolg rechnet. Man kann Verletzungen nicht ausschließen. Ich dachte aber schon, dass Nicole stark sein würde. Der Riesenslalom ist die schwierigste Disziplin, deshalb freut uns der Erfolg besonders - aber generell ist natürlich jeder Sieg genauso wertvoll, egal ob auch im Slalom, in der Abfahrt oder im Super G.

Ski2b: Im Speed-Bereich habt ihr ein starkes Team, das vielleicht noch besser abschneiden kann als im letzten Jahr. Wie siehst du es?
Heinz: Auf jeden Fall. Letzten Winter hatten wir hier etwas Pech. Bei der WM in Are sind wir gerade im Super G ganz knapp an den Medaillen vorbei geschrammt. Aber wir haben über die Saison hinweg konstant gute Platzierungen gehabt - ob das jetzt Kelly Vanderbeek, Maria Holaus, Dominique Gisin oder auch Britt Janyk waren. Daran sieht man: Das Material passt. Und in diesem Jahr kommt vielleicht auch das nötige Quentchen Glück dazu, damit es öfters aufs Stockerl geht.

Ski2b: Mit Alexandra Meissnitzer habt ihr eine ganz routinierte Fahrerin im Team - hilft das bei der Materialentwicklung?
Heinz: Absolut, Alexandra hat ja sehr viel Erfahrung und kann uns deshalb wertvolle Tipps geben, ob die Abstimmung weicher oder härter sein muss. Generell sind wir auf solche Rückmeldungen der Athleten bei der Entwicklung natürlich angewiesen.

Ski2b: Es gibt seitens des Ski-Weltverbandes FIS einige Änderungen im Reglement bezüglich des Materials. Was bedeutete das für Völkl bei der Entwicklung der Skier?
Heinz: Wir musste alle Ski neu bauen - es wurde ja die Minimumbreite der Ski verändert und die Standhöhe der Platte wurde um fünf Millimeter gesenkt. Das war schon schwierig, denn mit diesem Material muss man erst einmal das richtige Setup finden. Das ist uns aber gut gelungen, durch testen und ausprobieren. Damit haben wir bereits im letzten Jahr begonnen, zusammen mit den Läufern. Daher sind wir auf einem guten Weg.

Ski2b: Die Regelung soll die Gesundheit der Fahrer schonen, da der Schwung weniger aggressiv werden soll. Ist das so - oder wird in der Praxis mit einem aggressiveren Schuh doch wieder derselbe Radius gefahren?
Heinz: Ich glaube schon, dass es durch diese Umstellung etwas sicherer für die Fahrer geworden ist.

Ski2b: Vielleicht Ein Wort zu Tanja Poutiainen - zum Saisonende blühte sie regelrecht auf und konnte endlich auch wieder ein Rennen gewinnen. Kann sie wieder so stark werden wie 2005?
Heinz: Tanja ist im Riesenslalom absolut wieder soweit, Rennen zu gewinnen. Sie hat eine sehr gute Vorbereitung absolviert, auch im Trainerstab hat sich etwas verändert. Das wirkt sich für sie motivierend aus. Im Slalom ist sie wohl noch nicht bei 100 Prozent, wobei ich sie in Sölden beim Training schon einige sehr schnelle Schwünge habe fahren sehen.

Ski2b: Einige junge Völkl-Fahrerinnen haben im letzten Winter einen erstaunlichen Sprung nach vorne gemacht. Wem traust du dieses Jahr eine solche Leistungssteigerung zu?
Heinz: Das ist schwierig zu sagen. Aber von den jungen Norwegerinnen Lene und Nina Loeseth ist einiges zu erwarten - die haben das Zeug zu Top-Ten Plätzen im Slalom. Und dann abgesehen von den jungen Fahrerinnen: Alexandra Meissnitzer ist wieder richtig heiß auf den Winter.


Ski2b: Bei den Herren ist Völkl auf den Slalom fokussiert. Wie sind die Top-Fahrer Alois Vogl und Manfred Pranger durch die Vorbereitung gekommen? Wie siehst du das Herren-Team?
Heinz: Also, zu Vogl und Pranger kommen sicher noch Marc Gini und Cristian Deville - das sind vier gute Fahrer, die unter den ersten Zehn abschließen können. Dazu kommt Jimmy Cochran aus den USA. Beat Feuz hat sich ja leider verletzt. Manfred Pranger hat im Training schon sehr gute Schwünge gezeigt. Beim Alois Vogl bin ich auch gespannt. Im letzten Jahr war er fast immer bei den Schnellsten, hat aber häufig eingefädelt. In diesem Jahr ist er auch wieder nicht ganz frei von Schmerzen, im Kreuz und der Hüfte, aber sehr motiviert. Wir werden sehen!

Ski2b: Zum Auftakt am 27. Oktober steht der Riesenslalom in Sölden auf dem Programm - das perfekte Rennen für einen perfekten Einstand aus Sicht von Völkl?
Heinz: Das ist schwierig zu sagen. Der Hang ist sehr schwer, vielleicht einer der schwersten im Weltcup. Da ist alles möglich - aber ich erhoffe mir schon einen Stockerl-Platz bei den Damen.

Ski2b: Danke Heinz für das Interview - und viel Erfolg im kommenden Winter!