Ski2b.com sprach mit dem ÖSV-Slalomspezialisten Kilian Albrecht über die zurückliegende Saison und seine sportliche Zukunft, die sich vermutlich jenseits des Österreichischen Skiverbandes abspielen wird.

Ski2b.com: Kilian, die Skisaison 2004/2005 ist längst vorbei, aber an den 'Nachwirkungen' hast Du dennoch aktuell noch zu 'knabbern'. Immerhin steht am Ende der Saison unter dem Strich der Rausschmiss aus allen Kadern des ÖSV.
Kilian: Das ist richtig und bitter zugleich. Die Saison hatte für mich sportlich zunächst überhaupt nicht gut begonnen und der gesamte Verlauf des Winters war auch in der Folge nicht gerade rosig, obwohl ich im letzten Saison-Drittel besser in Schwung gekommen bin. Platz zehn in Schladming und ein weiterer 14. und 17. Platz sind Beleg dafür. Leider hat es für die Finals nicht mehr ganz gelangt, aber in der FIS-Rangliste bin ich dennoch auf Position 29 gelistet und damit sechstbester Österreicher. Leider stehe ich nunmehr aber vor der Erkenntnis, dass man mir von Seiten des Verbandes nicht mehr das Vertrauen ausspricht. Damit ist die Basis für eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr vorhanden.

Ski2b.com: Kannst Du genauer beschreiben wie der momentane Stand der Dinge ist?
Kilian: Stand der Dinge ist, dass ich nach dem letzten Weltcuprennen in Kranjska Gora mit meinem Gruppenchef Gert Ehn ein Gespräch hinsichtlich der Zukunft geführt habe, aber danach sechs weitere Wochen lang von der Trainerschaft und dem Verband nichts mehr zum Thema gehört habe. Erst am 23. April wurde mir durch Herren-Cheftrainer Toni Giger mitgeteilt, dass ich zukünftig nicht mehr im ÖSV-Kader berücksichtigt werde.

Ski2b.com: Wie lautete denn hier die Begründung von Seiten des ÖSV?
Kilian: Man hat mir ganz klar gesagt, dass ich schlicht ein 'Platzfahrer' sei und meine Perspektiven im Leistungsbereich begrenzt wären. Mein Eindruck ist, dass man mich ganz klar auf das Abstellgleis schieben will und man mich höchstens über den Weg der Qualifikationsrennen wieder hinten andocken würde. Aber dies ist für mich keine Option für die Zukunft. Ich habe mir immer viele Sachen erkämpfen müssen und so werde ich jetzt auch weiterhin dafür kämpfen, dass man mir eine faire Chance gibt, damit ich zukünftig Weltcuprennen fahren kann. Denn so entzieht man mir quasi die Möglichkeit zur Ausübung des Sportes. Daher habe ich die Konsequenzen für mich gezogen.

Ski2b.com: Und wie sehen die in Deinem Fall aus?
Kilian: Ich habe am vergangenen Sonntag ein Gespräch mit dem ÖSV-Präsidenten Peter Schröcksnadel geführt und dort angeregt, dass man mir die Freigabe zum Nationenwechsel geben soll. Ich habe dem Präsidenten gesagt, dass ich zwar die Entscheidung des Verbandes akzeptieren muss, wenn sie mich aus dem Kader streichen, dass ich aber noch weiter im Weltcup fahren möchte und unter diesen Bedingungen beim ÖSV keine Perspektive mehr sehe. Immerhin bin ich schon einmal im Jahr 1999 aus dem Kader gestrichen worden - damals mit der Begründung, dass ich mit 26 Jahren zu alt sei - und nach der nun zweiten Streichung habe ich auch Herrn Schröcksnadel klar gesagt, dass man die gleiche Frau ja auch nicht dreimal heiratet. Das Vertrauen ist dahin und somit auch die Grundlage für Spitzenleistungen. Insofern sollte es hier einen klaren Schlussstrich für beide Seiten geben und ich bitte schlicht um eine Chance, dass ich meinen Sport in einem anderen Verband und unter anderen Bedingungen ausüben möchte.

Ski2b.com: Wie waren die Reaktionen auf Deinen Wunsch nach Freigabe?
Kilian: Das bleibt letztlich noch abzuwarten. Ich werde meinen Wunsch auch noch schriftlich an den ÖSV übermitteln. Natürlich verweist man mich an dieser Stelle auf den Weg über die Qualifikationsrennen. Außerdem gibt es eine ÖSV-Richtlinie, die nur in Ausnahmefällen eine Freigabe vorsieht z.B. bei Heirat ins Ausland hinein und dem Wunsch nach Verlagerung des Lebensmittelpunktes in dieses Land. Ansonsten greift die Regelung der FIS, die bis zum angestrebten Verbandswechsel eine einjährige Sperre vorsieht.

Ski2b.com: Wie sehen Deine nächsten Schritte mit Blick auf einen Nationenwechsel aus und was erhoffst Du Dir davon?
Kilian: Nach der schriftlichen Anfrage zur Freigabe werde ich zunächst mit dem Konditraining einsteigen und vielleicht ein wenig auf dem Kaunertaler Gletscher trainieren. Ich weiß, dass vor mir eine möglicherweiser schwere Zeit liegt. Die Wechselregeln sind extrem, aber in meinem Umfeld gibt es Leute, die mich unterstützen. In welchen Verband ich dann wechseln würde, steht dabei zunächst nicht als erste Frage an, denn zunächst braucht es die Freigabe. Unabdingbar ist aber für den Leistungssport das Vertrauen in den Sportler. Dies ist für mich das wichtigste Kriterium. Dann kann ich auch mit Spaß an die Sache herangehen. Doch so macht es eben keinen Spaß mehr. Ich bin 32 Jahre und muss mir das dann nicht mehr antun. Ich habe mir nie einen Maulkorb anlegen lassen und habe immer Stellung bezogen, wenn mir etwas nicht gepasst hat, jedoch habe ich mich gegenüber dem ÖSV immer fair verhalten und bin trotz einiger, meiner Meinung nach fragwürdiger Entscheidungen, nie negativ gegenüber dem Skiverband an die Öffentlichkeit getreten. Mit ca. 20 Top 10-Platzierungen habe ich auch einiges für den ÖSV geleistet. Darum und aus den oben genannten Gründen erwarte ich eine faire Behandlung. Konkret wäre dies eine Freigabe ohne Probleme. Aber wenn es sein muss, dann werde ich jetzt auch vor rechtlichen Schritten nicht Halt machen, denn es geht um meine Zukunft. So wie ich die Herren vom ÖSV kenne, denke ich doch, dass es zu diesem Ernstfall nicht kommen wird. Sie haben ja auch des öfteren gegenüber der Presse erwähnt, dass wenn es einem Sportler im ÖSV nicht mehr gefällt, der kann gehen. Darum glaube ich, dass mir letztendlich keine Steine in den Weg gelegt werden.

Ski2b.com: Kilian, vielen Dank für das ausführliche Interview.
Kilian: Ich danke auch.