Julia Manhard ist die beste deutsche Skicrosserin. Beim Weltcup in Flaine belegte sie den siebten Platz. Ski2b sprach mit der amtierenden Junioren-Weltmeisterin über die Rennen und ihre weiteren Saisonziele.

Ski2b.com Beim Weltcup in Flaine bist du Siebte geworden. Wie sind die Rennen aus Deiner Sicht verlaufen?
Julia Manhard: Ich bin eigentlich ziemlich zufrieden. Das Ergebnis in der Qualifikation (8. Platz) war ganz gut, im Viertelfinale bin ich als Zweite weitergekommen. Das Halbfinale ist allerdings noch ausbaufähig, das habe ich wohl gleich im oberen Streckenabschnitt 'versaut' und bin dann nur noch hinterhergefahren. Im Kleinen Finale bin ich dann gestürzt. Ein siebter Platz ist ein guter Start in die neue Saison, mit dem ich mich nebenbei auch schon für die Junioren-WM und die „große“ WM qualifiziert habe.

Ski2b: Wie ist es denn zum Sturz im Kleinen Finale gekommen und hast du dir etwas getan?
Julia: Ich war bis zu dieser Stelle Zweite im Heat hinter Valentine Scuotto, Sasa Faric Dritte. Sasa hatte jedoch im unteren Streckenteil die schnellere Linie und dadurch die Möglichkeit, mich zu überholen. Dabei bin ich ihr hinten über die Ski gefahren, habe mich verdreht und bin über den letzten Sprung gestürzt. Ich bin ziemlich froh, dass nichts passiert ist. Das war eigentlich eine Situation, die man versucht zu vermeiden: Kurz vor einem Sprung einen Fehler zu machen und dann mit voller Geschwindigkeit darüber.

Ski2b Wie waren die Bedingungen in Flaine? Hat die Piste gehalten und wie schwer war der Kurs?
Julia: Die Bedingungen waren wie im Frühjahr: Warmes Wetter, Sonne und Firn. Besonders am Dienstag im Training war die Geschwindigkeit extrem langsam, weil der Schnee so weich war. Mittwoch während des Rennens war das dann um einiges besser. Die Piste hat sogar bis zum Schluss gut gehalten. Der Kurs selber erforderte eine kluge Linienwahl und verzieh keine Fehler, da das Gelände relativ flach war. Zwei Sprünge im unteren Teil habe ich nie optimal erwischt. Ich bin nicht ganz im Steilen gelandet und habe dadurch jedes Mal Zeit verloren. Insgesamt gut zu meistern und ein gelungener Wettkampf mit interessanten Überholmanövern in den Heats.

Ski2b: Nun ist Skicross seit Ende November olympisch. Spürst du als beste Deutsche im Skicross Veränderungen? Wird die Aufmerksamkeit höher in den Medien?
Julia: Im DSV hat sich bisher, nach meinem Empfinden, wenig verändert. Von einem Tag auf den anderen kann man natürlich nicht viel erwarten. Aber immerhin ist Skicross jetzt offiziell Leistungssport und ich hoffe schwer, dass sich spätestens nächstes Jahr größere Veränderungen, d.h. mehr Unterstützung für uns Athleten, einstellen. Von Seiten der Medien ist das Interesse gestiegen. Ich bin gespannt, wie der Sport im Fernsehen zukünftig präsentiert wird und inwieweit damit das Interesse in der Öffentlichkeit steigt.


Ski2b: Was sind Deine Ziele für die Saison 06/07?
Julia: Mein erstes Ziel habe ich bereits erreicht: Nämlich an die Ergebnisse der letzten Saison anzuknüpfen. Außerdem habe ich eine Einladung für die X-Games erhalten, worauf ich ziemlich stolz bin. Das war vor zwei Jahren noch undenkbar. Zukünftig wäre mein absolutes Traumergebnis eine Platzierung unter den Top 4, also ein Einzug ins Große Finale. Dafür muss ich mich im Halbfinale aber noch steigern.

Ski2b: Wie schaffst du die Doppel-Belastung Skicross/Schule? Wie muss man sich einen normalen Tag von Julia Manhard vorstellen?
Julia: Aufgrund des Schneemangels fallen im Moment sämtliche Wettkämpfe aus. Dadurch habe ich mehr Zeit für die Schule als erwartet. Die richtig stressige Zeit kommt also erst noch, wenn ich längere Zeit unterwegs bin. Das Entgegenkommen von Lehrern und Mitschülern erleichtert das Ganze dann enorm, wofür ich sehr dankbar bin. Im Mai schreibe ich mein Abitur. Bis dahin wird mein Alltag hauptsächlich von Schule und Skifahren bestimmt. Also bis Mittag Unterricht, zweimal in der Woche zusätzlich Nachmittagsschule. Versäumten Stoff teilweise schon während des Wettkampfwochenendes nachholen, Facharbeit schreiben, Schulaufgaben nachschreiben und wenn es bei uns endlich schneien würde, wäre ich wohl fast jeden Tag noch irgendwo am Berg unterwegs. Ganz stressfrei geht das bei ca. 30 Fehltagen pro Winter natürlich nicht.

Ski2b: Julia, vielen Dank für das Interview und weiterhin alles Gute in der Schule und im Sport.
Julia: Danke schön.